Dankesgottesdienst Müritz-Waldbrand: Zwischen Dankbarkeit und Resignation

30.07.2026 · Granzin. Der Brand im Müritz-Nationalpark ist unter Kontrolle, die Evakuierten konnten in ihre Häuser zurückkehren. Am vergangenen Sonntag fand ein Dankesgottesdienst für die Einsatzkräfte statt - Pastorin Cornelia Seidel beschreibt die Stimmung vor Ort.

Im Oktober 2024 hatten die Einwohner des kleinen Dorfes Granzin in der Gemeinde Kratzeburg (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) eine Evakuierung noch geübt - im Juli dieses Jahres wurde es dann ernst. Das Dorf musste aufgrund des Großbrandes im Müritz-Nationalpark vollständig evakuiert werden.

 

„Damals war das alles noch ein bisschen lustig“, erinnert sich Pastorin Cornelia Seidel. „Jetzt war die Lage auf einmal bedrohlicher. Als die Leute ihre Häuser abgeschlossen haben, wussten sie nicht, ob sie bei der Rückkehr alles noch so wiederfinden.“

 

Vertrauen in die Einsatzkräfte

 

Am Ende ging zum Glück alles gut. Die Granziner konnten unversehrt in ihre unbeschädigten Häuser zurückkehren. „Die Menschen waren sehr bewegt und sehr dankbar gegenüber den Einsatzkräften“, sagt die Pastorin der Kirchengemeinde Strelitzer Land. Am vergangenen Sonntag fand in Granzin ein Dankesgottesdienst für die Einsatzkräfte statt, den Seidel mit organisiert hat.

 

„Über 200 Menschen waren da, sie haben mit Mühe in die Kirche gepasst“, erzählt sie. Außerdem waren auch Vertretende der Einsatzkräfte und der Politik, unter anderem Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), Landrat Thomas Müller (CDU) und der Kratzeburger Bürgermeister Guntram Wagner vor Ort.

 

„Während der Evakuierung waren die meisten Leute recht gefasst und entspannt. Es gab wirklich ein großes Vertrauen in die Einsatzkräfte“, sagt Pastorin Seidel. Im Gottesdienst wurden die Granziner dann etwas emotionaler. „Da hat es vielleicht auch diesen emotionaleren Moment gebraucht, damit alles nochmal zum Abschluss kommt.“

 

Transparente, Kuchen, Pizza

 

Den Einsatzkräften selbst hätte das Gottesdienst-Team die Anstrengung der letzten Tage und Wochen angemerkt. „Trotzdem waren auch sie dankbar für die große Solidarität, die sie hier erfahren haben. In den umliegenden Dörfern hingen Transparente, die sich bei ihnen bedankt haben, es wurde Kuchen gebacken, die Gastronominnen und Gastronomen aus der Region haben zum Beispiel Pizza vorbeigebracht.“ Einsatzkräfte und Einwohner seien glücklich und stolz auf diese gelungene Zusammenarbeit.

 

Was die Menschen aus der Region jedoch weiter beschäftige, sei die Frage, was den Brand ausgelöst hat. Die Ermittlungen dauern an, offiziell ist die Brandursache noch nicht geklärt. Eine mögliche Brandstiftung stehe aber im Raum. „Das macht den Menschen hier natürlich Angst davor, dass es weitere Brände geben könnte“, weiß Seidel.

 

Anpassungen an Klimawandel

 

Gleichzeitig sei den Menschen vor Ort bewusst, dass es schlimmer hätte kommen können - und dass es das anderswo auch tut: Beim Dankesgottesdienst sei in einer Fürbitte den Betroffenen und Opfern der Großbrände, die aktuell in Südeuropa wüten, gedacht worden. „Die Menschen können mitfühlen, aber sie sehen die Unterschiede in den Dimensionen. Unser Brand war nichts im Verhältnis“, weiß Seidel.

 

Wetterveränderungen und den Klimawandel betrachten die Betroffenen kritisch, sagt Seidel. Denn der Waldbrand im Müritz-Nationalpark habe sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit vor Ort ausgebreitet, so das Schweriner Umweltministerium. Jetzt zieht die Landesregierung Konsequenzen: Am Dienstag hat das Umweltministerium die neue Klimaanpassungsstrategie des Landes vorgestellt.

 

„Die Frage ist heute nicht mehr, ob wir die Folgen des Klimawandels spüren, sondern wie gut wir darauf vorbereitet sind“, so Minister Backhaus. Klimarisiken sollen künftig bei staatlichen Entscheidungen von Beginn an berücksichtigt werden. Außerdem solle sie den Kommunen im Land Orientierung, unter anderem für den Katastrophenschutz und zur Gesundheitsvorsorge bieten.

 

Die Munitionsbelastung

 

Obwohl der Katastrophenschutz in der Müritz gut funktioniert hat und alles glimpflich ausging am Ende - einen Wermutstropfen gibt es: die Munitionsbelastung im Nationalpark. Der Brand hatte sich auf einem Gelände ausgebreitet, auf dem Munitionsreste aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der DDR im Boden liegen. Das habe die Löscharbeiten erschwert. „Da herrscht schon Resignation darüber, dass die Politik es nicht hinbekommt, die Munitionsbelastung aufzuräumen“, sagt Seidel. Momentan würden aber Erleichterung und Dankbarkeit überwiegen.

 

Auch für Umweltminister Backhaus ist die Munitionsbelastung ein Thema. Vergangene Woche erneuerte er seine Forderung an den Bund, die Räumung der Flächen, die mit Munition belastet sind, zu beschleunigen. In Mecklenburg-Vorpommern gelten rund 60.000 Hektar Wald als munitionsbelastet, rund 10.000 Hektar dieser Fläche befinden sich auf ehemaligen Bundesliegenschaften.

 

Der Einsatz habe gezeigt, wie relevant die Zusammenarbeit im Waldbrandschutz sei, so Backhaus. „Genau daran werden wir jetzt arbeiten - mit der konsequenten Umsetzung des Sondereinsatzplans, weiteren Investitionen in den Waldbrand- und Katastrophenschutz und einer klaren Erwartung an den Bund, seiner Verantwortung bei der Munitionsberäumung gerecht zu werden“, sagte er.

Quelle: epd