Wanderausstellung über Motive und Erfahrungen des Kirchenasyls gastiert in Greifswald "Zuflucht geben – gemeinsam hoffen"

Bestandteil der Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ ist eine Installation aus orangefarbenen Möbeln, die die Notwendigkeiten des Kirchenasyls bildlich und symbolisch darstellt.

Foto: Ökumenisches Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW

08.04.2026 · Greifswald. Die Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ ist derzeit in Mecklenburg-Vorpommern sowie in Brandenburg unterwegs.

Aktuelle Station ist Greifswald, dort wird die Ausstellung vom 13. bis zum 27. April in der Jacobikirche gezeigt, gibt Einblicke in die Perspektiven von Geflüchteten, die im Kirchenasyl Schutz gefunden haben, und macht deren Fluchtgeschichten und Erfahrungen sichtbar. Eröffnet wird sie am Montag, 13. April, um 15 Uhr. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 11 bis 15 Uhr, samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 11.30 bis 13 Uhr. Gruppen können die Präsentation nach Anmeldung unter der Telefonnummer 03834 502209 auch zu anderen Zeiten besuchen. 

 

Porträts geben Menschen eine Stimme

 

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ stehen neun großformatige Porträtfotografien mit begleitenden Texten. Sie erzählen von Familien und Einzelpersonen, von Flucht, Entrechtung und dem Leben im Kirchenasyl. Die dargestellten Menschen werden dabei bewusst als handelnde Subjekte vorgestellt, die von ihren Erfahrungen berichten und ihre Stimmen selbst erheben. Ergänzt werden die Porträts durch drei weitere Roll-Ups, die über die Praxis des Kirchenasyls informieren. Zitate engagierter Personen geben Einblicke in Motivation, konkrete Unterstützung sowie in die Herausforderungen dieser Arbeit.

 

Christliche Praxis der Gastfreundschaft

 

Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist eine Installation aus orangefarbenen Möbeln, die die Notwendigkeiten des Kirchenasyls bildlich und symbolisch darstellt: Ein Bett steht für einen geschützten Schlafplatz, Tisch, Stuhl und Brot verweisen auf Gemeinschaft, Beziehung und menschliche Nähe. Eine Schwimmweste, die ebenfalls Teil der Installation ist, lenkt den Blick auf das Sterben an den Grenzen Europas. Die Wanderausstellung richtet sich an interessierte Menschen aller Altersgruppen. „Über das Kirchenasyl wird berichtet, das Thema Abschiebungen und Widerstand gegen die damit einhergehende Entwürdigung wird sichtbar. Kirchenasyl wird als mögliche christliche Praxis der Gastfreundschaft und Solidarität vorgestellt“, so Pastor Michael Mahlburg.

 

Weniger Kirchenasyl in der Nordkirche

 

Laut aktueller Statistik sind die Fallzahlen neu begonnenen Kirchenasyls in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) im vergangenen Jahr gesunken. In Hamburg wurden 2025 insgesamt 26 Fälle gezählt, nach 46 im Jahr zuvor. In Schleswig-Holstein sank die Zahl von 45 auf 20, in Mecklenburg-Vorpommern von 17 auf 13 Fälle. Kirchenasyl ist dabei stets „ultima ratio“. Es ist ein letzter Versuch, durch zeitlich befristeten Schutz eine unmittelbar drohende Abschiebung abzuwenden und eine erneute, sorgfältige Überprüfung des Schutzbegehrens zu ermöglichen oder mit den Betroffenen und Behörden eine Möglichkeit zu suchen, eine zwangsweise Abschiebung zu verhindern beziehungsweise eine geordnete Weiterwanderung zu ermöglichen. Mit den zuständigen staatlichen Behörden wird dabei zusammengearbeitet, denn Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum.

 

Hintergrund und weitere Informationen


Das Kirchenasyl entstand im Herbst 1983 als ökumenische und politische Bewegung in Berlin. Die Heilig-Kreuz-Kirche nahm damals eine von Abschiebung bedrohte palästinensische Familie auf. Viele Kirchengemeinden in ganz Deutschland folgten diesem Beispiel – bis heute konnten auf diese Weise tausende Schutzbedürftige unterstützt und Leben gerettet werden. Die Wanderausstellung „Zuflucht geben – gemeinsam hoffen“ zum Kirchenasyl ist seit Anfang 2025 in zweierlei Ausführung unterwegs in Deutschland. Im Anschluss an Greifswald gastiert die Ausstellung vom 28. April bis zum 11. Mai in Tribsees. Aktuelle Informationen und Termine sind online zu finden unter: www.kirchenasyl-nrw.de/wanderausstellung   

Quelle: PEK (sk)