Theologen aus MV trafen sich in Güstrow Sprengelkonvent: Leben und Dienst in einer pluralen Gesellschaft im Mittelpunkt

Im Güstrower Dom trafen sich rund 250 Pastorinnen und Pastoren aus ganz MV

Fotos: kirche-mv.de/D. Vogel

12.10.2016 · Güstrow. Rund 250 mecklenburgische und pommersche Pastorinnen und Pastoren trafen sich am Mittwoch zum zweiten gemeinsamen Sprengelkonvent in Güstrow. Unter dem Motto „Den Glanz widerspiegeln“ tauschten sie sich über Leben und Dienst in einer pluralen Gesellschaft aus.

Der Tag begann mit einem Abendmahlgottesdienst im Dom der Barlachstadt. In seiner Predigt fragte der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn, was Augen ausdrücken können und erzählte von einer Reise in die tansanischer Partnerdiözese. „Die Augen der Kinder haben mich fasziniert. Leuchtend strahlten sie einem entgegen. Trotz aller Armut – unbändige Lebensfreude!“

An seine Zuhörer im Dom gewandt sagte der Bischof: „Was erzählen unsere Augen, die wir zumindest schon einige Jahre im Dienst stehen? Da sehe ich durchaus Hoffnungsvolles, Strahlendes, Lebendigkeit. Doch lese ich darin auch manches, das von Ermüden spricht.“ Gründe seien die Fülle der Aufgaben und, dass trotz allen Bemühens und des Arbeitspensums, das manchmal größer als es gut sei, dennoch Wichtiges auf der Strecke bleibt.

Gesandt, Gottes gute Botschaft zu bringen

Vor diesem Hintergrund erinnerte Andreas v. Maltzahn an Gottes Hoffnung für sein Volk, für seine Welt – und zitierte Worte aus dem Jesaja-Buch (61,1-4.10.11): „Wir sind von Gott gesandt gute Botschaft den Elenden und uns selbst zu bringen.“ Als Beispiele für Adressaten nannte er diejenigen, die am Rand der Gesellschaft stehen oder diejenigen, die elende Angst haben, nicht bestehen zu können - im Beruf, in der Familie oder auch gegenüber dem unbarmherzigen Diktat, seines Glückes Schmied sein zu sollen.

„Gottes unglaubliche Liebe lässt uns vor ihm bestehen in all unseren Unvollkommenheiten, unserer Gottesvergessenheit“, sagte der Bischof und erinnerte an die reiche Vielfalt des Auftrages, für den es umso wichtiger sei, sich zu konzentrieren und sich gut zu gründen in Gott und sich begabt und beauftragt zu wissen – „von ihm gesandt und zu nicht weniger gerufen, als Antwort zu geben mit unserem Leben“.

Kraft Gottes soll für Menschen leiblich erfahrbar sein

Im Mittelpunkt des Güstrower Treffens stand ein Vortrag von Prof. Dr Henning Wrogemann (Wuppertal) zum Thema „Den Glanz widerspiegeln – Theologische Zugänge zu interkulturellen und interreligiösen Herausforderungen in einer pluralen Gesellschaft“. Der Wissenschaftler skizzierte zunächst den Trend zur Säkularisierung und Pluralisierung und die kirchlichen Antwortversuche darauf.

Wrogemanns zusammenfassende Thesen zielen auf ein so genanntes „doxologisches Sendungsverständnis“ ab – auch, um einer verbreiteten Erschöpfung und Mutlosigkeit in der Kirche und einer tiefgreifenden Sinnkrise bei ihren Mitarbeitenden zu begegnen. Das heißt für den Professor, der Missions- und Religionswissenschaft und Ökumenik lehrt, dass die christliche Sendung im Gotteslob (Doxologie) gründet, in dem „die Kraft Gottes den Menschen leiblich erfahrbar wird. Die Sendung zielt darauf, dass die Geschöpfe auf den Sinn ihres Daseins hin transparent werden, den Sinn nämlich, als erlöste Geschöpfe Gott zu loben“.

Christlicher Glaube muss als Lebensalternative erkennbar sein

Folglich ginge es um die Frage, welche Kräfte hier ausstrahlen, welche Atmosphären sich verbreiten und wie menschliche Gemeinschaftsformen zum Resonanzboden des Gotteslobes werden. Oder anders gefragt: Ist der christliche Glaube als Lebensalternative auf dem Markt weltanschaulich-religiöser Angebote erkennbar und wiedererkennbar?

Dafür entfaltete Prof. Wrogemann abschließend verschiedene Dimensionen, wie beispielsweise die christliche Sendung als solidarisches Geschehen (Stichwort soziales Klima), als ästhetischer Raum (Stichwort Erfahrbarkeit) oder als Gotteslobes im Namen Jesu Christi (Stichwort Unterscheidbarkeit).

"Ein guter Tag für den Sprengel Mecklenburg und Pommern“

Wie die anwesenden Pastorinnen und Pastoren Leben und Dienst in einer pluralen Gesellschaft erleben und welche Herausforderungen und Chancen bestehen, kam am Nachmittag in insgesamt 18 Workshops zur Sprache. „Es hat mir total viel Spaß gemacht und wir haben wirklich sehr viel gelacht“, zeigte sich Franziska Seichter, Vikarin in Dreveskirchen (Region Wismar), vom Workshop "...denn ihr werdet lachen – Humor als glänzender Spiegel für Glauben, Leben und Dienst in guter Gesellschaft“, begeistert.

Ein durchweg positives Fazit vom zweiten Sprengelkonvent, zu dem alle Pastorinnen und Pastoren in MV eingeladen waren, zog auch der Greifswalder Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit: „Verschiedene Teilnehmende haben mir gesagt, wie gut sie es finden, dass man sich hier begegnet“. Dadurch wachse auch das Gemeinsame im Sprengel. „Ich denke der Tag heute mit seinen verschiedenen Elementen, vom Gottesdienst mit dem gemeinsam gefeierten Abendmahl, der theologisch-inhaltsreiche Vortrag von Prof. Wrogemann und die Begegnungen über ganz unterschiedliche Themen in den Workshops, all das prägt die Identität unseres Sprengels. Es war ein guter Tag für den Sprengel Mecklenburg und Pommern“, resümierte der Bischof.

Quelle: kirche-mv.de (cme/dav)



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