Kita und Beratung unter einem Dach Nordkirche will mehr Familienzentren

13.03.2014 · Kiel.

Die Nordkirche will ein möglichst flächendeckendes Netz von Familienzentren auf den Weg bringen. Zum Kern eines Familienzentrums gehören in der Regel eine Kirchengemeinde mit Kindertagesstätte, Beratungs- und Bildungsangebote für alle Generationen und Begegnungstreffs. Angeboten werden hier unter anderem Babysitterdienste, Vermittlung von Patengroßeltern, Hausaufgabenhilfen, Tagespflege sowie Bastel- und Musikgruppen. Ein entsprechender Leitfaden für den Aufbau von Familienzentren wurde am Mittwoch in Kiel vorgelegt.

Bislang seien in Schleswig-Holstein rund 20 Familienzentren im Aufbau, sagte Markus Potten vom Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen. Insgesamt gibt es im nördlichsten Bundesland 600 Kitas in evangelischer Trägerschaft mit 32.000 Plätzen. In Hamburg sind es rund 170 Kitas, in Mecklenburg-Vorpommern etwa 100. Aber nicht jede Kita könne zu einem Familienzentrum werden, räumte Potten ein. Ein starker Aufbau sei aber sowohl in Städten wie auch in ländlichen Regionen notwendig, um auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren.

Dazu gehört, dass Familien heute oft nicht mehr an einem Ort wohnen, so dass Großeltern beim Kinderhüten nicht einspringen können. Familienzentren sollen auch für Alleinerziehende ein wichtiges Hilfs- und Kommunikationsangebot werden. Der Schleswiger Bischofsvertreter Gothart Magaard verwies auf den ländlichen Raum. Die Kirche werde hier präsent bleiben, versicherte er. Die Vernetzung von Hilfsangeboten hin zu Familienzentren sei "ein wichtiger Schritt in die Zukunft".

Landespastorin Petra Thobaben vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein sieht auch die Bundesländer in der finanziellen Pflicht. Sie müssten ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen erhebliche Finanzhilfen beim Aufbau von Familienzentren beisteuern. Thobaben und die Leiterin der Familien-Fachstelle der Nordkirche, Pastorin Margit Baumgarten, verwiesen auf konkrete Familienzentrums-Projekte in Eckernförde, Hamburg-Lohbrügge, Lübeck, Norderstedt und Schwarzenbek.

So werden in Schwarzenbek derzeit Gemeindezentrum, Kindertagesstätte und Familienbildungsstätte zu einem Familienzentrum erweitert. Es entstehen Gruppen-, Beratungs- und Kursräume, ein Kommunikations-Café und ein behindertengerechter Sanitärbereich. Das Bauvorhaben wird mit 750.000 Euro aus staatlichen Finanzmitteln als Leuchtturmprojekt der AktivRegion gefördert.

Auch die Eckernförder Kirchengemeinde Borby hat sich mit ihrer Kindertagesstätte auf den Weg gemacht und arbeitet beim Aufbau des Familienzentrums mit den Schulen im Einzugsgebiet zusammen. Es gibt einen Babytreff für Eltern mit Kindern ab sechs Wochen, Yoga für Erwachsene, Spieletreffs für Kinder bis zu zwölf Jahren, Treffen für alleinerziehende Eltern, einen Mittagstisch für Schüler und Hausaufgabenhilfe.

Für ein Familienzentrum muss es nach Ansicht von Thobaben eine kompetente hauptamtliche Leitung geben. Eine enge Zusammenarbeit von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Kräften sei Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Zentrum.

Quelle: epd