"Solarfonds" Ein ideenreiches Beispiel für den Klimaschutz aus dem Dorf Kieve

Von Hans-Achim Kohl

Auf diesem Acker soll die der Photovoltaik-Freiflächenanlage entstehen, sagt Christine Jantzen, Ehrenamtliche Bürgermeisterin von Kieve.

Foto: H.J. Kohl

04.02.2026 · Röbel/Kieve. Das Dorf Kieve und die Kirchengemeinde gewinnen - und das gleich mehrfach. Vor kurzem bekam die Gemeinde einen Preis für die Idee, die Einnahmen einer Photovoltaik-Freiflächenanlage, die nördlich des Ortes errichtet werden soll, für eine Art „Solarfonds“ zu verwenden. Ideengeberin ist die ehrenamtliche Bürgermeisterin, Christine Jantzen, die früher auch im Kirchengemeinderat aktiv war.

Die konkrete Idee ist, „dass wir die 0,2 Cent pro eingespeiste Kilowattstunde, die nach dem neuen EEG (Paragraph 6), jeder Gemeinde zusteht, in einen, Solarfonds“ zuführen“, erläutert Christine Jantzen. Aus diesem Topf können sich die Einwohner des Dorfes in den kommenden Jahren „eine energieerzeugende oder energiesparende Maßnahme finanzieren lassen". Anträge können beispielsweise für PV-Dachanlagen, für Hausdämmungen oder sparsamere Elektrogeräte gestellt werden. Sobald die Anlage nördlich des Dorfes steht und Strom erzeugt, können die 71 Haushalte in Kieve Anträge auf Unterstützung stellen. „Wir wollen es zum einen, Interessierten ermöglichen, sich eine Solaranlage aufs Dach zu setzen und zum anderen die Akzeptanz dieser Flächen erhöhen“, so die Bürgermeisterin.

 

Kirchengemeinde ist in Projekt eingebunden

 

Die Kirchengemeinde Kieve-Wredenhagen steuert 8 Hektar von ihrem Kirchenland zu der insgesamt etwa 50 Hektar großen Anlage bei. „Ziemlich schnell war sich der Kirchengemeinderat Kieve-Wredenhagen einig", so erzählt der Vorsitzende, Ralf Bening, „das Projekt einer PV-Anlage auf Kirchenland mit zu verwirklichen. Die Beratungen dauerten von Frühjahr bis Sommer 2023". Doch erst im Dezember 2025 gab die Verwaltung des Kirchenkreises Mecklenburg grünes Licht. Der Pressesprecher des Kirchenkreises Mecklenburg, Christian Meyer, teilte auf Anfrage mit: „Das Projekt der Kirchengemeinde ist von der Liegenschaftsabteilung der Kirchenkreisverwaltung begleitet worden. Zur Vertragsgestaltung gab es notwendige Abstimmungen und juristische Prüfungen, die seine Zeit brauchten. Das Ganze wurde im Rahmen der kirchenkreislichen Aufsicht begleitet. Jetzt ist alles soweit rund und die Kirchengemeinde kann das Projekt angehen".

 

Die betroffene Fläche stellt die Kirchengemeinde aus zwei Gründen bereit: Sie hat eine geringe Bodenwertzahl und der Boden ist durch jahrelange düngerintensive Bewirtschaftung ausgelaugt. In der mindestens 20 Jahre dauernde PV-Nutzung kann sich der Boden erholen und seine Biodiversität erhöhen. Eine gute Pacht verschafft der Kirchengemeinde außerdem dringend benötigte Einnahmen.

 

Gute Pacht und Bewahrung der Schöpfung

 

Die Gemeinde Kieve plant eine eigenes Nahwärmenetz, um mit zwei oder drei Wärmepumpen das Dorf mit co2-neutraler Wärme zu versorgen. „Der Strom geht vom Solarpark in die Wärmepumpen, so dass wir unsere Haushalte mit warmem Wasser versorgen können" sagt Christine Jantzen. „Bisher wollen um die 50 dabei sein. Wahrscheinlich, wenn es dann läuft, 65 oder sogar alle Haushalte".

 

Motivation für ihre engagierte Arbeit zum Klimaschutz zieht Christine Jantzen auch aus ihrem christlichen Glauben: „Ich habe natürlich Bewahrung der Schöpfung als Thema schon immer gehabt. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir diesen Planeten mit allen Lebewesen erhalten können. Und wir sind gerade dabei, ihn komplett zu zerschreddern. Mit allem drum und dran, weil wir Energiehunger haben, weil wir Wärmehunger haben, der nicht akzeptabel ist.“

 

Kirchengemeinde hilft dabei, die Klimaziele der Kirche zu erreichen

 

„Mir sind eigentlich drei Punkte wichtig", ergänzt der KGR-Vorsitzende Ralf Bening. „Der biblische Auftrag des Menschen ist, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. So, und wenn ich jetzt einen Solarpark mache, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Theologisch kann man da eigentlich nur dafür sein. Zweitens ist es ein Schritt für die Klimaziele der Nordkirche und des Kirchenkreises, die beschlossen sind. Und ich fühle mich als KG-Vorsitzender und Synodaler verpflichtet, die Beschlüsse meiner eigenen Kirche auch umzusetzen. Drittens ist es für uns als Kirchengemeinde attraktiver teilweise das Land für eine PV-Anlage zu verpachten als für Weideland. Denn die Finanzsituation ist in den kleinen Gemeinden recht angespannt. So können wir sinnvoll Einnahmen generieren".

 

Nur gemeinsam können wir, so die Beteiligten, den Klimawandel vielleicht noch bremsen und für Menschen erträglich halten, aber dazu müssen wir neue Wege gehen. Das Dorf Kieve, die evangelische Kirchengemeinde und Christine Jantzen versuchen, ihren Beitrag dazu zu leisten.

Quelle: kirche-mv.de (hjk)