Studie Luthers berühmtester Choral wurde im Weltkrieg missbraucht
14.08.2014 · Freiburg.Eines der berühmtesten Lieder der Reformation ist laut einer wissenschaftlichen Studie in deutschen Kriegen als Propagandainstrument missbraucht worden. Es handelt sich um Martin Luthers "Ein feste Burg ist unser Gott", teilte die Universität Freiburg (Breisgau) mit. Insbesondere zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 habe ein "kämpferischer Nationalprotestantismus" gesiegt und die letzte Zeile des Lieds "Das Reich muss uns doch bleiben" auf das Deutsche Kaiserreich bezogen.
Urheber der Untersuchung ist der Geschäftsführende Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg, Michael Fischer. Er nannte es aus heutiger Sicht "unerträglich, welchen ungestörten Dreiklang Religion, Nation und Krieg gebildet haben". Fischer wörtlich: "Martin Luther, der ein Glaubens- und Vertrauenslied dichten wollte, hätte sich wohl geschämt."
Schon vor dem Ersten Weltkrieg hat es laut Fischer Ereignisse gegeben, bei denen das Lutherlied politisch verwendet wurde - etwa in den antinapoleonischen Kriegen, beim Wartburgfest 1817, bei der Errichtung des Lutherdenkmals 1868 in Worms und bei der Reichsgründung 1870/71. Selbst liberale und revolutionäre Kräfte hätten sich vorübergehend des Chorals bedient.
Fischer hat seine Ergebnisse in der Studie "Religion, Nation, Krieg. Der Lutherchoral 'Ein feste Burg ist unser Gott' zwischen Befreiungskriegen und Erstem Weltkrieg" veröffentlicht. Das dazu gehörende Forschungsprojekt untersucht Formen nationaler und kriegerischer Deutung des Religiösen im frühen 20. Jahrhundert. Der Wissenschaftler möchte nach eigenen Angaben damit auch einen kritischen Beitrag zum anstehenden Jubiläum "500 Jahre Reformation" leisten.
Quelle: epd