Aktuelles

Am Sonntag, dem 09. Mai feiern wir einen kurzen Gottesdienst um 10 Uhr vor der Klosterkirche. Leitung: Pastor A. Kunert. 

 

Zu Christi Himmelfahrt, Do., 13. Mai,  feiern wir um 14 Uhr einen Gottesdienst vor der Kirche in Groß Tessin. Leitung: Prädikantin E. Steyn.

 

Unsere Internetseite ist noch im Aufbau. Gemeindebriefe gibt es hier noch nicht, es fehlen an manchen Stellen noch Bilder und einige Fehlerchen müssen wir auch noch beheben. Doch stöbern Sie gerne schon durch die einzelnen Menüpunkte, und geben Sie gerne Rückmeldungen. 

Geistliche Impulse

Verschiedene Impulse & Videos gibt es hier: https://www.youtube.com/c/KirchengemeindeNeukloster

Kurzpredigt Lukasevangelium, 19. Kap.

Sonntag Kantate (02.05.2021) | Lk 19 | Pastor Paul Glüer

 

Von singenden und schreienden Steinen

 

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen in die Hände klatschen,

und alle Berge seien fröhlich vor dem Herrn

(Aus Psalm 98)

 

Singet! Laut und Leise, auch mit kratziger Stimme und schiefen Tönen, mit Brummbass und Glockensopran. Singet Gott, sowie der ganze Erdkreis Gott lobsingt. Die Meere brausen, und was darinnen ist – Fische und Krabben, Muscheln und Kraken. Die Bäume rascheln es und der Wind pfeift es. Und so tun es auch viele der Anhängerinnen und Anhänger von Jesus, als dieser in Jerusalem einzieht. Sie schreien und jubeln. Doch einigen wird es zu viel. Sie ermahnen Jesus:

 

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden,

so werden die Steine schreien.

(Lukasevengelium, 19. Kapitel)

 

Schreiende Steine?! Geht so was? Ich denke: ja, Steine können schreien. Und 40 Jahre später ist das auch eingetroffen. Die römische Besatzung zerstörte 70 n.Chr. den jüdischen Tempel in Jerusalem – die heiligste Städte des Volkes. Gerade da, wo es Menschen verboten wird, den Glauben frei auszuleben und Kultstätten zerstört werden, da schreien die Steine. Da klagen die Steine der Ruinen, der zerstörten Kirchen und Synagogen, der Moscheen und Tempel ihre Klage gen Himmel. Ja, Steine können eindringlich schreien – ganz ohne Töne.

 

Doch ich denke, Steine können nicht nur schreien – sondern auch loben und danken. Sie können – auf ihre Weise – singen. Schauen Sie sich nur mal unsere Klosterkirche an. Gehen Sie drum herum und sehen Sie mal, wie sie himmelwärts zeigt. Und auch im Inneren ist sie wie Stein gewordenes Gotteslob.

 

So können Steine klagen und schreien – und sie können genauso loben und singen. Somit stimmen Sie ein, in die Bitten und Klagen, die Menschen weltweit zu Gott richten; und auch die Sinfonie der Schöpfung, die auf der ganzen Welt zu hören ist. Die Bäume rascheln es, die Vögel zwitschern es, die Hunde bellen und die Pferde wiehern es, die Meere brausen und die Ströme klatschen in die Hände, die Herzen der Menschen schlagen ihren Takt dazu und selbst die Steine stimmen in dieses einzigartige Lied mit ein. Singet dem Herrn ein neues Lied. Denn er tut Wunder.  

 

Ich wünsche auch Ihnen, dass Sie immer wieder einen Grund zum Loben und Danken finden ­– auch und gerade in diesen oft schweren Zeiten!

 

Ihr Pastor Paul Glüer

Kurzpredigt | Apostelgesichte, 17. Kap.

Sonntag Jubilate (25.04.2021) | Apg 17 | Pastor Paul Glüer

 

Die letzten Monate haben ihre Spuren hinterlassen. Bei vielen Menschen lässt sich eine Corona-Müdigkeit erkennen. Und bei so manchem liegen auch die Nerven blank. Dünnhäutigkeit macht sich breit.

 

 

 

Ich beobachte, dass dadurch so manche Streitigkeiten eskalieren. Sowohl auf der großen Bühne der Politik, wo über das rechte Maß bestimmter Schutzmaßnahmen gerungen wird – doch manche Seiten sich dabei immer wieder im Ton vergreifen, beleidigend und hämisch werden. Aber auch in Familien oder Freundeskreisen, wenn es um heikle Themen geht – wie etwa um Umgang mit Geld, um Kindererziehung oder …

Manchmal geraten Auseinandersetzungen aus dem Ruder. Und nicht selten passiert es dann, dass man bestimmte Dinge gar nicht mehr anspricht. Sie werden totgeschwiegen – als ob sie damit nicht mehr in der Welt wären. Aus meiner Sicht führt dies zu einem falschen Frieden.

 

Eine Begebenheit, die uns in der sogenannten „Apostelgeschichte“ erzählt wird, können wir auch als eine Art Kommunikations-Lehrstunde lesen. Paulus ist in Athen, einer Metropole, schon damals. Und dann wird folgendes erzählt.

 

22Paulus trat in die Mitte des Areopags und sagte: »Ihr Bürger von Athen! Nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromme Leute.23Ich bin durch die Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angeschaut. Dabei habe ich auch einen Altar gefunden, auf dem stand: ›Für einen unbekannten Gott‹. Das, was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. (Apg 17)

 

Paulus sucht zunächst einmal die Gemeinsamkeiten! Klar, er hat eine andere Religion, eine andere Weltsicht. Doch zunächst einmal schafft er eine Verbindung. Das erzeugt Nähe und ermöglicht Verständigung.

Die Unterschiede bleiben natürlich da. Aber Paulus schweigt sie nicht tot. Er benennt sie klar und deutlich:

 

24Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was in ihr ist. Er ist der Herr über Himmel und Erde. (...) Aber jetzt fordert er alle Menschen an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern.31Denn Gott hat einen Tag festgesetzt, um über die ganze Welt zu richten. Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen – durch den Mann, den er dazu bestimmt hat. Dass dieser Mann wirklich dafür bestimmt ist, hat Gott allen Menschendurch dessen Auferstehung von den Toten bewiesen.«

 

Paulus sucht Verbindendes. Und zugleich steht er zu seinen persönlichen Überzeugungen. Was dann passiert, ist vollkommen verständlich:

 

32Als Paulus von der Auferstehung der Toten sprach, lachten ihn einige seiner Zuhörer aus. Aber andere sagten: »Darüber wollen wir ein andermal mehr von dir hören!« 33So verließ Paulus die Versammlung.34Einige Leute schlossen sich ihm an und kamen zum Glauben.

 

Ja, unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Ansichten. Wir deuten die Welt und unser Leben verschieden. Dabei gibt es vieles, was uns verbindet. Dies sucht Paulus als erstes. Und auch wir tun gut daran, immer wieder das Gemeinsame zu suchen. Gleichzeitig gibt es auch Trennendes. Aber darüber hauen sich die Menschen in der Geschichte nicht die Köpfe ein. Manche lachen Paulus aus. Doch das scheint an ihm abzuperlen. Und mit anderen beginnt der Austausch. „Wir wollen mehr von dir hören“, sagen sie.

 

Bei allen Spuren, die die vergangenen Monate in Ihnen hinterlassen haben, bei aller Müdigkeit und Dünnhäutigkeit wünsche ich uns, dass wir in der Lage bleiben, uns gegenseitig zuzuhören. Dass wir offen bleiben für die Anliegen und Anschichten des/der anderen. So wie einige Athener damals, die meinten: „Wir wollen mehr von dir hören“.

 

Bleiben Sie behütet und kommen Sie zuversichtlich durch diese außergewöhnlichen Zeiten.

 

Ihr Pastor Paul Glüer

  • Den Impuls als Video gibt es auf Youtube (Kirchengemeinde Neukloster)

Predigt | Johannesevangelium 21

Sonntag Quasimodigeniti (11.04.21) | Joh 21 | Pastor Paul Glüer

 

„Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser?“

    „Ich weiß auch nicht. Es ist so trüb. Ich kann gar nicht auf den Grund schauen.“

 

„Frau Fischerin, Frau Fischerin, wie weit ist es noch zum Ufer?“

    „Ich weiß nicht! Die Sicht ist so schlecht. Alles liegt im Neben. Keine Ahnung, wann wir den sicheren Hafen erreichen.“

 

„Herr Fischer, Herr Fischer, wann gibt’s was zu Essen?!“

    „Tja ... schwer zu sagen. Die Netze sind leer. Wir werden wohl noch eine Weile aushalten müssen.“

 

„Frau Fischerin, Frau Fischerin, warum schaukelt das Boot so?!“

    „Nun, die Briese wird heftiger. So wie es aussieht, bricht da bald eine ziemlich große Welle über uns herein.“

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

so kommt es mir vor. Als säßen wir in einem Boot. Mitgehangen, mitgefangen – keiner kann aussteigen. Wir können motzen, wir können klagen (und dazu haben wir auch guten Grund) wir können schweigend erdulden – doch wir bleiben im Boot.

 

Die Sicht ist Trübe, das Wasser auch, der Kurs ungewiss. Mal hierhin, mal dorthin. Manchmal glauben wir, es sei Land in Sicht. Doch dann entpuppt es sich als Nebelschwade.

Manchmal rufen uns welche zu: „Beendet die Fahrt! Lasst das Fischen sein! Alles unnötig!“ Sie rufen uns zu sich, und so manches Boot zerschellte schon an ihren Klippen, wenn es Kurs nahm auf die Insel der falschen Heilsversprecher.

 

Ja, wir treiben auf hoher See, sind dabei zuweilen nah am Wasser gebaut, denn die Situation ist oft nur zum Heulen. Ein Auf und Ab der Wellen, uns wird schummrig, schlecht, Angst und Bange, wenn wir in den Neben starren und uns ausmalen, welche Flutwelle da wohl noch über uns hereinbricht. Und irgendwie versuchen wir uns vorzubereiten. Und gleichzeitig sind wir verwirrt, erschöpft, wollen nicht mehr, mögen nicht mehr, können manchmal auch einfach nicht mehr. Doch der Hafen ist noch nicht erreicht, das rettende Ufer noch nicht in Sicht.

 

Wenn nur die Netze voll wären. Wenn nur der Hunger nicht wäre. Der Magen knurrt. Wir werfen die Netze aus, fischen nach Zusammenhalt. Nach unbeschwertem Kaffeetrinken, mit Klatsch und Tratsch, Musik und Torte. Mit „Hast du schon gehört“ und „weißt du schon das Neuste?“. Mit den ganz normalen Aufregern der Woche, mit Lachen über manch dummen Witz, mit Leichtigkeit und Händedruck. Wir hungern danach. Doch die Netze bleiben leer.

 

Wir werfen die Netze aus. Fischen nach dem blöden, alten Schulbesuch. Schulpflicht – was gäben wir jetzt dafür, in einem Ram mit der alten Paukerin, genauso wie mit dem coolen Referendar. Vor allem aber mit den Freundinnen und Freunden zusammen auf dem Schulhof abhängen; Bus fahren; am Wochenende noch was unternehmen. Oder noch besser: Zu Konfi! Wir hungern danach. Doch die Netze bleiben leer.

 

Wir hungern nach Urlaub. Es muss ja nicht Mallorca sein. Doch ein Tapetenwechsel wäre schön. Eine Ferienwohnung auf dem Darß würde voll und ganz genügen. Vielleicht sogar mit Freunden, die wir lange nicht gesehen haben. Spieleabend – nicht am PC, sondern gemeinsam am Küchentisch. Wir hungern danach. Doch die Netze bleiben leer.

 

Wir hungern nach Schwimmen gehen, im Wonnemar zum Beispiel. Restaurantbesuche, oder zumindest ein Café. Irgendwo draußen einen Kaffee trinken mit Bekannten. Auszeit. Pause. Sorglosigkeit. Wir hungern danach. Doch die Netze bleiben leer.

 

Vereint in einem Boot sitzen wir, mit trübem Wasser, mit Nebel und rauer See. Und die Netze sind leer.


1Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so: 2Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und 3Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber 5Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, 6Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7Da spricht der Jünger, 8Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13Da kommt Jesus und 

nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch. 14Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war. (Johannesevangelium, 21. Kapitel)

 

Ja, wir fischen im Trüben und unsere Netze sind leer. Und ich freue mich auf den Tag, die Wochen und Monate, wo wir wieder Kaffeeklatsch, Schule, Urlaub und vieles andere, wonach uns hungert – wonach wir fischen – haben werden.

 

Und nun kommt Jesus und sagt: Werft die Netze auf der andere Seite aus! Schaut nicht nur auf das, was fehlt, sondern auch auf das, was da ist!

Ich bin da. Und eure Gemeinschaft kann euch auch keiner nehmen. Ihr sitzt in einem Boot. Und: Ihr sitzt in einem Boot. Mit Abstand und Mundschutz, ja. Aber in einem Kahn. Einem Schiff (auch einem Kirchenschiff).

 

Und ich sitze neben euch. Bei dir. Ich dreh mich um dich. Ich stell mich in den Sturm. Ich übernehme deinen Tränen, ich bring dich durch diese Fahrt. Und: Ich sättige dich. Bin das Brot und die lebendige Quelle.

Amen.

 

Liedvorschlag: H. Grönemeyer, „Ich dreh mich um dich“. Hör es dir an als Lied von Jesus an dich adressiert.