Abschluss der Bischöflichen Besuchswoche in Anklam und der Region Bischof Jeremias: "Die Kirche bleibt im Dorf"
06.07.2026 · Greifswald/Anklam. Zum Abschluss seiner Bischöflichen Besuchswoche in und um Anklam zog Bischof Tilman Jeremias eine ermutigende Bilanz. Begegnungen mit Ehrenamtlichen, Kommunen und Einrichtungen zeigten: Die Region steht vor großen Herausforderungen, verfügt aber über starke kirchliche und gesellschaftliche Kräfte.
Mit einem Festgottesdienst in der Anklamer Kreuzkirche ist am Sonntag (5. Juli) die Besuchswoche von Bischof Tilman Jeremias im Kirchenkreis Pommern zu Ende gegangen. In seiner Predigt griff der Bischof die Erfahrungen und Gespräche der vergangenen Tage auf und zog eine Bilanz zahlreicher Begegnungen mit Kirchengemeinden, Ehrenamtlichen, kommunalen Vertreterinnen und Vertretern sowie Akteuren aus Diakonie, Bildung und Zivilgesellschaft.
Viele Begegnungen und ein klares Signal aus der Region
Dabei habe sich für ihn eine Botschaft besonders deutlich herauskristallisiert: „Die Kirche bleibt im Dorf!“ Diesen Satz habe er während der Besuchswoche immer wieder gehört, sagte Jeremias im Gottesdienst. Gerade in einer Region, in der Christinnen und Christen oftmals eine Minderheit bilden, erlebe er eine hohe Wertschätzung für die kirchliche Arbeit und Präsenz vor Ort.
Kirche als Anker im ländlichen Raum
Besonders eindrücklich seien die Gespräche beim Empfang mit Vertreterinnen und Vertretern des öffentlichen Lebens gewesen. Dort sei deutlich geworden, welche Bedeutung Dorf- und Stadtkirchen für das gesellschaftliche Miteinander besitzen. In seiner Predigt erinnerte Jeremias daran, dass zahlreiche Menschen mit großem Engagement ihre Kirchengebäude erhalten und mit Leben füllen. „Bei unserem Empfang am Donnerstag haben wir von mehreren Leuten deutlich gehört: ,Unsere Dorfkirche ist die schönste!‘“ Kirche sei vielerorts weit mehr als ein Ort für Gottesdienste. Sie schaffe Räume für Begegnung, Kultur, Engagement und Zusammenhalt. Besonders erfreut zeigte sich der Bischof über die vielfach gute Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden, Kommunen und Zivilgesellschaft.
Ehrenamt trägt das kirchliche Leben
Einen breiten Raum nahmen während der Besuchswoche die Gespräche über die Zukunft kirchlicher Arbeit ein. Themen wie Fachkräftemangel, demografischer Wandel, rückläufige Gemeindegliederzahlen und die Belastungen ehrenamtlich Engagierter seien vielerorts benannt worden. Gleichzeitig habe er „hoch engagierte ehrenamtlich tätige Menschen kennengelernt“, die mit großem Einsatz Verantwortung übernehmen und kirchliches Leben vor Ort ermöglichen. Das habe sich auch bei Gesprächen über die Friedhofsarbeit gezeigt. Fragen zu Bestattungskultur, Pflegeaufwand und Zukunftsperspektiven würden vielerorts gemeinsam angegangen.
Kraftorte christlichen Lebens
Als besonders ermutigend beschrieb Tilman Jeremias die Besuche in kirchlichen Einrichtungen der Region und nannte unter anderem das Campusfest der Evangelischen Schule und Kita Peeneburg in Anklam sowie das Evangelische Diakoniewerk Bethanien in Ducherow. Dort werde sichtbar, wie christlicher Glaube Menschen im Alltag begleite und trage. „Wir haben Kraftorte des christlichen Lebens kennenlernen dürfen“, sagte der Bischof. Bildung, Pflege, Begleitung und Teilhabe würden hier aus einem christlichen Menschenbild heraus gestaltet und seien wichtige Beiträge für die gesamte Region.
Herausforderungen mit Zuversicht begegnen
Zugleich habe die Besuchswoche gezeigt, wie viele Fragen Menschen derzeit bewegen. Die Zukunft der Kirchengemeinden, personelle Veränderungen, die Weitergabe des Glaubens an junge Menschen sowie gesellschaftliche und politische Entwicklungen seien immer wieder Thema gewesen. Trotz aller Unsicherheiten warb der Bischof für Gelassenheit und Vertrauen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Lösungswege auftun, wo wir miteinander reden und über Zusammenarbeit nachdenken.“ Entscheidend sei jedoch: „Nicht wir sind es, die unsere Kirchengemeinden aufbauen und gut in die Zukunft führen – es ist Gottes guter Geist.“
„Bleibt dran! Geht wieder los!“
Mit Blick auf die biblische Berufung des Fischers Simon Petrus zog Tilman Jeremias eine Verbindung zur Situation der Kirche heute. Der Auftrag der Kirche bestehe weiterhin darin, auf Menschen zuzugehen und Hoffnung weiterzutragen – auch dann, wenn Erfolge nicht sofort sichtbar seien. „Unser Evangelium sagt: Bleibt dran! Geht wieder los, auch wenn es sich sinnlos anfühlen mag!“ sagte der Bischof.
Widerstandskraft und Gestaltungskraft seit Generationen
Als Fazit seiner Besuchswoche hob Tilman Jeremias die große Widerstandskraft und Gestaltungskraft der Region hervor. „Seit zig Generationen wird hier christlicher Glaube gelebt; auch die Nazizeit und die DDR-Zeit konnten viele Menschen hier nicht davon abhalten, Gottesdienste zu feiern und ihr Leben an Gott auszurichten.“, so der Bischof. „Gottes Geist wirkt. Gottes Liebe trägt uns“, betonte er. Darin liege die Grundlage für die Zukunft kirchlichen Lebens in Anklam und den umliegenden Gemeinden. Bischof Tilman Jeremias schloss: „Und so wünsche ich Ihnen und Ihren Gemeinden, dass Sie sich immer wieder im Glauben stärken lassen, gerade in diesen herausfordernden Zeiten, dass Sie treu bleiben wie die ersten Fischer-Jünger und immer wieder den reichen Segen Gottes spüren, der uns begleitet auf all unseren Wegen.“
Quelle: Nordkirche (dds)