Professor Rahmstorf auf Kirchlichem Fachtag "Kirche, Klima, Handeln…!": "Wir steuern auf eine von Menschen erzeugte Erderwärmung zu"
Foto: kirche-mv.de/D. Vogel
08.03.2026 · Güstrow. Schonungslose Situationsanalyse beim Fachtag für klimagerechtes Wirtschaften unter dem Motto „Kirche, Klima, Handeln…!“ am Samstag (7. März) in Güstrow: „Dass die Erde sich seit geraumer Zeit erwärmt, steht zweifelsfrei fest“, so der international renommierte Klimafolgenforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Vor 150 Interessierten aus Kirche, Gesellschaft und Politik stellte der Wissenschaftler aktuelle Erkenntnisse zur Klimakrise vor. Eingeladen zum Austausch hatten der Kirchenkreis Mecklenburg und das Kirchliche EnergieWerk (KEW) mit Unterstützung des Kommunalversorgers Wemag AG.
„Die CO₂-Konzentration ist die höchste seit 15 Millionen Jahren“, sagt Prof. Rahmstorf. „Die Natur nehme nur gut die Hälfte der echten CO₂-Emissionen auf, die eindeutig der Mensch insgesamt verursacht. Wir steuern auf eine Erderwärmung zu.“ Mit Folgen für die Menschen, die „Kinder der Eiszeit“ seien und daher an kühlere Temperaturen gewohnt – ebenso wie die Tier- und Pflanzenwelt.
„Gerade die Jahre 2023 und vor allem 2024 waren die bisher wärmsten seit Beginn der Messungen. Da die Temperatur auch natürlichen Schwankungen unterliegt, war bisher unklar, ob sich die Erwärmung beschleunigt hat“, skizzierte Prof. Rahmstorf neueste Daten, die er gemeinsam mit dem US-Statistiker Grant Foster erst vor wenigen Tagen veröffentlicht hatte. Rechnet man die Einflüsse von El Niño, solaren Zyklen und Vulkanausbrüchen heraus, liegt die Erderwärmung laut dem Potsdamer Forscher „von 1970 bis 2015 bei durchschnittlich 0,2 Grad pro Jahrzehnt und in der Dekade seit 2015 bei 0,35 Grad“. In Deutschland sei es durchschnittlich bereits 2,5 Grad wärmer als früher.
Vor diesem Hintergrund mit „zunehmenden extremen Hitzeperioden und extremen Regenfällen“ gibt es laut dem Wissenschaftler keine Alternative zum Pariser Klimaabkommen, das er für einen „sensationellen Erfolg“ hält. Konkret wurde im Jahr 2015 beschlossen, die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C – idealerweise 1,5 °C – im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.
Stralsunder Schüler hakten bei Experten nach
Dass sich besonders junge Leute um die Zukunft der Menschheit Sorgen machen, verdeutlichten authentisch Schülerinnen und Schüler der christlichen Jona-Schule aus Stralsund. Sie hatten auf dem Fachtag ins Thema eingeführt und moderierten ebenso ein Podium mit Prof. Rahmstorf und weiteren Experten aus Kirche, Theologie und Wirtschaft. Auf die Frage, wie die Kirchengemeinden wohl in 20 oder 30 Jahren den Klimaschutz umsetzen, antwortete die Fachrunde: mit Wärmepumpe im Pfarrhaus, Photovoltaikanlage nach Möglichkeit auch auf dem Kirchendach, eventuell einer oder mehreren Windkraftanlagen auf dem Kirchenacker und einer multifunktionalen Nutzung aller Gebäude durch Kirche und andere, wie die Kommune oder Vereine.
Landesbischöfin und Pröpstin erinnern an Verantwortung für Gottes Schöpfung
Bereits zu Beginn des Fachtages hatte Nordkirchen-Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt als Schirmherrin die Kirche als „Task Force der Hoffnung“ bezeichnet. Wörtlich sagte die Theologin: „Wir sind heute hier, weil uns Gottes Schöpfung am Herzen liegt. Und weil wir Verantwortung übernehmen wollen, damit sie lebendig bleibt. Sie alle bringen Ideen, Mut und Tatkraft mit – und genau das brauchen wir jetzt.“ Die Nordkirche habe sich ein klares Ziel gesetzt: „Bis 2040 wollen wir treibhausgasneutral sein. Heute geht es darum, dieses Ziel mit Leben zu füllen – ganz konkret.“ Denn die Klimakrise zeige deutlich, wie empfindlich das Beziehungsgeflecht ist, das unsere Erde zusammenhält. „Wir Menschen stehen mittendrin. Und deshalb können wir uns der Verantwortung nicht länger entziehen.“
Dies unterstrich ebenso Pröpstin Britta Carstensen für den Kirchenkreis Mecklenburg, der seit langem – auch durch seine eigene Stiftung Klimaschutz und das Kirchliche EnergieWerk – das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt des eigenen Handelns stellt. Dennoch gebe es noch eine Menge zu tun.
Konkrete Projekte und Möglichkeiten in Kirchengemeinden im Blick
Konkrete Handlungsmöglichkeiten vor Ort kamen in Workshops zur Sprache. Dabei ging es beispielsweise um die Nutzung kirchlicher Flächen für Photovoltaik- oder Windkraftanlagen, ökologische Standards bei der Gebäudesanierung oder Strategien, um Skeptiker von Klimaschutzmaßnahmen zu überzeugen – von denen eine kleine Gruppe übrigens friedlich vor dem Veranstaltungszentrum Viehhalle am Morgen demonstriert hatte und einige selbst am Fachtag teilnahmen. Die Bedeutung von Maßnahmen unterstrich Wolfgang von Rechenberg: „Schon kleine Schritte – etwa bei der Beschaffung von Büromaterialien oder beim geförderten Bau einer Elektro-Ladesäule – können vor Ort viel bewirken.“
Das Kirchliche EnergieWerk (KEW), so der Geschäftsführer, setze sich im Auftrag des Kirchenkreises Mecklenburg für die Umsetzung des Klimaschutzes innerhalb der Kirche durch Beratung sowie unter anderem die Betreibung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen auf Kirchenland ein. Daher stand – wie sich Kirchengemeinden in christlicher Verantwortung sowohl für die Bewahrung der Schöpfung engagieren als auch ein Mehr an Einnahmen erwirtschaften können – im Mittelpunkt des Klimatages, der auch den von der mecklenburgischen Synode bereits im Frühjahr 2021 beschlossenen Klimaschutzplan 2030 befördern sollte.
MV-Bischof: Kirche muss selbst beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen
Für MV-Bischof Tilman Jeremias, der die Andacht zum Schluss des Fachtages für klimagerechtes Wirtschaften gestaltete, gehört der Klimawandel zu den drängendsten Themen unserer Zeit. Er sei froh, bereits mit den tansanischen Partnerdiözesen darüber im Gespräch zu sein. Denn sowohl Tansania als auch Mecklenburg-Vorpommern seien abhängig von der Landwirtschaft als größtem Wirtschaftsfaktor. Und er sei dankbar für den inspirierenden Güstrower Fachtag. Denn dass die Kirche selbst beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangeht – etwa durch Umweltmanagementsysteme oder entsprechende Klimaschutzpläne –, sieht der Theologe als Pflicht zur Bewahrung von Gottes guter Schöpfung an.
Quelle: ELKM (cme)