7. Mai 2007

Die auf der Baustelle eingetretene Pause wird heute durch das Aufstellen eines größeren und kräftigeren Krans beendet. Ende der Woche soll die Stahlkonstruktion geliefert werden, die in der Werkstatt von Peenestahl Neukalen bereits fast vollständig hergestellt ist. Auch in der Werkstatt der Zimmerei Hicke werden in den nächsten Tagen vorbereitende Arbeiten für das Fachwerk des Turms beginnen. Das Holz ist bereits seit einiger Zeit aus den Trockenkammern herausgenommen. Der zweite Bauabschnitt gewinnt an Fahrt!

 

9. Mai 2007

In die Westwand des Kirchengiebels werden Öffnungen gestemmt. Sie werden Stahlkästen aufnehmen, in denen die Stahlträger der Ost-West-Richtung gelagert sind. Am anderen Ende werden sie auf dem Westgiebeltrapez des Turms aufliegen. Starker Wind verhindert, das Wetterdach herunter zu heben. In den Wochen seit seiner Errichtung war es eher ein Sonnendach, weil es so gut wie nicht geregnet hat. Nun soll es morge in aller Frühe versucht werden. Am Abend trifft der Transport mit den Stahlträgern ein. Wegen seiner Überbreite mußte er in der verkehrsarmen Zeit fahren. Nun steht er vor dem Pfarrhaus.

 

10. Mai 2007

StahlträgerAm Vormittag werden die Stahltteile bei regnerischem Wetter entladen. Etwa 12 Tonnen bringt die Konstruktion insgesamt auf die Waage. Nachdem das Wetterdach nun abgebaut werden konnte, wird sie Stück für Stück empor gehoben, eingepasst und verschraubt. Ein kraftvolles Tragewerk entsteht.
StahlträgerStahlträger

 

11. Mai 2007

Wieder wird am Morgen der Kran vor dem Kirchenportal aufgestellt. Die nächsten Segmente der Konstruktion schweben an ihren Platz. Präzisionsarbeit ist notwendig, bei der der Kranführer völlig auf die Handzeichen der Monteure angewiesen ist. Von unten ist die Montageebene nicht einzusehen. Präzisionsarbeit war selbstverständlich auch bei der Herstellung der Teile nötig. Jetzt passen die Bohrungen und Abmessungen ausgezeichnet. Die Mitarbeiter kommen gut voran. Das Tragwerk muss in Waage gebracht werden. Lediglich die Maueröffnungen in der Westwand des Kirchenschiffes mussten nachgestemmt werden, um die Lagerkästen in der richtigen Position aufnehmen zu können. In kurzer Zeit wurde die gesamte Konstruktion installiert, die den Turmgrundriß kreuzförmig überspannt und dafür sorgen soll, dass alle Kräfte gleichmäßig in die vier Außenwände abgetragen werden.

 

14. Mai 2007

Mit Spezialmörtel werden die Lager der Stahlträger im Ringbalken ausgegossen. Einiges an Schutt wird nach unten transportiert.

 

16. Mai 2007

Der Stahlbau wird heute von den Zimmerleuten abgelöst. Sie werden in den nächsten Wochen die Hauptakteure auf der Baustelle sein. Mitgebracht haben sie die acht Leimbinder, die aufrecht auf der Stahlkonstruktion stehend die erste Fachwerketage markieren werden. In der Verlängerung werden sie mit den Eckstielen der Dachkonstruktion verbunden werden und das Tragegerüst bilden. Zunächst werden Gerüstbretter zur Abdeckung der Stahlkonstruktion hinaufgebracht. Im Laufe der Arbeiten kommt es zu technischen Problemen beim Kran. Die Servicekräfte benötigen etwas Reparaturzeit, so dass es heute noch nicht dazu kommt, weiter in die Höhe zu bauen. Alles wird auf die neue Woche vertagt - jetzt steht erst einmal das Himmelfahrtsfest und ein besonders langes Wochenende ins Haus.

 

21. Mai 2007

TurmstützenIm Turminnern wird die bisherige Wendeltreppe abgebaut. Sie war sehr platzsparend konstruiert, aber in ihrer sehr engen Windung um die Seele nicht jedermanns Sache. Sie wird nun von einem System verschiedener Treppen abgelöst. In Zukunft wird man zuerst die historische Treppe benutzen, dann eine Etage mit Hilfe einer neuen Wendeltreppe überwinden, um anschließend bis zum Oktogon durch Leitertreppen zu gelangen. Bis ganz hinauf in die Turmhaube gelangt man mit zum Teil fest installierten Leitern. - Außerdem gewinnt der Turm heute an Höhe. Fünf der acht Stützen werden auf der Stahlkonstruktion errichtet und mit Druckriegeln und Verspannungen verbunden. Von außen werden sie später nicht zu sehen sein, sondern im Innern des Fachwerkwürfels verschwinden. Die Last der Haube tragen sie in den stählernen Unterbau ab. Sie sind 6,60 Meter hoch. In der Bauberatung werden die Weichen für den weiteren Fachwerkbau gestellt. Es wird vereinbart, in der nächsten Woche die Sogkraft des Windes an Probegefachen zu simulieren, um verschiedene Varianten der Stabilisierung der Ausmauerung zu testen. Die Wetterentwicklungen der letzten Jahre und der bekanntermaßen kräftige Woldegker Wind lassen diesen Versuch ratsam erscheinen.

 

22. Mai 2007

Die drei noch fehlenden Ständerbalken werden eingepasst und montiert. Das Achteck ist vollständig und sorgt sogleich für Irritationen bei einigen Woldegkern. Ob denn nun doch schon das Oktogon gebaut werde und nicht - wie früher - zunächst der Fachwerkwürfel, auf den dann die nächste Etage mit dem achteckigen Grundriss folgte. Insgesamt wirken die Balken eher zart und unwillkürlich stellt sich die nächste Frage, warum sie nicht wie der darunter liegende Teil aus kräftigen Stahlprofilen gefertigt sind? Im Projekt sind Holz und Stahl aber sauber getrennt. Alle Aussteifungen, Verspannungen und horizontalen Ebenen sind in Stahl geplant, während die vertikalen Elemente in Holz und Leimholz gedacht sind. Das System wird deutlich. Im Laufe des Tages werden auf der Stahldecke die Holzbalken verschraubt. Die Tragkraft ist so berechnet, dass hier ein Glockenstuhl für größere Glocken errichtet werden kann. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik! Eine Gruppe kirchlicher Bauverantwortlicher aus der Bayerischen Landeskirche, die zum Erfahrungsaustausch im kirchenreichen Mecklenburg weilen, lassen sich das Projekt von Architekt Ullrich Schmidt erläutern - und es sich nicht nehmen, das Gerüst nach oben zu steigen, um alles in Augenschein nehmen zu können.

 

23. Mai 2007

Das Zusammenspiel der Gewerke ist gut organisiert. Jetzt ist die Gerüstbaufirma Werdermann am Zug und errichtet im Innern des Würfels die Arbeitsrüstung. Die Maurer bereiten die Schalung für das Schließen der Treppenöffnung in der untersten Stahlbetondecke vor. Durch den historischen Aufgang entfällt die hier geplante Treppe.

 

24. Mai 2007

KreuzabnahmeWuerfel DeckeZur Vorbereitung der weiteren Montage muss das große Giebelkreuz heute abgenommen werden. Es ist fünf Meter hoch, allerdings viel leichter als gedacht - die Lastanzeige des Krans schlägt noch nicht einmal aus. Nach den Notizen der Kirchgemeindechronik hatten wir mit geschmiedetem Vollmaterial gerechnet, es besteht aber aus aus Hohlprofilen. Seit dem 17. August 1965 hatte es seinen Platz inne. Die Kirchgemeinde plant, es nach der Gestaltung des Kirchumfeldes dort auf ebener Erde aufzustellen. Bis es soweit ist, muss es sicherlich saniert werden, Wind und Wetter, Wasser und Frost haben ihm zugesetzt und deutliche Rostspuren hinterlassen. - Im folgenden hat der Kran weitaus größere Lasten zu heben. Es wird die nächste Plattform konstruiert, der obere Abschluss des Fachwerkwürfels. Auf diese Ebene wird später die Dachhaubenkonstruktion gehoben. Zunächst aber erfolgt die Probe aufs Exempel. Wenn es dieses Mal passt, wird es das wohl dann auch bei der Haube tun! Es gibt keine Komplikationen. Die beiden großen Elemente werden problemlos auf jeweils vier Ständerbalken aufgesetzt und durch die Zwischenstücke nach und nach zu einer Deckenebene verbunden. Erste Verstrebungen werden eingebaut.

 

25. Mai 2007

Haube und SockelDie Schüttung zum Schließen der Treppenöffnung wird per Kran von oben durch die Glockenluke im Fußboden an Ort und Stelle gehoben. Obwohl es nur eine geringe Menge ist, zieht es sich durch diese aufwändige Methode. Gleichzeitig bringen die Stahlbauer alle restlichen Spannelemente in die Konstruktion ein. Weit oben am Westgiebel des Kirchenschiffs fällt ein Ziegel auf, der eine Bleistiftinschrift trägt: »Willi Müller, 22.03.1968«. Er war Dachdeckermeister und hat das Satteldach über dem Turm gedeckt. Sein Sohn und dessen Söhne sind heute ebenfalls Dachdecker in der Stadt und führen die Firma weiter. Bis zum anstehenden Pfingstfest ist ein weiterer Abschnitt des Gesamtvorhabens geschafft. Am Nachmittag ist ein Treffen anberaumt, um die Planungen für die Kirchturmuhr voranzubringen. Mittlerweile gibt es recht konkrete Vorstellungen dafür.

 

29. Mai 2007

Der Konfirmationsgottesdienst zu Pfingsten fand wieder in der Kirche statt. Der Nordeingang ist gewöhnungsbedürftig! - Maurer der Denkmalpflege Prenzlau fertigen nach den Feiertagen heute zu ebener Erde drei Gefache und mauern sie aus. Ein wenig dürfte sie diese Arbeit an ihre Lehrlingszeit erinnert haben: sie geschieht nur zur Probe. Nach zwei Wochen soll die Wand auf ihr ›Gesicht‹ gelegt und belastet werden, um ihre Widerstandskraft gegen die Windlast zu testen. Eine gegen die Berufsehre bewusst eingearbeitete Fuge zwischen Fachwerkständer und Mörtel simuliert dabei das Nachtrocknen des Holzes. Zur Aufnahme der vertikalen Dreiecksleisten müssen die äußeren Steine von Hand einzeln ausgeschnitten werden. In eines der beiden großen Gefache wird in einigen Ziegellagen eine Gewebeband eingelegt. Alle sind gespannt, ob sich diese Ausmauerung als stabiler erweisen wird! - In der Bauberatung teilt die Zimmererfirma mit, dass die Werkstattarbeit für das Fachwerk nun begonnen hat. - Der kräftige und ausdauernde Regen am Nachmittag läuft auch wieder in den Turm: durch die Glockenluken nach unten und zum Portal hinaus, die Stufen hinab. Im Moment lässt sich das nicht vermeiden. Am Bau tritt jetzt wieder eine Pause ein, während in den letzten Tagen anscheinend die jungen Störche geschlüpft sind.

 

 

 

 

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