KDA-Diskussionsveranstaltung über den "Wert der Arbeit" Viele Berufe im Osten schlechter bezahlt
28.11.2013 · Rostock. In vielen Berufen verdienen Arbeitnehmende in Ostdeutschland noch deutlich weniger als ihre Kollegen in den westdeutschen Bundesländern, sagte der Schweriner Soziologieprofessor Sebastian Brandl auf der Diskussionsveranstaltung des KDA der Nordkirche über den "Wert der Arbeit".
Lohnrückstände gebe es sowohl für Frauen als auch für Männer vor allem in der Berufsrichtung Masseur, Krankengymnast und Sprechstundenhilfe. Ostdeutsche Krankenschwestern, Hebammen und Medizinlaborantinnen verdienen dagegen im Vergleich überdurchschnittlich.
Dies stehe auch in Zusammenhang mit dem demografischen Wandel, der sich in Mecklenburg-Vorpommern nachhaltig auf Angebot und Nachfrage bei Arbeitskräften auswirke. Ein Beispiel dafür ist nach Brandls Worten die Gesundheitswirtschaft, die eine hohe Bedeutung für den Arbeitsmarkt im Land hat. Diese Branche sei "in doppelter Weise betroffen".
So steige durch die älter werdende Gesellschaft der Bedarf an Pflegepersonal, während die Beschäftigten selbst auch immer älter werden. Gleichzeitig werde der Nachwuchs weniger, so Brandls Forschungsergebnisse. Die daraus resultierende Knappheit an Arbeitskräften bilde sich jedoch noch nicht im Lohn ab, dieser sei landesweit noch sehr unterschiedlich. "Wo Mangel besteht und der Bedarf nach Arbeitskräften steigt, sind Löhne und Arbeitszeiten am geringsten".
Vertreter von Wissenschaft, Wirtschaft, Gewerkschaft, Politik und Kirche diskutieren zurzeit in Rostock unter dem Motto "Welchen Wert hat Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern" über Herausforderungen und gemeinsame Handlungsperspektiven. "Große Teile der Erwerbstätigen erleiden eine massive Entwertung ihrer Arbeit", heißt es. So waren den Angaben zufolge nach der letzten statistischen Erhebung 44,5 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern im Niedriglohnbereich tätig. In der Altersgruppe bis 25 Jahre waren es 75,7 Prozent.
Quelle: epd