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Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

Andacht

Von Pröpstin Britta Carstensen, Propstei Neustrelitz

Kennen Sie Hanna?


Ihre Geschichte wird im 1. Samuelbuch im Alten Testament erzählt. Diese Hanna bekam keine Kinder. Für eine verheiratete Frau war das damals ein Makel, ein Versagen. Hanna selbst zerbricht beinahe an der „Warum-Frage“. Doch in der größten Verzweiflung trifft sie auf einen Menschen mit einem wachen Sinn und einem offenen Ohr. Ein Priester erkennt ihre Not und wird ihr zum Seelsorger. Er spricht lösende Worte. „Gott wird Deine Gebete erhören,“ viel mehr sagt er gar nicht. Und doch weist er ihr so einen Weg aus dem ewigen Kreisen um Schuld und Versagen. Er weitet ihren Blick auf Gottes unbekannte Möglichkeiten. An dieser Erwartung richtet sich Hannas Seele auf. Und ja, ein Jahr später wird sie Mutter. Ihren Sohn nennt sie Samuel, d.h. „den von Gott Erbetenen“.

Zu dieser Geschichte gibt es eine moderne Skulptur von Thomas Jastram. Sie steht im kleinen Ort Rosenow direkt vor der Kirche auf dem Friedhof. Diese Figur ist mir ans Herz gewachsen. Eine Frau, in stolzer Haltung. In schwingender Bewegung, zugleich die Hand wie zum Stillen an die Brust gelegt. Von erhöhter Position schaut sie über die Friedhofsmauer hinaus ins Dorf. Jeder, der zur Kirche will, geht auf sie zu bzw. muss an ihr vorbei. Nach einem ersten Befremden – eine ziemlich leicht bekleidete Frau in dieser Pose an so einem Ort – habe ich gemerkt, dass es Menschen gibt, die in dieser Figur etwas sehen, was anderen verborgen bleibt. Denn hin und wieder liegen vor ihr Blumen. Oder ein kleines Steinherz mit dem Aufdruck: „Unvergessen“ oder „Für Mutti“.  Die Frauenstatue ist  - völlig ungeplant - zu einem ganz eigenen Erinnerungs- und Andachtsort geworden. Für Mütter und Väter, Kinder, vielleicht schon lange verstorben, aber immer noch präsent. Schmerz, Dankbarkeit, Hoffnung auf Trost -  all das spricht aus diesem ungewöhnlichen Gedenkort. Mich berührt das.

Die biblische Hanna erlebt am eigenen Leibe, dass nichts so bleiben muss, wie es ist. Gott kann Kummer und Erniedrigung wenden. Er schafft in der Wüste Leben und kehrt bedrängende Verhältnisse um. Hoffnung gewinnen, das Leben auskosten, Lebendigkeit weitergeben – dass das wider Erwarten möglich ist, dass Gott das geben kann – von diesem Geschenk erzählt uns die biblische Hanna. Lebendigkeit spüren, den Kopf erheben, sich selbst wiederfinden - davon erzählt auch die Steinfigur auf dem Rosenower Kirchhof all den Trauernden, Nachdenklichen, Angefassten, Sehnsüchtigen.

Hanna – das ist eine meiner kleinen Mutmach-Lieblingsgeschichten. Ich jedenfalls trage sie im Herzen. Sowohl die Hanna aus der Bibel – als auch die aus Stein. 

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