Wie können die Kirchen trotz Abstandsgeboten einladend aussehen? "Reserviert für Deinen Engel"

In der Stralsunder Marienkirche signalisieren Zettel an den Banklehnen, wo Platz bleiben muss für die Engel.

Foto: Foto: Andrea Lehnert

In der Stralsunder Marienkirche signalisieren Zettel an den Banklehnen, wo Platz bleiben muss für die Engel.

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In der Stralsunder Marienkirche signalisieren Zettel an den Banklehnen, wo Platz bleiben muss für die Engel.

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24.01.2021 · Stralsund.

Überall diese Absperrbänder, Abstandshinweise, Verbote. Was die Corona-Maßnahmen in der Praxis an Symbolen hervorbringen, vereinzelt auch in Kirchen von Mecklenburg-Vorpommern, „sieht leider nicht einladend aus“, seufzt Religionspädagogin Andrea Lehnert. Die riesige St.-Marien-Kirche in Stralsund, in der ihr Mann Pastor ist, darf zwar auch im Lockdown für Gottesdienste genutzt werden – bis zu 250 Besucher sind derzeit hier zugelassen, aber immer nur im 1,50-Meter-Abstand voneinander. Schon im Frühjahr 2020 fand Andrea Lehnert: „Wir brauchen eine Lösung, die diesen Abstand herstellt und trotzdem einladend wirkt.“

Als sie mit ihrer Familie im September einen Tagesausflug nach Dalby in Südschweden machte, flog ihnen die Lösung quasi vor die Füße. Lehnerts besichtigten die älteste Steinkirche von Schweden, die Heiligkreuzkirche von 1060. Dort auf den Bänken, auf jedem zweiten Sitzplatz, prangte ein Zettel mit einem Engel darauf und dem Schriftzug: „Reserverat för Änglarna“, für Engel reser viert. „Wir dachten, das brauchen wir auch.“

Inzwischen hat es die Gemeinde umgesetzt: Seit Dezember klebt nun an jedem zweiten Platz auf den Bänken in der Stralsunder Marienkirche ein Zettel mit Engelsbild und dem Hinweis: „Reserviert für Deinen Engel“. „Wir haben ganz viele positive Reaktionen bekommen“, erzählt Andrea Lehnert. Zwar hätten beim ersten Mal ein paar verwirrt nachgefragt: „Wo dürfen wir denn sitzen, wenn hier alles reserviert ist?“ Aber schnell war geklärt, dass das himmlische Personal nur Luft braucht.

"Eine seelsorgerliche Dimension“

„Diese Lösung hat auch eine seelsorgerliche Dimension“, findet Andrea Lehnert. Die meisten, sogar Nicht-Christen, verbänden mit Engeln etwas sehr Positives: Schutz. Begleitung. Freude. „Und wenn man so vereinzelt in der Kirche sitzen muss, ist die Vorstellung, zwischen lauter Engeln zu sitzen, doch tröstlich.“ Psalm 91,11 könne einem da vielleicht einfallen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ Oder die biblische Geschichte von Abraham und Sarah, die sich sehnlichst und vergeblich Kinder wünschten – bis ein Engel der schon hoch betagten Sarah ankündigte, sie würde wirklich noch schwanger werden. „Engel gibt es auch heute noch, das sind einfach Boten Gottes, auch Menschen, die etwas Gutes verkünden“, meint Andrea Lehnert.

Und in Zeiten des Lockdowns und der Pandemie seien Mut machende Nachrichten ganz besonders wichtig. „Es ist deutlich zu merken, dass die Situation den Leuten inzwischen sehr zu schaffen macht“, findet die Pädagogin. Zu den Gottesdiensten kämen derzeit viel weniger Menschen als sonst, trotz der himmlischen Abstandhalter. „Viele haben einfach Angst.“ Beim Gottesdienst, der wie üblich seit Jahresbeginn in der geheizten Heil-Geist-Kirche stattfindet, hätten neulich nur etwa 50 Gemeindeglieder in den Bänken gesessen – obwohl die Besucher von drei Kirchengemeinden sich hier sammeln, St. Marien, St. Nikolai und Heil-Geist. „Für uns alle ist diese Zeit jetzt eine Geduldsprobe“, meint Andrea Lehnert. „Und Geduld zu haben, das sind wir in unserer Gesellschaft nicht mehr gewohnt.“ Zumal keiner wisse, wie lange er noch auf echte Begegnungen verzichten muss. „Ich vermute, wir werden uns erst Ostern wieder mit richtig guten Gefühlen treffen können.“

Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 04/2021