"Sozialer Wohn-Monitor 2026" vorgestellt In MV fehlen 16.000 Sozialwohnungen
15.01.2026 · Schwerin/Berlin. Der Bestand an Sozialwohnungen schrumpft: Laut Studie fehlen in Mecklenburg-Vorpommern 16.000 günstige Wohnungen. Jüngere und Ältere sind die Verlierer auf dem Wohnungsmarkt.
In Deutschland fehlen zurzeit rund 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen und vor allem auch Sozialwohnungen. Das geht aus dem „Sozialen Wohn-Monitor 2026“ hervor, den das hannoversche Pestel Institut zusammen mit dem Bündnis „Soziales Wohnen“ am Donnerstag in Berlin vorstellte. Der Mangel habe damit ein Rekordhoch erreicht. In Mecklenburg-Vorpommern fehlen laut Studie rund 16.000 Sozialwohnungen.
Um das Defizit in Deutschland bis 2030 abzubauen, müssten „rund 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden“, sagte der Studienleiter des Instituts, Matthias Günther. Einbrüche bei den Baugenehmigungen ließen allerdings schon jetzt erkennen, dass es in den kommenden Jahren bundesweit lediglich rund 200.000 neu gebaute Wohnungen pro Jahr geben werde. Dies sei eine „fatale Entwicklung“: Während die Zahl der Neubauten deutlich sinke, würden Mieten weiter steigen.
Sozialer Wohnungsbau muss „Chefsache“ werden
Der Bund und die Länder dürften die Warnsignale, die der „Soziale Wohn-Monitor“ sende, nicht ignorieren, betonte Günther. Sozialer Wohnungsbau müsse zur Chefsache werden. Das Bündnis fordert ein „Bund-Länder-Pakt fürs Wohnen. Wohnen sei für alle Menschen essenziell. “Wenn die Demokratie nicht in der Lage ist, das Wohnen für alle zu realisieren, dann läuft sie Gefahr, dass sich die Bürger von ihr abwenden", sagte Günther.
Laut Studienberechnungen haben von mehr als 23 Millionen Mieterhaushalten in Deutschland mit Blick auf deren Einkommen etwa die Hälfte einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein, der den Bezug einer Sozialwohnung rechtfertigen würde. Insgesamt gebe es bundesweit aber nur noch rund eine Million Sozialwohnungen. Ziel müsse es sein, deren Zahl mindestens zu verdoppeln.
In Mecklenburg-Vorpommern gab es 2024 insgesamt rund 2.600 Sozialwohnungen, das entspricht einem Anteil von 0,5 Prozent der Mieterhaushalte, hieß es im „Soziale Wohn-Monitor 2026“. Das ist nach dem Saarland der niedrigste Wert bundesweit. Gleichzeitig gelten laut Statistik 222.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern als armutsgefährdet.
Junge und Alte sind Verlierer
Die Härte der Wohnungsnot in Deutschland treffe vor allem Jüngere und Ältere. Sie seien die „Verlierer auf dem Wohnungsmarkt“, sagte Günther. Jüngere müssten etwa Ausbildungsplätze ablehnen, weil sie keine Wohnung fänden. Ausbildungs- und Studienplätze nah an der elterlichen Wohnung verhinderten unter Umständen den Einstieg in den Wunschberuf. „Der Wohnungsmangel hat sich in Deutschland damit längst zur Wirtschaftsbremse entwickelt.“
Bei den Älteren treffe es immer mehr Baby-Boomer, die in den kommenden Jahren aus dem Berufsleben ausschieden. Viele erwarten nur eine kleine Rente und könnten sich ihre bisherige Wohnung nicht mehr leisten. Günther sprach von „erzwungenen Umzügen durch Altersarmut“. Dieses Phänomen der „Stadtvertreibung Älterer“ sei weit über Hamburg und München hinaus verbreitet.
Quoten notwendig
Bei Menschen mit Behinderungen stellt die Studie sogar eine „Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt“ fest. Um gegenzusteuern, seien etwa Quoten bei der Vergabe von Sozialwohnungen an Menschen mit körperlichen und psychischen Behinderungen notwendig. Vorübergehend sollten diese beim Auswahlverfahren sogar bevorzugt werden.
Für das Bündnis „Soziales Wohnen“ betonte die Bundesgeschäftsführerin der Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie, Janina Bessenich: „Wenn wir die Wohnungsnot nicht in den nächsten Jahren beheben, wird es schwarz aussehen für die Zukunft Deutschlands.“ Sie sehe massive Gefahren für den sozialen Frieden und auch den Wirtschaftsstandort.
Dem Bündnis gehören neben dem Mieterbund die IG Bau, die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie sowie zwei Akteure der Bauwirtschaft an.
Quelle: epd