Fachtag "Wechselmodell" Nur wenige Trennungskinder leben abwechselnd bei Vater und Mutter
08.12.2015 · Schwerin.Knapp fünf Prozent der Trennungskinder in Deutschland leben derzeit abwechselnd etwa je zur Hälfte bei der Mutter und beim Vater und nicht wie sonst üblich hauptsächlich nur bei einem Elternteil. Am häufigsten werde das sogenannte Wechselmodell praktiziert, wenn die Kinder im Grundschulalter sind, sagte Sabine Walper, Forschungsdirektorin beim Deutschen Jugendinstitut München, am Montag in Schwerin. Für das Wechselmodell sei es wichtig, dass die getrennt lebenden Eltern in der Nähe wohnen, ein gutes Kooperationsverhältnis haben und sich gegenseitig akzeptieren.
In Schwerin kamen am Montag etwa 150 Mitarbeiter von psychologischen Beratungsstellen in evangelischer Trägerschaft aus ganz Norddeutschland sowie Mitarbeiter von Kinderschutzzentren, Jugendämtern und Gerichten zu einem Fachtag "Wechselmodell" zusammen.
Das Thema sei in Deutschland noch neu und stark emotionalisiert, sagte Walper. Vor allem Väter versuchten, das Wechselmodell zu etablieren. Dafür spreche, dass die Trennungskinder eine intensivere Beziehung zum anderen Elternteil entwickeln könnten, der in Deutschland meist der Vater sei. Dagegen spreche, dass dieses Modell für die Kinder wegen des ständigen Wechsels sehr anstrengend sei. Es erfordere Flexibilität bei den Kindern sowie Organisiertheit bei den Eltern.
Sie denke, dass es auch in Deutschland einmal eine Möglichkeit geben wird, das Wechselmodell im juristischen Sinne zu regeln, sagte Walper. Bei den Unterhaltszahlungen müsse dann aber aufgepasst werden, dass die Armut unter Trennungskindern nicht steigt. Der Blick müsse ganz klar auf die Kinder gelenkt werden, auf das, was für das jeweilige Kind gut ist.
Klaus Schmidt, Fachbereichsleiter Beratungsdienste beim Diakonischen Werk Mecklenburg-Vorpommern, sagte, die psychologischen Beratungsstellen in evangelischer Trägerschaft müssten die Möglichkeit des Wechselmodells berücksichtigen und bei der Beratung als ein Modell im Kopf haben. Die Lebensweisen hätten sich verändert. Väter würden sich mehr und mehr einbringen. Es gebe eine "riesige Bandbreite" dafür, was für das jeweilige Kind das Richtige sei. Er sei sehr vorsichtig, ob das Wechselmodell für Kleinkinder geeignet ist.
Quelle: epd