Nordkirche Deutlicher Rückgang bei Kirchenasylen
09.01.2026 · Hamburg/Kiel/Schwerin. Im Bereich der Nordkirche wurden im vergangenen Jahr 59 Kirchenasyle begonnen. Das waren fast 50 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Die Zahl der neu begonnenen Kirchenasyle hat sich in der Nordkirche in den beiden vergangenen Jahren fast halbiert. Wie die Nordkirchen-Flüchtlingsbeauftragte, Pastorin Dietlind Jochims mitteilte, wurden im Jahr 2025 insgesamt 59 Kirchenasyle begonnen, darunter 26 in Hamburg, 20 in Schleswig-Holstein und 13 in Mecklenburg-Vorpommern. Im Jahr 2024 wurden noch insgesamt 108 Kirchenasyle begonnen (Hamburg: 46; SH: 45; MV: 17).
Die im Jahr 2025 begonnenen Kirchenasyle betrafen laut Pastorin Jochims insgesamt 102 abgelehnte Asylsuchende, denen die Abschiebung drohte. Sie kamen vorwiegend aus Afghanistan, dem Iran, Somalia und Syrien. Von diesen 102 Flüchtlingen waren 29 minderjährig.
Druck auf Kirchengemeinden nimmt zu
Dass sich die Zahl der neuen Kirchenasyle 2025 im Vergleich zu 2024 fast halbiert hat, liege grundsätzlich an dem zunehmenden Druck auf das Kirchenasyl, erklärte Jochims. Dazu gehörten Behördenbesuche im Kirchenasyl, Abschiebungsankündigungen und vereinzelte Räumungen. Dem „'standzuhalten', dazu braucht es sehr starke Gemeinden und Unterstützende“.
Von der Politik wünsche Sie sich „ehrliche, lösungsorientierte Kommunikation, vor allem mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, sagte Jochims. „Das Kirchenasyl versucht, in einer immer weniger an Menschenrechten interessierten Politik zumindest in einzelnen Härtefällen ein Überdenken zu erreichen. Dies verdient meiner Meinung nach Respekt, nicht Diskreditierung.“
Kirchenasyl soll besondere Härte verhindern
Grund für ein Kirchenasyl sei „immer eine im Fall einer Abschiebung drohende besondere Härte/Menschenrechtsverletzung“, sagte Dietlind Jochims. Solch eine besondere Härte könne auch bei einer Überstellung in ein anderes europäisches Land drohen. Dazu gehörten vor allem die Unzumutbarkeit einer Abschiebung wegen schwerer Erkrankungen oder Suizidalität, nicht hinnehmbare Familientrennungen durch eine Abschiebung oder „erfahrene und drohende menschenrechtswidrige und entwürdigende Behandlung im Zielstaat“.
Das Hauptproblem beim Kirchenasyl sei die auf staatlicher Seite fehlende Bereitschaft, „gute humanitäre Lösungen in besonderen Einzelfällen zu finden“, sagte die Flüchtlingsbeauftragte. Dazu komme der hohe Druck, mehr Abschiebungen durchführen zu wollen, der zu einem weiteren Verlust an Akzeptanz führe. „Der Druck wirkt sich auch auf Kirchengemeinden aus, die grundsätzlich bereit sind, kirchlichen Schutz zu gewähren. Hier braucht es zivilgesellschaftlich und innerkirchlich noch mehr Zusammenstehen, kluges Überlegen und gegenseitiges Bestärken.“
Quelle: epd