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Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

Andacht

Von Pröpstin Britta Carstensen, Propstei Neustrelitz

Wind, der zu Pfingsten weht

Es ist so weit: Es braucht nur noch einen winzigen Lufthauch, dann werden sich die Samen des Löwenzahns auf die Reise machen. Sie verstreuen sich und demnächst werden -zig neue Löwenzahnpflanzen auch an den unmöglichsten Stellen im Garten wachsen. Der Löwenzahn ist ein Überlebenskünstler. Alles, was er zur Ausbreitung braucht, ist ein wenig Wind.

Wind, Lebensatem, Geist Gottes: Im Hebräischen und im Griechischen wird dafür das gleiche Wort benutzt. Gottes Geist belebt, ist heilsame Kraft, ist Sehnsucht, Hoffnungsstärke, Trost, aber auch unverfügbare Unruhe. Seit dem ersten Pfingstfest ist das Vertrauen auf das Wirken dieses Heiligen Geistes untrennbar mit dem Glauben an Gott den Vater und den Sohn verbunden. Die Apostelgeschichte erzählt in großartigen Bildern, was dieser Gottesgeist zu bewirken vermag. Fünfzig Tage nach Ostern bricht er wie ein Sturmwind über ein Haus voll verunsicherter Menschen herein. Die Jünger, die sich dorthin zurückgezogen hatten, spüren unerwarteten Wind unter den Flügeln. Der göttliche Geist reißt sie aus ihrer Lethargie. Zurückhaltung wandelt sich in übersprudelnde Energie,  Sprachlosigkeit in Worte. Sie sind wie ausgetauscht. Alles ändert sich: Aus der Gruppe der sich Erinnernden wird eine Gemeinschaft, die aus dem Morgen lebt. Jetzt finden sie Worte für ihren Glauben. Jetzt finden sie Bilder für ihre Hoffnung auf Gottes kommendes Reich und für seine Gerechtigkeit. Sie spüren, Gott ist ihnen nahe ist, mitten im Hier und Jetzt. Es drängt sie raus aus dem stillen Kämmerlein. Sie müssen von dem erzählen, was ihnen lebenswichtig ist. Die, die ihnen zugehört haben, haben ihre Hoffnung und Freude jedenfalls genau gespürt. Und viele haben sich vom dahinter wehenden Geist Gottes selbst anstecken lassen. Das war – so sagt man - die Geburtsstunde der Kirche.

Vermutlich haben die Jünger selbst am meisten darüber gestaunt, wozu sie auf einmal in der Lage waren. Und so ist Pfingsten eine große Aufbruchs- und Möglichkeitsgeschichte. Pfingsten stößt uns darauf, dass wir als Einzelne und als Kirche jederzeit mit dem Wehen von Gottes Geist rechnen dürfen. Und dass dieser Geist Blickrichtungen verändert und bisweilen auch auf ungewohnte Pfade lockt. Das wird Gemeinde und Gemeinschaft verändern. Aber das brauchen wir. Für uns selbst. In unserer Kirche. Für unsere Gesellschaft. Jörg Zink schreibt: „Ich wage es kaum auszudenken, was geschähe, wenn die Christen glauben könnten, dass das Leben nicht aus Gewohnheiten besteht, sondern aus Einbrüchen aus plötzlichen Erfahrungen und Erkenntnissen, die neu und anders sind als alles Gewohnte. Ich wage mir kaum auszudenken, was mit der Christenheit geschähe, wenn sie plötzlich einen lebendigen Gott erführe, einen Gott, der heute bei ihr ist, um sie her, ihr voraus. Einen Gott, der Wege zeigt und neues vor die Augen der Menschen stellt. …. Wenn wir sagen könnten: Wir lassen unsere Ansprüche und unsere Gedankenlosigkeit hinter uns und gehen, ärmer, aber von Hoffnung getragen und vom Geist Gottes geführt, in eine offene Zukunft.“

Diesen Worten mag ich nichts hinzufügen. Vielleicht nur so viel: Zu Pfingsten werde ich  singen: „Wind, der die Samen weht, Wind, der zu Pfingsten durch unsre Herzen geht, komm Geist, der Freude und Gemeinde schafft – welch eine Kraft!“


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