"Menschenunwürdig" Asylbewerber: 203 Abschiebungen ab Rostock-Laage

13.05.2016 · Schwerin.

Von Mecklenburg-Vorpommern aus mussten in dieser Woche 203 abgelehnte Asylbewerber ausreisen. 52 Menschen, darunter 13 Kinder, sind am Donnerstag vom Flughafen Rostock-Laage in ihr Heimatland Albanien ausgeflogen worden, bestätigte das Schweriner Innenministerium. Insgesamt kamen 119 Abgeschobene aus Mecklenburg-Vorpommern.

Wie schon am Dienstag und Mittwoch protestieren Mitglieder der Initiative "Rostock hilft" nahe des Flughafengeländes gegen die Sammelabschiebung. Auch die evangelischen Studierendengemeinde kritisiert die Abschiebung als "menschenunwürdig". Deshalb läuteten am Donnerstagmittag für zehn Minuten die Glocken der Marien-, der Nikolai- und der Petrikirche. Zuletzt waren am Mittwoch 48 abgelehnte Asylbewerber vom Flughafen Rostock-Laage aus in ihre Heimatländer Albanien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro abgeschoben worden.

Bereits am Dienstag waren von dem Flughafen erstmals mehr als 100 abgelehnte Asylbewerber nach Serbien und Mazedonien abgeschoben worden. Die beiden Länder werden von der Bundesregierung als sichere Herkunftsstaaten eingestuft. Die Flugzeuge starteten erstmals in Laage, weil im Hamburger Flughafen derzeit gebaut werde, hieß es.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Johannes Saalfeld kritisierte die Massenabschiebung als "unverhältnismäßig". So habe es keine Abschiebebeobachtung und keine psychologische Betreuung, wie in Hamburg üblich, gegeben. Vertreter des Flüchtlingsrates seien nicht auf das Gelände gelassen worden. Dagegen verwies Innenminister Lorenz Caffier (CDU) darauf, dass mit den Aktionen geltendes Recht umgesetzt worden sei.

Nach dem Bescheid über die Ablehnung des Asylantrags und der Aufforderung zur Ausreise hätten die Antragsteller ausreichend Zeit zur Ausreise gehabt, sagte Caffier. Die Ausländerbehörden würden die Ausreisepflichtigen beraten und die Rechtsfolgen erörtern. Erst wenn diese Beratung erfolglos verlaufe, erfolge die zwangsweise Abschiebung.

Zum Stichtag 31. März hielten sich nach Angaben des Ausländerzentralregisters 3.660 Ausreisepflichtige in Mecklenburg-Vorpommern auf. Im Jahr 2015 sind insgesamt 1.200 Personen abgeschoben worden und 544 Ausländer freiwillig ausgereist.

Quelle: epd