Pommersche Kirchenkreissynode tagte Im Gespräch bleiben und Haltung zeigen
Foto: PEK/S. Kühl
21.03.2026 · Züssow. Am heutigen Sonnabend fand die 8. Tagung der III. Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) statt. Schwerpunkte der Synode waren mit dem Blick auf die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September 2026 der Umgang mit populistischen Parteien und verschiedene Fragestellungen im Themenfeld zwischen christlichem Glauben und politischer Verantwortung. Dazu fanden Diskussionen, Vorträge und Workshops statt.
Die Synodalen beschlossen einen durch zahlreiche Bibelzitate theologisch begründeten Aufruf an die Kirchenmitglieder des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September 2026. Darin verleiht die Synode ihrer Sorge darüber Ausdruck, dass populistische Parteien, wie AfD und BSW, in den Landtag einziehen oder erneut einziehen. „Wir sind beunruhigt, weil Positionen zum Menschenbild im Parteiprogramm der AfD mit dem Evangelium und den Positionen der Evangelischen Kirche nicht vereinbar sind“, heißt es in dem Aufruf. „Indem die AfD ein völkisch-nationalistisches Menschenbild postuliert, das sich primär über die Zugehörigkeit zu einer ethnisch bestimmten Volksgemeinschaft definiert, stellen sich die Wahlprogramme der AfD gegen das christlich-biblische Menschenbild. Dieses besagt, dass jeder Mensch unmittelbar von Gott seine unantastbare Würde zugesprochen bekommen hat, die uneingeschränkt von Ethnie, Geschlecht, Religion und Weltanschauung gültig ist. Die Menschenwürde ist nach christlicher Auffassung nicht abstufbar und darf nicht mehr oder weniger zuerkannt werden.“
Internationale Offenheit zählt zum kirchlichen Selbstverständnis
Eine eingeschränkte Anerkennung der Menschenwürde zeige sich in den Äußerungen der AfD und ihrer Verantwortungsträger, insbesondere im Zusammenhang mit migrationspolitischen Fragen. Jeder Christ, jede Christin sollte sich fragen, ob eine Partei mit einem völkisch-nationalistischen Menschenbild für ihn, für sie wählbar sei, so der Aufruf der Synode. Bezüglich wichtiger gesellschaftlicher Fragen, wie dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, beim Thema Frieden oder beim Klimawandel, seien Christinnen und Christen zu einem differenzierten Denken und Handeln aufgefordert, wohingegen populistische Parteien auf komplexe Fragen vereinfachende Sichtweisen propagieren. Im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis gehört internationale Offenheit zum Selbstverständnis der Kirche, wie sie unter anderem in den ökumenischen Kontakten sichtbar werde, stellt der Aufruf klar.
Kirche setzt sich für Randgruppen ein
„Wir lehnen die oft geäußerte Forderung von AfD-Funktionsträgern ab, dass sich die Kirche politischer Stellungnahmen und Aktivitäten enthalten solle. Der Auftrag der Kirche, sich für Ausgegrenzte und Randgruppen einzusetzen, bleibt essentiell, ebenso der Auftrag, das Wächteramt der Kirche (Dietrich Bonhoeffer) als christliche Stimme in der Öffentlichkeit wahrzunehmen“, betont der Aufruf. Darüber hinaus hält die pommersche Kirchenkreissynode die Absicht der AfD, in Mecklenburg-Vorpommern den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen, für gefährlich, weil „für unsere Gesellschaft eine freie, verantwortungsvolle Medienlandschaft und die Akzeptanz verschiedener Meinungen und Haltungen sowie das öffentliche Ringen um Wahrheit, unerlässlich sind.“
Kritische Auseinandersetzung mit Wahlprogrammen
„Wir bitten die Gemeindeglieder in unserem Kirchenkreis, sich mit den Wahlprogrammen aller Parteien kritisch auseinanderzusetzen“, so der Aufruf weiter. „Zugleich rufen wir auf, AfD-Wähler und Menschen mit AfD-nahen oder populistischen Ansichten in den Kirchengemeinden und anderswo nicht auszugrenzen. Versuchen wir immer wieder, im Gespräch zu bleiben! Dabei sollten wir zwischen AfD-Wählern sowie Menschen, die mit AfD-affinen Ansichten ihre Sorgen um die Zukunft artikulieren, und denen differenzieren, die Mitglieder und Funktionäre in der AfD sind. Wer bei unüberbrückbaren Positionen Haltung zeigt und gleichzeitig gesprächsoffen bleibt, gibt andere nicht auf, wie es oft in der Gesellschaft geschieht, da sich gesellschaftliche Polarisierungen beschleunigen und dadurch das Vertrauen in Menschen und in demokratische Institutionen immer weiter beschädigt wird.“
Brückenbauer der Verständigung
Die Kirchenkreissynode vertritt in ihrem heute beschlossenen Aufruf den Standpunkt, dass Christinnen und Christen in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation Ängste nicht verstärken sollten, wie es populistische Parteien versuchen. Stattdessen könnten und sollten sie sich als Brückenbauer der Verständigung zwischen Menschen verstehen. „Das bedeutet auch, sich konstruktiv für die offene demokratische Gesellschaft einzusetzen, die es im Gegensatz zu autoritären Gesellschaftsformen ermöglicht, dass Menschen mit verschiedenen Überzeugungen und Religionen und unterschiedlicher Herkunft sowie mit divergierenden Weltanschauungen gut und in Rechtssicherheit zusammenleben können.“
Position zur Landtagswahl: Antrag an die Landessynode
In einem weiteren Beschluss stellte die pommersche Kirchenkreissynode einen Antrag an die Landessynode und die Kirchenleitung der Nordkirche, in dem sie folgende Bitten formulierte: Die Landessynode möge die Frage beantworten, welche Aufgabe und Verantwortung haben die Nordkirche und Christen im Umgang mit den politischen Absichten der AfD? Die Kreissynode bittet die Landessynode zu prüfen, ob Mitglieder der AfD und anderer Organisationen, die sich gegen das christliche Menschenbild stellen, ein kirchliches Leitungsamt übernehmen können.
Vortrag analysiert AfD-Wahlprogramme
Vor den Beschlussfassungen mit Bezug zur Landtagswahl hörten die Synodalen einen Vortrag von Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins zum Thema „Demokratie unter rechtsautoritärem Druck. Unterscheidungen aus den Quellen der katholischen Sozialethik“. Detailliert analysierte die Referentin Wahlprogramme der AfD. Dabei konzentrierte sich die Referentin vor allem auf die Themenkomplexe Sozialstaat und Religionspolitik. Wissenschaftlich basiert illustrierte Marianne Heimbach-Steins, dass die AfD-Wahlprogramme nicht zu christlichen Vorstellungen und Überzeugungen passen. „Wenn die AfD irgendwo in Deutschland Regierungsmacht übernimmt, wird das für kirchliche Institutionen existenzgefährdend sein“, so die Professorin. „Wir können etwas tun und sollten dafür starke Allianzen schmieden“, lautete ihr abschließender Apell.
Austausch in Workshops
Im Anschluss an Vortrag und Diskussion tauschten sich die Synodalen in mehreren Workshops zu folgenden Fragestellungen aus: Wie gelingt demokratische Arbeit in kirchlichen Gremien? Wie gelingen Gespräche über Politik und Demokratie? Wo und wie muss sich Kirche von der AfD distanzieren? Wie gehen wir mit der Kandidatur und Mitgliedschaft von AfD-Mitgliedern in kirchenleitenden Gremien um? Wie verhalten sich andere Landeskirchen und Bistümer zu dieser Frage? AfD und Jugend – welche Aufgaben hat hier die Kirche?
Weitere Themen
Zu den weiteren Themen der Synode zählten unter anderem mehrere Beschlüsse des Kirchenkreisrats zu Stellen-Wiederbesetzungen sowie eine Änderung des Verfahrens bei Wiederbesetzung unvorhergesehen freiwerdender Stellen, über die künftig im Einzelnen der Kirchenkreisrat im Einvernehmen mit dem Finanzausschuss entscheidet.
Die Tagung begann morgens um 9 Uhr im Wichernsaal des Tagungshotels „Ostseeländer“ mit einer Andacht, gehalten von Bischof Tilman Jeremias, und endete kurz nach 19 Uhr. Von den 55 Synodalen des Kirchenkreises nahmen 38 an der Tagung teil. Das Gremium war damit beschlussfähig. Zudem waren zwei Jugenddelegierte während der Tagung anwesend. Geleitet wurde die Synode von Präses Dr. Klemens Grube und den Vizepräsides Pastor Matthias Gienke und Dr. Verena Hoffmann. Schriftführende waren die Synodalen Dorothea ter Veen, Reinhard Kurowski und Pastor Christian Bauer.
Weitere Informationen
Weitere Infomationen und Bilder sowie den vollständige Aufruf der Kirchenkreissynode an die Kirchenmitglieder des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie unter: 8. Tagung der III. Kirchenkreissynode
Quelle: PEK (sk)