Kirche Prerow Georg Baselitz: Ein Weltkünstler in einer Dorfkirche

Von Nicole Kiesewetter

15.05.2026 · Prerow. Der kürzlich verstorbene Maler Georg Baselitz wird seit Jahren als einer der weltweit wichtigsten Künstler gefeiert. An Pfingsten ist eines seiner Bilder für 72 Stunden nonstop im Ostseebad Prerow auf dem Darß zu sehen.

Was nur Wenige wissen: Sein eigentlicher Name war Hans-Georg Kern und er stammte aus Deutschbaselitz in der Oberlausitz: der weltbekannte, kürzlich verstorbene Maler Georg Baselitz. Er verbrachte als Kind und Jugendlicher regelmäßig die Sommerferien mit der Familie auf dem Zeltplatz im Ostseebad Prerow. Vater Johannes Kern, lebensbeeinträchtigend kriegsverwundet, genoss diese Auszeit sehr und organisierte sie regelmäßig. „Für die Familie Kern bedeuteten diese Urlaube Glückseligkeit“, sagt Susan Knoll vom Förderverein der Prerower Kirche.

 

Es sei bekannt gewesen, dass Georg Baselitz 1996 ein 3 x 4 Meter großes Gemälde mit dem Titel „Mein Vater sieht einen Engel“ gemalt hat. Es ist angelehnt an ein Foto, das seinen Vater gen Himmel blickend am Strand von Prerow zeigt. „Ein Bild voller Frieden und Harmonie. Eben das, was die Kerns hier in Prerow suchten und fanden und was sie nur schwerlich in ihr Leben zu Hause mitnehmen konnten“, sagt Knoll.

 

Glückliche Erinnerungen an Prerow

 

Es entstand die Idee, aus Anlass des 300. Jubiläums der Seemannskirche das Gemälde nach Prerow zu holen. Susan Knoll habe sich „dann einfach getraut“ und Kontakt mit Georg Baselitz aufgenommen, der schon einen Tag nach Erhalt der Anfrage per Mail antwortete: „Ich habe sehr glückliche Erinnerungen an die Zeit. Im Ort gab es damals eine Eisdiele, man bekam dort Eis mit alkoholischen Essenzen und es gab keine gepflasterten Straßen, wunderbar. Ich war auch in der Kirche; es gab damals einen Beschließer, den man nicht verstand, aber ich fand das Ganze - weil es so unsächsisch und heidnisch war - sehr schön!“ - Baselitz gab sofort die Zusage, das Gemälde „Mein Vater sieht einen Engel“ in der Prerower Kirche ausstellen zu dürfen.

 

Schnell sei jedoch klar geworden, für alles würden Spezialisten benötigt - ein Restaurator, eine Wachfirma, eine Versicherung, ein Transportunternehmen. Aufgrund der hohen Kosten wäre es daher nicht möglich gewesen, das Bild für zwei, drei Wochen in der Urlaubszeit zu präsentieren. „Ein Wunschtraum“, sagt Knoll, „aber allein die Bewachungskosten für das Werk, das einen siebenstelligen Wert hat, wären für einen kleinen ehrenamtlich tätigen Verein nicht zu stemmen.“

 

Baselitz rund um die Uhr

 

So entstand die „Idee der Verknappung“, das Gemälde „kurz, aber heftig“ auszustellen. So wird es jetzt sein: Drei Tage rund um die Uhr, 72 Stunden, von Freitag, dem 22. Mai, bis Pfingstmontag, dem 25. Mai, wird Baselitz' Werk zu sehen sein. „Baselitz nicht nur von 9 bis 17 Uhr, sondern auch nachts um 3 Uhr genießen - das ist doch was“, sagt Susan Knoll. Im Förderverein war die Begeisterung für die Idee groß, schnell seien viele bereit gewesen, auch nachts Wein und morgens um 6 Uhr Kaffee auszuschenken. „Ein Weltkünstler in einer Dorfkirche - wenn das keine Geschichte ist!“, freut sich die Initiatorin.

 

Schnell sei man sich einig gewesen, keinen Eintritt zu erheben und stattdessen auf die Generosität der Besuchenden zu setzen und um Spenden zu bitten. Schließlich finde am Pfingstsonntag noch das Benefizkonzert „Cello-Zauber“ statt. „Wenn wir unter dem Strich mit einer schwarzen Null aus dem Event herauskommen, dann sind wir sehr zufrieden.“ Entscheidend sei, „dass wir ein Bild quasi zu seinem Nachhause, seinem Ursprungsort, gebracht haben, Weltkunst in unsere ländliche Region gebracht haben, zudem die Region in den Fokus gerückt und viel für das Image des Darß, unserer wunderschönen kleinen Kirche und unseres Vereins getan haben. Kommt alle nach Prerow!“, fasst Susan Knoll das Anliegen zusammen.

 

Hochwertige Kunstdrucke handsigniert

 

Der Tod von Georg Baselitz mache alle in der Vorbereitungsgruppe sehr betroffen, wobei er aus gesundheitlichen Gründen von vornherein seine Anwesenheit vor Ort abgesagt hatte. „Aber er hat uns noch kürzlich 25 hochwertige Kunstdrucke des Gemäldes 'Mein Vater sieht einen Engel' von Hand signiert, die vom Förderverein nun zum Wohle der Seemannskirche verkauft werden können. Damit hat er uns sehr großzügig unterstützt.“

 

Mit seinem Tod habe das Projekt noch einmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Man werde „Georg Baselitz 72 Stunden nonstop in der Seemannskirche“ jetzt mit besonderer Sorgfalt und Respekt vor dem Weltkünstler umsetzen. So werde unter anderem ein Kondolenzbuch in der Kirche ausgelegt, in das sich die Verehrer seiner Kunst eintragen können.

Quelle: epd