Zehnjähriges Jubiläum Richborn-Orgel - Ein Schatz von nationaler Bedeutung

Das Richborn Positiv von 1684 in der Kirche Ruchow

Foto: Hans-Joachim Kohl

07.08.2026 · Ruchow/Mustin. Vor knapp 15 Jahren machte der mecklenburgische Orgelsachverständige Friedrich Drese eine außergewöhnliche Entdeckung: Im Inneren der großen Orgel der Dorfkirche Ruchow bei Mustin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) verbarg sich ein Orgelpositiv des Hamburger Orgelbauers Jochim Richborn aus dem Jahr 1684. Die Entdeckung gilt als kleine Sensation, denn von Richborn sind heute nur noch wenige Instrumente erhalten.

Das älteste Barock-Positiv Mecklenburgs

 

„Beim Vergleich mit anderen historischen Orgeln, insbesondere mit dem Instrument in der St.-Jakobi-Kirche in Lübeck, entstand bei mir der Verdacht, dass auch in Ruchow ein Werk aus der Werkstatt Jochim Richborns stehen könnte“, blickt Friedrich Drese zurück. Technische Details und der Pfeifenbau bestätigten schließlich diese Vermutung.

 

Während der Restaurierung fand sich auf der Windlade die Jahreszahl 1684. Damit steht fest: Das Ruchower Instrument entstand ein Jahr nach der Basedower Orgel von 1683. Streng genommen handelt es sich jedoch nicht um eine vollwertige Orgel, sondern um ein Positiv – eine kleine, meist transportable Orgel mit wenigen Registern und nur einem Manual. Damit ist das Instrument das älteste erhaltene Barock-Positiv Mecklenburgs.

 

Im Orgelinventar Mecklenburg des Orgelmuseums Malchow wird das Instrument detailliert beschrieben: ein im Stehen zu spielendes Orgelpositiv mit zwei Flügeltüren, ornamental durchbrochener Rückwand, seitlichen Registerhebeln sowie einer Windlade aus Eiche und Pfeifenstöcken aus Linde.

 

Orientierung an Schwesterinstrumenten

 

Orgelbaumeister Andreas Hahn schilderte zum zehnjährigen Jubiläum der Restaurierung die aufwendige Rekonstruktion. Weltweit existieren nur noch wenige Richborn-Positive, an denen sich die Restauratoren orientieren konnten: in der St.-Jakobi-Kirche in Lübeck, in der schwedischen Kirche von Skokloster sowie in La Laguna auf Teneriffa.

 

Gerade das Instrument auf Teneriffa erwies sich als besonders wertvoll. „Die Literaturrecherche ergab, dass dieses Positiv den höchsten Grad an Originalsubstanz besitzt“, berichtet Hahn. Deshalb wurde es zum Referenzinstrument für die Restaurierung in Ruchow. Selbst reiste er nach La Laguna, um Disposition und äußere Gestaltung des Instruments eingehend zu untersuchen. Beim Zerlegen des Ruchower Positivs zeigte sich, dass große Teile des Gehäuses, zahlreiche Pfeifen und zwei Register original erhalten geblieben waren. Eine besondere Herausforderung bestand darin, die ursprüngliche Registerzahl zu rekonstruieren.

 

Zwei Epochen – zwei Klangwelten

 

Beim Jubiläumskonzert spielte Friedrich Drese sowohl die Schmidt-Orgel auf der Empore als auch das Richborn-Positiv im Altarraum. Besonders eindrucksvoll wurde der unterschiedliche Klangcharakter beim Präludium in g: Während die Schmidt-Orgel bereits romantische Klangfarben erkennen lässt, vermittelt das Richborn-Positiv den klaren, transparenten Klang der Barockzeit.

 

Musik soll den Schatz lebendig halten

 

„Wir veranstalten jedes Jahr vier bis fünf Konzerte, damit insbesondere das Richborn-Positiv nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören ist“, sagt Hubertus von Streit. Die Konzertreihe „Musik in alten Mauern“ macht deshalb die historischen Instrumente der Region erlebbar. In Ruchow finden die nächsten Konzerte jeweils um 17 Uhr am 30. August, 19. September und 29. November statt. Weitere Veranstaltungen gibt es in den Kirchen von Gägelow, Woserin, Hohen Pritz und Dabel.

Quelle: ELKM (hjk/cme)



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