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Landesstiftungstag MV

Stiftertag mit Gastredner Joachim Gauck im Schweriner Schloss

Hauptredner beim 6. Landesstiftungstag MV ist Altbundespräsident Joachim Gauck
10.02.2020 ǀ Schwerin.  Laut einer repräsentativen Umfrage finden es 91 Prozent der Bevölkerung gut, wenn jemand stiftet. Fast 20.000 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts werden bundesweit gezählt. Mecklenburg-Vorpommern ist mit 163 Stiftungen das Schlusslicht im deutschen Stiftungswesen. Dennoch sind die hiesigen Stiftungen, darunter 46 kirchliche Stiftungen, sehr aktiv. Zum 6. Landesstiftungstag laden das Landesnetz der Stiftungen und die Mecklenburger AnStiftung am 13. März in das Schweriner Schloss ein. Im Mittelpunkt steht das Thema „Stiftungen und Land – Hand in Hand“. Ehrengast und Hauptredner ist Altbundespräsident Joachim Gauck.

„Unser Landessausschuss Stiftungen möchte mit den alle zwei Jahre stattfindenden Treffen die Bedeutung des Stiftungswesens in MV fördern“, sagt Sebastian Kriedel. Der Oberkirchenrat ist in der Nordkirche als Jurist für das Stiftungswesen in MV zuständig. „Wir zählen aktuell 61 rechtsfähige evangelische Stiftungen in diesem Land. Diese Zahl verwundert nicht, weil es der Kirche in den Zeiten der Diktaturen gelungen ist, den Bestand der Stiftungsvielfalt zu erhalten.“

Neu errichtete kirchliche Stiftungen nach 1990, die sich dem Bildungsauftrag und der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verpflichtet haben, wie die Evangelische Schulstiftung, die Stiftung Theologisches Studienhaus Greifswald oder die Stiftung Sozial-Diakonische Arbeit im Kirchenkreis Mecklenburg seien laut OKR Kriedel „Beispiele für Leuchttürme des kirchlichen Stiftungswesens“.

Zwei Entwicklungsstränge des kirchlichen Stiftungswesens

Geschichtlich betrachtet gibt es die historischen Stiftungen: Diese erlangten ihre Rechtsfähigkeit bereits im Mittelalter über die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert bis vor Beginn der Diktaturen im vergangenen Jahrhundert. Kriedel: „Als älteste Stiftung kann dazu die Geistliche Stiftung St. Georg und St. Spiritus in Pasewalk genannt werden, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen.“ Zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert seien in Mecklenburg ungefähr zehn Hospitalstiftungen von den Herzögen bzw. Großherzögen errichtet worden, die sich dem Kranken- und Siechenwesen widmeten und sich durch ein Stiftsgebäude und meist erheblichen ländlichen Grundbesitz bis heute ausweisen.

„Mit der Bewegung der Inneren Mission wurden dann im 19. Jahrhundert die großen Diakonischen Stiftungen, wie z.B. die Anna-Hospital-Stiftung Schwerin, das Stift Bethlehem Ludwigslust, die Johanna-Odebrecht-Stiftung Greifswald, das Stralsunder Schwesternheimathaus oder die Evangelische Stiftung Michaelshof gegründet“, berichtet Sebastian Kriedel. Seit den 1990er-Jahren kamen rund 20 kirchliche Stiftungen in MV neu dazu, beispielsweise die Stiftung Kunstgut St. Petri in Wolgast.

Ideen, Konzepte und Engagement im Vordergrund

„Stiftungen haben nicht nur etwas mit Geld zu tun“, stellt der kirchliche Experte fest, „sondern vorrangig mit Ideen, Konzepten und ehrenamtlichen Engagement“. Dies sei in MV für alle Stiftungen und potentielle Stifterinnen und Stifter wichtig, weil es hier  durch die beiden Diktaturen keine nachhaltige Stiftertradition gebe. Stiftungstage wie der jetzige in Schwerin sollen als öffentliche Veranstaltungen aktiv für den Stiftungsgedanken und das bürgerschaftliche Engagement werben.

„Der Hauptgedanke besteht darin, Kooperationsstrukturen zu bilden und die Kommunikation zwischen den einzelnen Stiftungen zu fördern“, sagt Sebastian Kriedel. Das Thema des Treffens unter dem Motto „Stiftungen und Land – Hand in Hand“, dessen öffentlicher Teil um 14.30 Uhr beginn, stellt die Frage, wieviel Realität und wieviel unausgeschöpftes Potenzial in diesem Motto stecken. „Und wer ist ,Land‘ – die Landesregierung, die Gesellschaft, wir alle“, fragt OKR Kriedel.

Das Programm im Schweriner Schloss bietet nach der Mitgliederversammlung des Netzwerkes Stiftungen (Beginn: 13 Uhr) Podien und Workshops, beispielsweise zum Verhältnis Staat, Stiftung und bürgerschaftliches Engagement. Hauptredner ist Altbundespräsident Joachim Gauck.
Quelle: ELKM (cme)


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