Militärgeschichte Prora zeigt Ausstellung zu DDR-Bausoldaten
18.06.2014 · Berlin.Zur Militärgeschichte Proras auf der Ostsee-Insel Rügen wird am 29. Juni der erste von insgesamt drei geplanten Ausstellungsteilen eröffnet. Schirmherr der Präsentation "Militärstandort Prora - Opposition und Widerstand - Bausoldaten in Prora 1964 - 1989/90" ist der Theologe und Menschenrechtler Heiko Lietz (Schwerin). Im Anschluss an die Eröffnung im Ausstellungsraum des Prora-Zentrums in Block 5 wird Lietz in der Jugendherberge Prora einen Vortrag über "Bausoldaten in der DDR - zwischen Widerstand und Anpassung" halten.
Die Präsentation wird im Kontext des 50. Jahrestages der Aufstellung von Baueinheiten in der NVA eröffnet. Sie ist bis zum 28. August in Prora zu sehen und wird danach beim Bausoldatenkongress vom 5. bis 7. September in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) präsentiert. Die DDR-Führung hatte 1964 aufgrund der Initiative des Leipziger Pfarrers Emil Fuchs und kirchlichen Drucks den Bausoldatendienst als einzige Möglichkeit der Waffenverweigerung eingeräumt. Als Alternative blieb nur die sogenannte "Totalverweigerung", mit der man Gefängnisaufenthalt und eine mögliche Ausweisung in die Bundesrepublik in Kauf nahm.
Seit 1956 nutzte die Nationale Volksarmee (NVA) der ehemaligen DDR den nie vollendeten, 4,5 Kilometer langen ehemaligen NS "KdF-Bau" in Prora als Kaserne. Neben Tausenden NVA-Soldaten wurden dort in den 80er Jahren auch "Bau-Soldaten" untergebracht. Darunter verstand man in der DDR einen Wehrdienstleistenden, der aus Gewissensgründen seinen Dienst zwar in der Armee, nicht aber an der Waffe ausübte. Etwa 15.000 Männer leisteten bis 1990 einen solchen 18-monatigen Dienst, der wegen langer Arbeitszeiten, schwerer körperlicher Arbeit und häufigen Schikanen von Vorgesetzten als besonders hart galt.
Quelle: epd