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Morgenandacht

Von Matthias Bernstorf, Schwerin

Von Anklam nach Florenz


„Ich wohne in einem kleinen Vorort in Florenz, und da wussten sie überhaupt nicht, was evangelisch-lutherisch ist. Und dann war ich mal in der Schule, sollte ich erzählen, und da waren die Kinder ganz interessiert und haben zugehört“.

... sagte Wiebke Alessandi, sie stammt aus der Hansestadt Anklam und ist Anfang der 1960er-Jahre nach Italien ausgewandert. „Herrlich“, denkt man vielleicht: „leben wo andere Urlaub machen." Aber damals habe zum Beispiel eine gute Freundin den Ehemann immer erst um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie am Sonntag mal frei haben wollte. Bis sie in der deutschen evangelischen Gemeinde Florenz gehört habe: Es geht auch anders.

Und dann hat sie jeden Tag vorm Spiegel geübt, 'ne? Und hat gesagt: „So! Ricardo!“ Und das hat sie so oft gesagt, dass sie das nachher im Schlaf konnte. Sie ist vor den Mann getreten und hat gesagt. „So Ricardo. Ich fahre mit meiner Freundin in die Thermen von Abano!“ Und der war so baff, er hat gesagt: „... natürlich kannst du gehen wunderbar.“

Ihr Glaube habe ihr in der Fremde ein Stück Heimat geschenkt und Selbstvertrauen, so Wiebke Alessandri, besonders durch die Mittwochsrunden der Gemeinde.

Durch den Pfarrer Kleemann, es gab immer ganz interessante Diskussionen, wo wir unsere Meinung sagten, und er hat uns dazu aufgefordert: „Wie denken Sie darüber, Frau Alessandri?“ Und das war für die ganze Gruppe ganz, ganz wichtig.

Was Wiebke Allesandri und andere Auswanderinnen in Florenz erlebt haben, hat die Künstlerin Claudia Lohse-Jarchow zusammen mit ihrem Mann Raymond in einer Foto-Ausstellung dokumentiert:

Eine der Protagonistin hat das so schön formuliert, die hat gesagt: Wenn der Norden und der Süden sich begegnen, dann passiert eine Menge!

Zum Beispiel ist durch die Frauen und Männer der deutschen Evangelischen Gemeinde in Florenz auch ein Stück protestantische Kultur sichtbar geworden, sogar im Stadtplan von Florenz als Martin-Luther-Garten.

Wir haben unseren kleinen Platz vor der Kirche, direkt in der Nähe vom Arno, ist jetzt umgetauft worden auf den Gardino Martin Lutero, und das stand überall in der Zeitung und jetzt wissen die Leute schon: „Da gibt’s eine Haltestalle, ah: Gardino Martin Lutero“!

Die Foto-Ausstellung heißt: „Wurzeln. Heimat und Diaspora. Deutsche Frauen in Florenz“. Sie war diese Woche in der Hansestadt Greifswald zu sehen. Und Sie können diese Ausstellung auch anfordern im Internet über den Verein Zeitanschauen.

Kontakt

Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
Dr. Matthias Bernstorf
Schliemannstraße 12a
19055 Schwerin
Tel.: Studio (0385) 34 31 85 60
Mobil: (01577) 35 21 531
Fax: (0385) 34 31 85 61
E-Mail: bernstorferr.de

www.ndr.de/kirche


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