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Predigt am 3. Sonntag nach Epiphanias

Wochenspruch

Es werden kommen von Osten und von Westen,
von Norden und von Süden
die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
 (Lukas 13, 29)

Psalm 86

HERR, neige deine Ohren und erhöre mich;
denn ich bin elend und arm.
Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu.
Hilf du, mein Gott, deinem Knechte,
der sich verlässt auf dich.
Denn du, Herr, bist gut und gnädig,
von großer Güte allen, die dich anrufen.
Vernimm, HERR, mein Gebet
und merke auf die Stimme meines Flehens!
In der Not rufe ich dich an;
du wollest mich erhören!
Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern,
und niemand kann tun, was du tust.
Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen
und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,
dass du so groß bist und Wunder tust
und du allein Gott bist.
Weise mir, HERR, deinen Weg,
dass ich wandle in deiner Wahrheit;
erhalte mein Herz bei dem einen,
dass ich deinen Namen fürchte.

Evangelium: Matthäus 8, 5-13

5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9 Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er's. 10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! 11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. 13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.


Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus.
Amen.

Liebe Gemeinde!

Nach wie vor überraschen mich die Predigttexte aus dem neuen Perikopenbuch. Der heutige auch. Das liegt nicht an theologischen Besonderheiten sondern einfach an seiner Länge. Ich habe mich gefragt, wie soll das gehen. Wenn ich den ganzen Predigttext vorlese, bleibt ja kaum mehr Zeit für eine Auslegung, besonders jetzt, da wir aufgefordert sind, unsere Gottesdienste möglichst kurz zu halten. Also den Predigttext kürzen, war mein erster Gedanke. Aber dann kam ein zweiter Gedanke oder besser eine Frage: Wieviel trauen wir den biblischen Texten eigentlich zu? Taugen sie nur als Grundlage für großartige Gedankengebäude des Predigers oder haben sie nicht auch selbst genug zu erzählen?
Diese Frage zu stellen, heißt, sie mit ja zu beantworten.
Also wird der Predigttext nicht gekürzt sondern aufgeteilt. Renate liest ihn, und ich werde einfach ein paar Erklärungen einwerfen.

 1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda.

Als erstes wird uns klargemacht: diese Geschichte ist uralt. Zu der Zeit gab es noch keine Könige in Israel, sondern Israels Stämme wurden von Häuptlingen geführt, sogenannten „Richtern“. Es geht um eine Familie aus dem Stamm Juda. Der Vater hieß Elimelech, die Mutter Noomi, die beiden Söhne Machlon und Kiljon. Sie wohnten in Bethlehem – also in dem Städtchen, wo über tausend Jahre später unser Heiland geboren wurde. „Bethlehem“ bedeutet „Haus des Brotes“, und die Umgegend nannte man „Efrata“, auf deutsch „fruchtbar“. Diese Namen zeigen, dass man dort normaler­weise reichlich ernten und gut leben konnte. Aber damals kam eine Dürre über Efrata, und aus dem „Haus des Brotes“ wurde ein  „Haus des Hungers“. Elimelech und seine Familie kämpften ums Überleben, und als sie gar nichts mehr zu essen hatten, entschlossen sie sich zur Flucht. „Wirtschafts­flüchtlinge“ würde man heute abfällig sagen; aber es ging eigentlich ums nackte Überleben.


Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut.



Im benachbarten Moabiterland herrschte kein Hunger; dort wurden sie aufgenommen und ließen sich nieder. Es war damals üblich, dass man in Not geratene Ausländer aufnahm, wenn sie in friedlicher Absicht kamen. Auch heute noch steht es einem reichen Land gut an, in Not geratene Ausländer bei sich wohnen und arbeiten zu lassen. Nur nationale Egoisten sagen: Hauptsache, unserm Volk geht es gut; sollen die andern doch zusehen, wo sie bleiben. Elimelech und seine Familie wurden also sesshaft bei den Moabitern. Ihre Integration gelang, und als die Söhne ins heirats­fähige Alter kamen, nahmen sie sich zwei Moabite­rinnen zur Frau, Orpa und Rut. Nur in einer Hinsicht passte sich Elimelechs Familie nicht an: Sie hielten sich vom Götzendienst der Moabiter fern und blieben ihrem Gott treu, dem Gott Israels – dem einzigen Gott, dem Schöpfer der ganzen Welt.
Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr.

Elimelechs Familie wurde nach der Hungersnot von weiteren Schicksals­schlägen getroffen. Nach und nach starben alle männlichen Familien­mitglieder: Erst Elimelech selbst, dann die beiden Söhne Machlon und Kiljon. Zurück blieben drei Witwen, nämlich Noomi mit ihren Schwieger­töchtern Orpa und Rut. Was sollten die drei jetzt tun? Noomi als die Älteste ergriff die Initiative. Sie hatte erfahren, dass es in ihrer Heimat wieder genug zu essen gab, und wollte dorthin zurück­kehren. Orpa und Rut begleiteten sie.

Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.

An der Grenze zwischen dem Moabiterland und Juda redete Noomi ihnen ins Gewissen. Sie wollte nicht, dass die beiden jungen Frauen bei ihr blieben und mit ihr ein unsicheres, kümmerliches Witwenleben in Bethlehem teilten. Noomi handelte aus echter Nächsten­liebe. Sie selbst hatte keinen Vorteil davon, wenn ihre Schwieger­töchter sie verließen, sondern nur Nachteile. Aber sie wollte Orpas und Ruts Glück nicht im Weg stehen.

14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Rut begleitete Noomi weiter und sagte ihr die später berühmt gewordenen Worte: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ Wir sehen: Noomi und ihre Familie waren im Moabiterland offen­sichtlich missio­narisch tätig gewesen und hatten Rut für den Glauben an den einen wahren Gott gewinnen können. So bekannte sie sich nun zu Noomis Gott, dem Gott Israels. Und sie zeigte mit ihrem Verhalten, dass dies kein bloßes Lippen­bekenntnis war: Sie handelte aus un­eigen­nütziger Nächsten­liebe; sie wollte ihre Schwieger­mutter auf keinen Fall im Stich lassen. Man kann sagen: Rut bekannte ihren Glauben und zeigte durch ihr Verhalten, dass dieser Glaube gute Frucht brachte.
Solcher Glaube ist vorbildlich. Ich wünschte, jeder hätte solchen Glauben, egal aus welchem Volk er stammt.
Man sollte annehmen, dass solcher Glaube vor allem da zu Hause ist, wo er schon seit vielen Jahr­hunderten verkündigt und gelebt wird – zum Beispiel in Europa, im sogenannten christlichen Abendland. Doch in Bibel und Kirchengeschichte zeigt es sich anders: Immer wieder begegnen uns da Beispiele, wie Ausländer mit ihrem Glauben diejenigen Völker beschämen, in denen dieser Glaube eigentlich zuhause sein sollte. Eines dieser Beispiele haben wir heute in der Evangeliums­lesung gehört: Der ausländische Hauptmann von Kapernaum bewies Jesus gegenüber mehr Gott­vertrauen als die Juden, die sich selbst für fromm hielten. Jesus urteilte über den Hauptmann: „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!“ (Matth. 8,10) Ähnlich hätte Jesus auch mehr als tausend Jahre vorher über die Moabiterin Rut urteilen können.
Findet Jesus bei uns solchen Glauben? Bei mir und bei dir? Vertrauen und bekennen wir wie Rut, und lieben wir so un­eigen­nützig wie sie?
18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Um die Geschichte kurz zu Ende zu erzählen: Rut heiratete in Bethlehem einen Juden namens Boas und bekam mit ihm einen Sohn, der der Großvater von König David wurde. Dessen Nachkomme aber, Jesus Christus, der Sohn Davids, wurde geboren in eben dieser Stadt Bethlehem. Da schließt sich der Kreis und zeigt uns, dass Gott oft sehr verschlungene Wege mit uns geht, aber am Ende immer zum Ziel kommt.

Und der Friede, der höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

Fürbitte




Segen


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