3. September 2007

Zimmermannsmäßig konnten Pyramidendächer und Dielung in der oberen Glockenstube abgeschlossen werden. In der Bauberatung werden die nächsten Schritte und Fristen genau abgesprochen. Die Dachklempner haben für die Pyramidendächer Maß genommen. Es wird vereinbart, die Ortgänge des Hauptschiffes aufzunehmen und neu zu mauern. Die Steine der Rollschicht sind zum großen Teil lose und drücken auf die Traufpunkte, die deutlich gefährdet sind. Auch wenn jetzt bei weitem nicht alle Schäden am Kirchendach behoben werden können, wäre es sträflich, diese Schadstelle in ihrem Zustand zu belassen.

 

4. September 2007

In den Innenräumen überarbeiten die Maurer die Gefache. Im Würfel werden im Westgiebel des Kirchenschiffs tiefe Fugen ausgemörtelt. Das Dreieck des Giebeldachs wird weiterhin gut zu erkennen sein und von der turmlosen Zeit der Kirche künden. In der oberen Turmstube sollen die Innenwände überschlämmt werden. Für die zusätzlichen Arbeiten am Kirchendach werden an der Westwand rechts und links des Turms Gerüste gestellt.

 

5. September 2007

PyramidendachSchall-LukenWer genau hinsieht, erkennt zwischen den Abplanungen neue Details. An der Nord­west­ecke des Turms wird das erste Pyra­mi­dendach eingedeckt. So klein es von der Fläche auch ist, macht es doch eine Menge Arbeit. Nach bestem Wissen und Gewissen wird so gefalzt und überlappt, dass das Wasser schnell und vollständig abfließt. Allerdings wird auch hier das Problem des Regenspritzwassers entstehen, weil die Lasche am Baukörper nur wenige Zentimeter hoch sein kann. Als weiteres Gewerk greifen die Tischler heute ins Geschehen ein. Soweit es möglich ist werden die Schallluken installiert. An einigen Öffnungen werden die Arbeiten durch das Gerüst behindert, das hier mit dem Turm verbunden ist. Die Luken sind aus Lärche gefertigt. Im Oktogon werden sie zum Öffnen sein, um den Ausblick zu gewähren. Die Maurer sind weiter mit dem Überschlämmen der Innenseiten der Gefache beschäftigt.

 

6. September 2007

Der Bau feiert heute Geburtstag! Vor einem Jahr wurde frühmorgens mit dem Aufstellen der ersten Gerüstteile der Bau in Angriff genommen. Ein aufregendes Jahr mit vielen Höhepunkten liegt hinter uns - und genau in einem Monat soll Einweihung gefeiert werden! Diese Wochen werden nicht viel weniger aufregend sein!

 

7. September 2007

Die Maurer sind mit dem Aufmauern der Rolllschicht am Giebel des Kirchenschiffs beschäftigt.

 

10. September 2007

Einige der Goldenen Konfirmanden hatten am Sonnabend die Gunst ihres Jubiläums genutzt, die Namensstube bereits zu besichtigen. Der Kirchgemeinderat hatte ihnen diese Möglichkeit eingeräumt. Allerdings trägt das Innere des Turms noch sehr deutlich Baustellencharakter. Ihre Konfirmation hatten die Jubilare 1956 und 57 noch nicht in der Kirche erlebt. Damals war sie ebenfalls noch Baustelle. - Die Maurer setzen die Fugensanierung am Westgiebel des Turms fort.

 

11. September 2007

Im Außenbereich werden heute die Spuren des Bauplatzes auf der Nordseite der Kirche getilgt. Der Boden wird wieder aufgetragen und eingeebnet. Außerdem bauen die Zimmerer in der unteren Glockenstube die Bodendielung ein. Auch die Dachklempner sind auf der Baustelle und arbeiten an den Pyramidendächern.

 

12. September 2007

Eine Aufgabe für alle Gewerke ist das Reinigen. Der Regen hatte immer wieder Gerbsäure aus dem Eichenholz gewaschen. Besonders die Stahlteile müssen gesäubert werden. Weitere Dielung wird aufgebracht.

 

13. September 2007

Die Verbindung zwischen Turm und Kirchenschiff nimmt Gestalt an. Durch ein besonders gefalztes Kupferblech wird zugleich Bewegung und Abdichtung gewährleistet. Die aufgenommene Dachdeckung auf dem Kirchenschiff wird in diesem Zusammenhang wieder aufgelegt. Es werden in Form und Farbe den Dachziegeln aus den 50ger Jahre nachempfundene Industriebiber verwendet. Bei der sicher in nicht allzu weiter Ferne anstehenden Neudeckung des gesamten Dachs müssen dann größere und vor allem stärkere Ziegel zur Anwendung kommen. Für die beiden Pultdächer des Turms sind derartige Dachziegel ausgewählt worden.

 

14. September 2007

GlockenAlle GlockenNeue Glocke
Die Zimmerer liefern die Hölzer für die Pultdächer. An der Nordseite wird mit der Konstruktion bereits begonnen, soweit das Gerüst die Fertigung schon zulässt. - Der Höhepunkt des Tages beginnt gegen 14.30 Uhr am Rand der Stadt. Am späten Vormittag war die neue Glocke aus Karlsruhe geliefert worden, mittags die mittlere und große, die seit dem 30. März ausgelagert waren. Auf dem Firmengelände von Agrar-Handelspartner Woldegk GmbH in der Neubrandenburger Chaussee treffen die Kutschen ein, die die Glocken in die Stadt einholen sollen. Auch einige Zuschauer haben sich auf den Weg gemacht. Auf den umgebauten und mit Eichenzweigen geschmückten Kremser von Friedrich-Ernst Wilfarth werden die drei Glocken gehoben. Egon Kandler, Vorsitzender des Kirchturmvereins und seine Enkelin Susann klettern mit auf den Kutschbock. Vertreter des Kirchgemeinderats nehmen mit Propst Eckhard Kändler in der Kutsche des Kirchenältesten Jasper Michaelsen Platz und führen den Zug an. Festlich setzt er sich in Bewegung.
Zug Auf dem zuvor bekannt gegebenen Kurs weiträumig um den Woldegker Marktplatz begrüßen viele Gäste das Geläut und genießen den Anblick der drei Gespanne. Viele empfangen sie dann an der Kirche. In einer Andacht werden die beiden alten Bekannten von 1954 wieder begrüßt und die kleine Glocke vom 10. August 2007 feierlich eingeholt. Der Neuguss ist gelungen. Es ist eine schöne, mit schmuckvollen Umschriften gestaltete Glocke geworden. Sie trägt wie die anderen beiden ein Pauluswort: »Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn« (Römerbrief , Kapitel 14, Vers 8). Als Inschrift ist zu lesen: »St. Petri Kirche Woldegk - Gegossen zur Wiedererrichtung des Kirchturms anno domini 2007.« Das Gießerzeichen der Firma Bachert ziert diesen Text. Der Klang der drei Glocken ist an diesem Nachmittag noch nicht zu hören. Sie werden abgeladen und in den Turm gebracht. Für den Neuguss konnten bisher 1.500 Euro gesammelt werden, rund hundert kamen am Nachmittag hinzu.

 

18. September 2007

Es ist ein besonders schöner Tag in diesem regenreichen Jahr. Die Maurer setzen das Verfugen des Westgiebels fort. In der Bauberatung werden die Termine nochmals abgestimmt.

 

19. September 2007

UhrUhrDer Höhepunkt des Baugeschehens an diesem Tag ist die Installation der Kirchturmuhr. An der West- und Nordseite werden Ziffernblätter zu sehen sein. Schon bald nach dem Brand von 1570 war eine neue Kirchturmuhr angeschafft worden, die aller­dings 1902 ersatzlos samt der Schlag­glocke entfernt worden war. Nun wird - maßgeblich durch die Initiative und Spende von Landwirt Jasper Michaelsen aus Friedrichshöh - an diese Tradition angeknüpft. Schneidermeister Götz hatte bereits vor vielen Jahren bei der Stadt eine Spende für dieses Vorhaben hinterlegt. Auch sein Vermächtnis wird nun erfüllt. Die Ziffernblätter, die 1,6 Meter Durchmesser haben, tragen die Stadtfarbe Grün. Auf schwarzem Grund leuchten am Rand die goldenen römischen Ziffern. Der Minutenzeiger hat eine Länge von 1,1 Meter. Am Übergang vom Würfel zum Oktogon werden die Uhren befestigt und auf Punkt 12 eingestellt. Am Abend haben die beiden Mitarbeiter der Leipziger Firma Zachariä die Installation abgeschlossen. Per Funkuhr wird in Zukunft die Zeit angezeigt. Die Uhren werden schon von weitem zu sehen sein. Der Turm gewinnt mehr und mehr sein Gesicht! Noch wird es allerdings vom Gerüst verborgen.

 

20. September 2007

Wichtig, aber unscheinbar: am Morgen werden die vier Pyramidendächer an das Blitzableitersystem angeschlossen. Eigentlich könnte das Gerüst jetzt fallen. Es ergibt sich aber noch eine Verschiebung auf morgen. Die Zimmerleute konstruieren auf der Nordseite das Pultdach, so weit das beim noch bestehenden Gerüst möglich ist.

 

21. September 2007

AbruestenDie Maurer der ›Denkmalpflege Prenzlau‹ beräumen heute die Baustelle. Sie waren über weite Strecken des Baugeschehens vor Ort und hatten sich mehrfach auf Veränderungen und Erweiterungen einzustellen. Das erfolgte sehr problemlos in ausgezeichneter Zu­sam­men­arbeit! - Am Vormittag wird begonnen, das Gerüst abzubauen. Die Hüllen fallen! Für die Über­bauung des Giebels vom Kirchenschiff ist viel Rüstmaterial eingesetzt worden. Ihr Rückbau wird zuerst in Angriff genommen. Deshalb ist von unten heute erst am Nach­mittag das Oktogon langsam in seiner vollendeten Form zu erkennen. Bis in Höhe der Pyramidendächer wird der Rückbau geschafft.

 

22. September 2007

Die Zimmerleute nutzen auch den Sonnabend. Es sind Restarbeiten bei der Dielung zu erledigen.

 

24. September 2007

Die letzte volle Arbeitswoche vor dem Einweihungstermin beginnt - und auf der Baustelle herrscht Hochbetrieb. Die lang ersehnten Leitertreppen werden eingebaut. Sie sind sehr formschön und nutzen den wenigen Platz, der neben den geplanten Glockenstühlen noch bleibt, konsequent aus. Die Elektriker der Woldegker Firma Erdmann arbeiten auf mehreren Etagen zugleich. Die Zuleitungen für Licht, Uhr und Glocken sind zu legen. In eine Begehung mit Malermeister Haase aus Woldegk wird die farbliche Gestaltung festgelegt. Die Zimmerleute arbeiten an manchen Details und warten darauf, dass das Gerüst im Norden und Süden bis zum Feldsteinsockel zurückgebaut wird, damit die Dachstühle für die Pultdächer gestellt werden können. Die Gerüstbauer der Firma Werdermann Neustrelitz tragen nun Etage um Etage ihrer komfortablen Rüstung ab. Das hat sich auch in der Stadt herumgesprochen. Manch ein Zuschauer kommt im Lauf des Tages vorbei, um die Fortschritte zu verfolgen und mitzuerleben, wie sich der Fachwerkteil des Turms langsam herausschält. Am späten Nachmittag ist es dann so weit: erstmals ist der Turm so richtig zu sehen! Glatt und neu, rechtwinklig und kompakt strebt er in die Höhe! Die Uhr gibt ihm ein städtisches Gepräge.

 

25. September 2007

Der Dachstuhl für das Pultdach der Nordseite ist vollständig gerichtet, die Dachlattung aufgebracht. Auf der Südseite macht sich die Schiefwinkligkeit des Feldsteinunterbaus bemerkbar. Da die Fachwerkkonstruktion dagegen in ihrem Grundriss genau rechtwinklig ist, muss beides nun vermittelt werden. Das bloße Auge wird das später nicht erkennen können. Dass der Turm außerdem um zirka 50 Zentimeter aus der Mitte in Richtung Norden verschoben ist, wird man aber bei einem Blick aus der Ostluke des Turms erkennen. Die Firstlinie des Kirchenschiffs trifft nicht auf die Mitte der Luke, sondern auf deren südlichen Rahmen. Die Bauakten geben keine Auskunft - und die vorhandenen reichen längst nicht in die erste Bauphase zurück. Für eine Bauforschung fehlte bei diesem Projekt leider das Geld.

 

26. September 2007

DachdeckerDie Eingangshalle des Turms ist so weit vorbereitet, dass die Maler heute mit Gerüst und Kalkfarbe anrücken konnten. Nicht nur der Staub der Bauzeit hatte den Raum verdunkelt. Auf den rauen Wänden hatte sich in den letzten Jahren bereits viel Schmutz abgelagert. Schon der erste Anstrich bewirkt enormes! Die Zimmerleute des Bauhandwerkbetriebs W. Hicke dagegen legen letzte Hand an und fegen die letzten Späne zusammen. Auf der Südseite ist der Dachstuhl jetzt ebenfalls fertig gestellt. Gegenüber verlegen die Dachdecker die Biber. Es sind große, schwere Steine, von denen jede erste Reihe der Kronendeckung zusätzlich verschraubt wird. Am Nachmittag sind auch die Leitungen weitestgehend verlegt, und die Beleuchtung wird angeschlossen. Vom historischen Treppenhaus bis in die Spitze wird der Aufstieg erhellt. Für die durch die Kirchgemeinde organisierten Reinigungsarbeiten, die heute ebenfalls beginnen, ist das sogleich von Nutzen.

 

27. September 2007

WendeltreppeWendeltreppeLang ersehnt in den vergangenen Wochen war die Wendeltreppe vom ersten in das zweite Geschoss! Die letzte Lücke im Aufgang sollte endlich geschlossen werden. Am Morgen wurde sie geliefert: aus einem Stück bestehend. Es war für die Mitarbeiter von Metallbau Krüger e. K. aus Neuendorf ein hartes Stück Arbeit, sie an Ort und Stelle zu bringen. Sowohl das Portal als auch die Aufzugsluke boten an den Rändern kaum Platz. Zentimeter um Zentimeter wurde die Treppe von der Hängerplattform geschoben und gleichzeitig im Eingangsbereich des Turms aufgerichtet. Von dort aus wurde sie ins erste Geschoss gehievt. Platzsparend und gut begehbar macht sie insgesamt einen vornehmen Eindruck. - Einige Etagen darüber, in der Glockenstube, errichteten die Mitarbeiter von Baugeschäft Müller aus Thalheim den Glockenstuhl. Ausgesuchtes Eichenholz war in der Werkstatt bereits akkurat zugerichtet, dass die Montage ohne Probleme erfolgte. Der schwere Stuhl ruht auf Korkplatten. Durch seine Ausladung und sein Gewicht fängt er die Kräfte, die beim Schwingen der Glocken auftreten, ab. Die Stube ist nun ausgefüllt, bietet aber noch ausreichend Platz, die Luken zu erreichen. Auf dreistufigen Podesten kann man einen Blick in bisher drei Richtungen werfen. Lediglich an der östlichen Luke fehlen die Stufen noch. Hier muss nach dem Anbringen des Treppengeländers zunächst überlegt werden, wie sei angeordnet werden können. - Die Dachdecker beginnen, die letzte Dachlücke, das südliche Pultdache zu schließen. Auch das war seit langen ersehnt, weil dieser Sommer so regenreich war, und immer wieder viel Wasser in das Innere gelangte.

 

 

 

 

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