Sozialbericht Nur jedes vierte Pflege-Unternehmen in MV zahlt Tariflöhne

03.12.2015 · Schwerin.

In Mecklenburg-Vorpommern bezahlt nur etwa jedes vierte Unternehmen im Pflegebereich seine Mitarbeiter ganz nach Tarif. Weitere etwa 50 Prozent orientieren sich am Tarif. Das geht aus dem am Mittwoch in Schwerin vorgestellten Sozialbericht des Landes hervor, für den der Verein "Zentrum für Sozialforschung Halle" 281 Unternehmen, 854 Beschäftigte sowie einige Experten befragte. Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) sagte, dass der wachsende Bedarf an Pflegekräften nur befriedigt werden könne, wenn das Berufsbild deutlich aufgewertet wird. Das beginne bei der Bezahlung und beinhalte auch Fragen des Berufs-Images.

Zudem müssten die Arbeitszeiten für Teilzeitbeschäftigte ausgeweitet und ein familienfreundliches Arbeiten gewährleistet werden, sagte die Ministerin. Die Beschäftigten wünschten sich auch mehr gesundheitsfördernde Maßnahmen durch ihre Arbeitgeber. Ferner könnten ausländische Fachkräfte und einstige Pflegeberufsaussteiger angeworben werden. Der Bericht wird laut Hesse jetzt in den Landtag eingebracht.

Professor Wolfhard Kohte vom Zentrum für Sozialforschung forderte, dass mehr Betriebe Pflegekräfte ausbilden müssten und dass für Migranten eine Pflegeausbildung angeboten werden sollte. Damit Pflegekräfte länger in ihrem körperlich und psychisch anstrengenden Beruf tätig sein können, schlug er vor, dass sie im Alter ab 60 Jahren einen Tag pro Woche leichtere Tätigkeiten wie beispielsweise Vorlesen statt Pflege ausüben dürfen.

Knapp jeder dritte Beschäftigte erwägt, nicht mehr in der praktischen Pflege zu arbeiten, heißt es in der Stellungnahme der Landesregierung zum Bericht. Dies gilt für Krankenhaus-Mitarbeiter mehr als für ambulant tätige Pflegekräfte. Die Beschäftigten im stationären Bereich kritisierten insbesondere die Personalbemessungszahlen, den zunehmenden Personalkostendruck und die engen Zeitvorgaben für die Arbeitsmodule.

Auch ambulante Pflegekräfte sind unzufrieden mit der Zeitknappheit, können aber selbstständiger arbeiten und haben gewisse Entscheidungsfreiheiten. Daraus resultiere, dass sie mit ihrer Arbeit zufriedener sind als Mitarbeiter in der stationären Pflege, heißt es in der Stellungnahme. Im Jahr 2013 gab es im Nordosten rund 29.500 Beschäftigte im Pflegebereich. Davon waren im ambulanten Bereich neun Prozent und im stationären Bereich 14 Prozent Männer.

Die Ergebnisse der Untersuchung verweisen laut Landesregierung darauf, dass Männer und Frauen bei gleicher Tätigkeit offensichtlich nicht gleich entlohnt werden. Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeitete verkürzt, aber drei Viertel gaben zugleich regelmäßige Überstunden an. Dies lasse auf einen bereits bestehenden Personalmangel schließen. 73 Prozent der Beschäftigten sprachen sich dafür aus, dass in MV eine Pflegekammer eingerichtet wird, vor allem, um das Image des Berufes zu verbessern.

Quelle: epd