Nikolaus Schneider EKD-Ratsvorsitzender wirbt für mehr Unterstützung der Familien
05.07.2014 · Berlin.Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, fordert mehr Unterstützung für Familien. Für die Zukunft des Landes werde es entscheidend sein, dass die familien- und sozialpolitischen Weichenstellungen den Familien gerecht werden, sagte Schneider. Es sei eine Aufgabe der Politik, die richtigen Rahmenbedingungen für die Zukunft zu setzen. Dabei seien soziale Sicherungssysteme ebenso gefragt wie lebendige Nachbarschaften und gesunde Wohnquartiere, sagte der Theologe bei einem familienpolitischen Symposium der EKD.
Die Kirche müsse in dieser Debatte die Stimme erheben, ergänzte Schneider: "Weil wir aus den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen die Bedarfe der Familien kennen, mischen wir uns ein". Es müsse darum gehen, von der Kinderkrippe bis zur Kurzzeitpflege ausreichende und hochwertige Sorgestrukturen für Familien zu schaffen. "Familien brauchen professionelle Partner, aber auch lebendige Netzwerke", sagte der Ratsvorsitzende.
Schneider ging auch auf die umstrittene Orientierungshilfe "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit" ein, die von der EKD vor einem Jahr vorgelegt wurde. In deren Zentrum stehe eine zeitgemäße Familienpolitik. Die lebhafte theologische Debatte über das Familienpapier begrüße er vorbehaltlos, sagte der Ratsvorsitzende. Die evangelische Kirche betone "den Leitbildcharakter von Ehe auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und bei neuen Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens." Zugleich werde wahrgenommen, dass Familienpolitik als Sozialpolitik sich nicht allein an einem Leitbild, sondern genauso an den Lebenslagen der Menschen orientieren müsse, sagte Schneider mit Hinweis auf die zunehmende Vielfalt der Familienformen.
Die Orientierungshilfe hatte eine Expertenkommission unter Vorsitz der früheren Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) erarbeitet. Angesichts des gesellschaftlichen und demografischen Wandels sowie der Anpassungen im Familienrecht soll das Papier eine "evangelische Verständigung über Ehe, Familie und Partnerschaft" anregen sowie zu verlässlicher und verantwortlicher Partnerschaft ermutigen. Kritik entzündete sich vor allem am Eheverständnis des Papiers: In den Augen der Kritiker entwertet es die traditionelle Ehe zwischen Mann und Frau und belastet die Ökumene.
Quelle: epd