Propst Dirk Fey eröffnet Ausstellung "Queer im Museum" "Vielfalt gehört in die Mitte unserer Gesellschaft und unserer Kirche"
Foto: ELKM
30.06.2026 · Rostock. Mit einem eindringlichen Plädoyer für Sichtbarkeit, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat Propst Dirk Fey am heutigen Dienstag die Ausstellung „Queer im Museum“ in der Nikolaikirche Rostock eröffnet. Die Exposition widmet sich queeren Lebensgeschichten in Mecklenburg-Vorpommern und macht deren historische und gegenwärtige Bedeutung für die Gesellschaft sichtbar.
In seinem Grußwort betonte der Rostocker Propst des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Mecklenburg die Bedeutung solcher Ausstellungen in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung und zunehmender Polarisierung. „Sichtbarkeit ist für viele queere Menschen wieder anstrengender geworden. Vorurteile treten deutlicher hervor, Räume für Vielfalt werden enger und der Ton öffentlicher Debatten wird rauer. Gerade deshalb ist diese Ausstellung so wichtig. Sie holt queere Lebensrealitäten in das kollektive Gedächtnis und mitten in die Gesellschaft“, sagte Dirk Fey.
Der Propst sprach dabei auch persönlich über sein Leben als schwuler Mann und die Selbstverständlichkeit, mit der queere Menschen heute vielerorts in Kirche und Gesellschaft leben. „Wenn wir über queere Sichtbarkeit sprechen, reden wir nicht über eine abstrakte Theorie. Wir reden über das reale Leben von Menschen, die selbstverständlich Teil unserer Gemeinden und unserer Gesellschaft sind“, so der evangelische Theologe.
Einen besonderen Bezug zur Nikolaikirche stellte der Propst durch die Darstellung der heiligen Kümmernis her. Das mittelalterliche Fresko einer bärtigen Frau zeige, dass Fragen von Geschlechterrollen und Identität keine Erfindung der Gegenwart seien. „Das Fresko erinnert uns daran, dass das Überschreiten starrer Grenzen und das Nebeneinander unterschiedlicher Identitäten tief in unserer Kultur- und Glaubensgeschichte verwurzelt sind“, so Dirk Fey.
Jeder Mensch trägt etwas vom Bild Gottes in sich
Auch theologisch warb der Propst für einen offenen Blick auf die Vielfalt menschlichen Lebens. Mit Verweis auf die Schöpfungsgeschichte im ersten Buch Mose hob er hervor, dass Gottes Schöpfung von Vielfalt und nicht von Ausgrenzung geprägt sei. „Wir alle sind Teil von Gottes guter Schöpfung. Jeder Mensch trägt etwas vom Bild Gottes in sich. Queeres Leben ist kein Widerspruch zur Schöpfung, sondern Ausdruck ihres Reichtums und ihrer Vielfalt“, betonte der Rostocker Propst. Zugleich lud er zur CSD-Andacht am 17. Juli um 16 Uhr in die Rostocker Marienkirche ein. Dort werde die Kirche erneut einen geistlichen Raum für Begegnung, Besinnung und gemeinsames Gebet anbieten.
Zum Abschluss dankte Dirk Fey den Initiatorinnen und Initiatoren der Ausstellung sowie allen beteiligten Partnern. Sein besonderer Dank galt den zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren, der Stiftung Mecklenburg, dem Kulturhistorischen Museum, der Jakobuskirchengemeinde und dem Kuratorium des Kirchlichen Zentrums Nikolaikirche Rostock.
Die Ausstellung „Queer im Museum“ setzt ein Zeichen für Offenheit, Erinnerungskultur und gesellschaftliche Teilhabe. Sie lädt dazu ein, queere Geschichte und Gegenwart als selbstverständlichen Teil der gemeinsamen Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns wahrzunehmen.
Info
Ausstellung „Queer im Museum - Lesben, Schwule, Trans*Personen in der Stadtgeschichte"
Ausstellung öffentlich zu besichtigen: 13.07. bis 30.07.2026, Montag bis Freitag - Eintritt frei
Rahmenprogramm - weitere Infos unter www.ratundtat-rostock.de
Ein Gemeinschaftsprojekt unter Federführung vom Verein rat + tat Rostock sowie dem Gleichstellungsbüro Rostock.
Quelle: ELKM (cme)