Kurpastor an der Ostsee: "Hier zu arbeiten, ist ein Genuss"

Von Nicole Kiesewetter

Ostseestrand

Foto: kirche-mv.e/D. Vogel

07.08.2025 · Insel Rügen/Insel Hiddensee Für den Rügener Pastor Olaf Metz ist klar: Allein kann er die vielen kirchlichen Angebote seiner Gemeinde während des Sommers nicht stemmen. Daher lädt er Kurpastoren und -kantoren ein, ihn zu unterstützen - eine Gewinn-Situation für beide Seiten.

Es war Liebe auf den ersten Blick: Als Constanze Oldendorf 2018 das erste Mal nach Mönchgut, die Halbinsel im Südosten von Rügen, kam, hat sie sich „total verliebt in den Flecken Erde“. Oldendorf ist eigentlich Pastorin in einer Lübecker Gemeinde, wollte aber unbedingt mal eine Kirchengemeinde in Ostdeutschland näher kennenlernen und herausfinden, „ob es sich da überhaupt anders anfühlt“.

 

Seitdem verbringt sie jedes Jahr zwischen drei und vier Wochen als Kurpastorin in der Kirchengemeinde Mönchgut-Sellin bei Pastor Olaf Metz. Für diese Zeit nimmt sie anteilig Urlaub, „es ist halb Dienst, halb Urlaub“, sagt Oldendorf. Sie merke, dass es ihr, „abseits von den manchmal lästigen Verwaltungsdingen“, selbst guttue, sich ganz auf ihren pastoralen Dienst konzentrieren zu können. Als „halbe Urlauberin“ sei sie dicht dran an den Gästen.

 

„Kurpastoren bringen eine tolle Vielfalt mit“, sagt Pastor Olaf Metz. „Wir haben im Sommer sonntäglich zwei Gottesdienste, dazu 40 Konzerte über die Saison verteilt, da ist immer auch jemand von uns dabei.“ Ohne die Unterstützung von Kurpastoren und -kantoren würde das nicht funktionieren.

 

"Das macht den Blumenstrauß an Angeboten bunter"

 

„Die Kurpastoren bringen alle ihre eigenen Erfahrungsfelder, Interessen und Impulse ein“, bestätigt auch Konrad Glöckner, Pastor auf der kleinen Nachbarinsel Hiddensee. Das mache „den Blumenstrauß an Angeboten für Gäste und Hiddenseer Gemeindeglieder bunter“ - bei den Gottesdiensten ebenso wie bei den Gemeindeabenden. Zumeist seien es Gäste, die die von den Kurpastoren und -pastorinnen gestalteten Gemeindeabende besuchten.

 

Neben der Hauptkirche in Kloster besitzt die Kirchengemeinde auf Hiddensee in dem rund sieben Kilometer entfernten Neuendorf das Gemeindehaus „Uns Tauflucht“ („Unsere Zuflucht“). Es ist ein gern besuchter Versammlungsort für Neuendorfer Christen und die zahlreichen Besucher der Insel. In den Sommermonaten finden hier regelmäßig Veranstaltungen statt, die vom jeweiligen Kurpastor oder der Kurpastorin betreut werden. Im oberen Bereich des Hauses befindet sich eine kleine Wohnung, in der die Kurpastoren gegen eine Beteiligung an den Betriebskosten während ihres Aufenthalts wohnen können.

 

Klaus Grammel aus Berlin kam vor rund 15 Jahren auf die Insel Hiddensee, um eine Lesung aus einem seiner Bücher zu halten. Seitdem kommt der mittlerweile 88-Jährige jedes Jahr, um Pastor Konrad Glöckner zu unterstützen. „Die Einladung, hier als Kurpastor tätig zu sein, habe ich als Ritterschlag empfunden“, sagt er. „Keine Bettenburgen, nur Meer, Natur und Kultur - hier zu arbeiten, ist ein Genuss.“

 

Irgendwie anders

 

Grammel ist einer dieser Pastoren, die ihre eigenen Impulse mitbringen. Er hat viele Jahre Kabarett gemacht und dabei zeitweise auch die Kirche kritisch unter die Lupe genommen. Und er hat einige Bücher geschrieben - ein Schatz, von dem er nun in seinen Lesungen bei den Gemeindeabenden auf Hiddensee zehren kann. Erst jüngst las er aus seinem 2023 erschienenen Buch „Fischele, eine Liebe im Ghetto von Wilna“. Grammel ist überzeugt, „die Menschen kommen hier auf der Insel zur Besinnung, sie lassen sich fallen“. Außerdem gebe es „hier kein kirchliches Gerede, wie Sie es überall hören“.

 

Das „irgendwie andere“ in einer Urlaubsgemeinde spürt auch Constanze Oldendorf. Dass sie sich gleich in die Region verliebt hat, habe auch mit der Kirchengemeinde zu tun, die den Gästen eine „großartige Willkommenskultur“ biete. „Kurseelsorge ist eine tolle Zutat, aber es braucht auch Kraft“, sagt sie. Denn die Menschen bringen ihre Geschichten aus den vergangenen Wochen und Monaten mit, die auch traurig sein können: „Manche mussten liebe Menschen gehen lassen.“ Aber erst im Urlaub finden sie häufig die Zeit, sich damit zu beschäftigen, was sie erfahren haben. „Da ist es gut, wenn jemand Zeit zum Zuhören hat.“

Quelle: epd