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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf - Andachten

Andachten und Gottesdienste - Text, Audio, Video

Weil z.Zt. keine Gottesdienste stattfinden können, werden hier Andachten, Texte, Fürbitten in chronologischer Reihenfolge gezeigt. Daher bei Interesse bitte auch nach unten scrollen.

Wort zum Sonntag Exaudi - 24.5.2020
von Pastorin Uta Möhr
Psalm 27 zum Hören, Predigt zum Lesen (pdf Datei) und zum Hören

Gottes Friede sei mit uns allen! Amen
Seien Sie herzlich begrüßt zu diesem Gottesdienst am Sonntag Exaudi. „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe, sei mir gnädig und erhöre mich” lautet der Leitvers für den Wochenpsalm, der diesem Sonntag seinen Namen gab.
Dieser Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten steht im Zeichen des Abschieds und der Verheißung des Geistes, und zwar des Geistes als Tröster. Die Jünger, von denen wir im Evangelium hören, haben allen Trost nötig. Ihnen wird eine schwere Zeit vorausgesagt.
Psalm 27
Alle: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe,
 sei mir gnädig und erhöre mich”.
 Der Herr ist mein Licht und mein Heil;
 Vor wem sollte ich mich fürchten?
 Der Herr ist meines Lebens Kraft;
 Vor wem sollte mir grauen?
Alle: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe,
 sei mir gnädig und erhöre mich”.
 Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:
 Dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,
 Zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn
 Und seinen Tempel zu betrachten.
Alle:  "Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;
 sei mir gnädig und erhöre mich!"
 Mein Herz hält dir vor dein Wort:
 Ihr sollt mein Antlitz suchen.
 Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.
 Du, Herr, bist meine Hilfe;
 Verlass mich nicht
 Und tu deine Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!
Alle: „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe,
 sei mir gnädig und erhöre mich”.
     Ehr sei dem Vater...

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen
Liebe Gemeinde,
Zwischenzeit, zwischen den Zeiten,
das ist die Zeit, zwischen Totensonntag und 1. Advent,
zwischen Weihnachten und 6. Januar
und das ist auch die heikle, zerbrechliche und spannungsreiche Zeit zwischen dem Erfahren einer Todesnachricht und der Bestattung
oder zwischen der Mitteilung: wir haben bei ihnen einen Tumor diagnostiziert und dem Zeitpunkt des operativen Eingriffs,
zwischen dem Mauerfall und der politischen Neuordnung oder zwischen Weggehen, Heimat verlassen und dem Neustart in einem fremden Land.
Und Zwischenzeit, zwischen den Zeiten,
das ist die Zeit der Jünger Jesu,
zwischen Himmelfahrt und Pfingsten
zwischen dem endgültigen Wegsein Jesu, zwischen dem verunsicherten bedauerndem Blick zurück
und der Zögerlichkeit vor einer offenen ungewissen Zukunft.
Und zwischen den Zeiten, das denke ich zunehmend auch jetzt, leben wir heute, wir wissen, was wir gehabt haben – an Leben, an Wohlstand auch, an Gemeinschaft – und wir wissen nicht, was uns in Zukunft erwartet und wie unser Leben aussehen wird, wenn diese Corona – Krise überwunden ist.
Aber wir ahnen es, zu allen Zeiten haben Menschen solche Zwischenzeiten erlebt, haben Orientierung gesucht und Sicherheit.
In so eine Zwischenzeit hinein spricht der Prophet Jeremia die Worte Gottes an sein Volk,
Predigttext: Jeremia 31, 31 - 34
"Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken."
Das Buch des Propheten Jeremia ist keine fortlaufende Erzählung, sondern es ist eine Sammlung von Reden aus ungefähr 50 Jahren, angefangen um 627 vor Christus.
Zunächst tritt Jeremia auf als derjenige, der das Volk immer wieder zur Umkehr ruft, der zur Buße aufruft, der sagt: Ihr seid auf einem falschen Weg, ändert euer Verhalten! Ganze 29 Kapitel lang geht es um Buße und Umkehr. Doch der Untergang wird nicht abgewendet. Das Volk verliert seine Heimat, es wird ins babylonische Exil geführt. Es scheint alles aus und vorbei zu sein. Sie sind mehr als 1000 km von ihrer Heimat entfernt, und was noch schlimmer ist – sie haben das Gefühl, Gott habe sie verlassen. Wo können sie zu ihm beten? Wo können sie ihre Opfer darbringen? Es gibt hier keinen Tempel. Wo ist Gott, fragen sie sich. Und wie soll es weitergehen?
Zwischenzeit.
Und genau in dieser Zeit bringt Jeremia als einer der ersten Propheten die uralte Vision der Zusage der Begleitung Gottes - durch die Zeiten hindurch - neu zu Gehör. Einen neuen Bund nennt er es. Neu nicht im Sinne von besser. Neu einfach, weil es anders ist.
Es ist nicht mehr von einer Art Vertrag die Rede, wie bei dem Sintflutgeschehen oder bei den 10 Geboten, die in Stein gemeißelt sind. Nein, Gott spricht hier davon: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Sie sollen mich alle erkennen, klein und groß.
In einer Zeit großer Verunsicherung ruft Jeremia die alte Glaubensgrundlage, das Bündnis, das Gott den Vorfahren gegeben hatte, in Erinnerung und lädt Menschen ein, es ihm gleich zu tun. So beginnen die Menschen zu fragen: Was war es, was uns damals Kraft gegeben hat und heute wieder geben kann?
Corona – Zeit – ich weiß, Sie können und mögen es nicht mehr hören, und wenn, dann wünschen Sie sich Visionen und Vorstellungen, wie es weitergehen kann, Sie wünschen sich vielleicht blühende Landschaften oder wenigstens klare Bilder. Irgendetwas, woran man seine Hoffnung ausrichten kann.
Aber das kann ich Ihnen nicht liefern, und das will ich auch nicht.
Ich möchte Ihren Blick vielmehr genau dahin richten, was Gott durch Jeremia tut: Was hat uns in unserem Leben, in den Krisen unseres Lebens, Kraft gegeben?
Woraus haben wir unsere Hoffnung geschöpft? Worauf konnten wir uns verlassen?
Was kann uns heute helfen?  Fragen, deren Antworten jeder und jede selbst suchen muss.
Zwischenzeit.
Liebe Gemeinde,
die besondere Situation der Zwischenzeit ist davon gekennzeichnet, dass sich etwas ändert.
Im Evangelium haben wir gehört, wie Jesus in diese Zwischenzeit seiner Jünger hineinblickt und auf das verweist, was in Zukunft sein wird: der Tröster wird kommen, der Geist Gottes, der Geist der Wahrheit und er wird euch in aller Wahrheit leiten.
Zwischenzeit, liebe Gemeinde, das alte ist nicht mehr, funktioniert nicht mehr – das kann uns ängstigen, birgt aber auch die Chance für neues, genau, wie Jesus es seinen Jüngern verheißt. - wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.
Ich wünsche sehr, dass wir in der Krise, in der wir heute stecken und die so schmerzlich ist mit ihren vielen Verlusten, etwas für die Zukunft lernen.
Ganz am Anfang des lockdown gab es Stimmen, die sagten: die Menschen werden als bessere aus dieser Krise gehen. Inzwischen sind diese Stimmen sehr leise geworden. Ich hoffe es allerdings immer noch.
Ich hoffe, dass wir uns alle darauf besinnen, was wirklich zählt im Leben. Dass wir uns auf Vertrauen besinnen, auf gegenseitige Anteilnahme und darauf, dass das Funktionieren der Wirtschaft nicht alles ist im Leben einer Gesellschaft.
Uns sind gerade die Augen geöffnet worden. Wir sollten sie nicht wieder verschließen. Amen
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Wort zum Sonntag Rogate - "Betet" - 17.5.2020
Gottesdienst in der Kirche
mit Außenübertragung
von Pastorin Anke Kieseler als pdf-Datei

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten,
am heutigen Sonntag „Rogate“ (übersetzt: Betet) geht es um das Vaterunser. Um dieses Gebet, das wir alle kennen. Das ich seit Kindertagen schon so oft gesprochen habe in meinem Leben. Früher hieß es an einer Stelle: erlöse uns von dem Übel. Erinnern Sie sich daran?
Manchmal höre ich das heute noch, wenn alte Menschen dieses Gebet sprechen und nicht daran denken, dass es schon seit vielen Jahren „erlöse uns von dem Bösen“ heißt.
Mir fällt ein Gottesdienst ein, in dem zwei damals noch kleine Mädchen, Linnea und Rebecca, dieses Gebet laut und deutlich mitsprachen, immer ein wenig langsamer als wir Erwachsenen. Aber so ganz deutlich und mit wichtiger Miene.
Das hat mich damals sehr berührt und ich habe es nie vergessen.
Dann gab es eine Andacht mit Konfirmanden. Wir standen hier vorn im Halbkreis und sprachen das Vaterunser. Und nur ein Moment kurzer Unkonzentriertheit reichte bei mir, um ins Stocken zu geraten.
Das fanden die Konfis natürlich hervorragend, dass mir dieser kleine Fehler unterlaufen war …
Ich habe Sterbende begleitet, die in den letzten Stunden diese Worte leise mitsprachen, auch wenn Miteinander-Reden kaum mehr möglich war.
Es gab Beerdigungen, wo ich nach der Beisetzung des Verstorbenen, dem Erdwurf und den letzten Worten zum gemeinsamen Beten des Vaterunser aufforderte. Und ich dann ganz allein sprach.
Bestenfalls unterstützt vom anwesenden Bestatter.
Ich denke an die letzten Wochen, an denen wir viele Abende um 19 Uhr die Glocken hörten, eine Kerze entzündeten und etliche von uns das „Vaterunser“ sprachen. Jede und jeder an ihrem/seinem Ort und doch gemeinsam in Verbundenheit.
Es ist DAS Gebet. Alles enthalten, das ganze Leben umrissen.
Ein Gebet, das schon durch 2 Jahrtausende gegangen ist und so viele Generationen begleitet hat.
Ein Gebet, das Vieles aus-spricht und doch zu uns spricht.
Wir lesen bei Matthäus 6, 5-15:
Jesus lehrte seine Jünger und sprach:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen.
Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:
„Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen“
Was soll man nun darüber noch predigen?
Überall, wo es Christen gibt, fallen diese Worte irgendwann, im Gottesdienst, zu Hause, auf Reisen … laut und in Gemeinschaft oder in Gedanken allein … in allen Sprachen und Dialekten … in allen Situationen, als Dank, als Klage, als Bitte, als Hilferuf …
So viele Menschen es gibt, so viele Anliegen stecken in diesen Versen … Auch deshalb ist kein Vaterunser wie das andere! Jede und jeder unter uns betet es mit seinen eigenen, inneren Worten, mit allem, was an Erfahrungen, an Höhen und Tiefen des Lebens mitschwingt.
Eine Frage, die Jesus bei uns vermutlich aufwirft, lautet:
Sind alle anderen Gebete damit überflüssig, leeres Gerede, stellen wir damit unsere Frömmigkeit, unseren Glauben nur zur Schau? Denn allein in unseren Gottesdiensten beten wir mehrere Male.
Dann gibt es Gebete, die wir mit unseren Kindern und Enkeln vor dem Schlafengehen beten und natürlich Tischgebete.
Die gereimten, die wir als Kinder lernten oder die frei gesprochenen.
Mein Großvater, der auch Pastor war, sprach gern den 145. Psalm:
„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was da lebt, mit Wohlgefallen“. Ich höre heute noch seine Stimme…
Ja, und es gibt die ganz kurzen, die besonders die Konfirmanden und Jugendlichen lieben. „Lieber Gott, segne flott…“
Wir beten zu bestimmten Anlässen, rufen zu gemeinsamen, ökumenischen Gebeten auf, sogar über Religionsgrenzen hinweg.
Auch hier in unserer Kirche hat es im letzten Jahr diese religionsübergreifenden Gebete gegeben.
Ja, und sind diese vielen Gebete denn überflüssig oder unaufrichtig?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus etwas dagegen hatte, auch andere Gebete zu sprechen.
Er selbst brauchte auch diese Auszeiten für sich, um zu beten und er sprach dabei sicher auch noch andere Worte als jene, die von ihm stammen und über die wir gerade nachdenken. Er besuchte die Synagogen, lehrte dort und natürlich wurden dort auch in aller Öffentlichkeit Gebete gesprochen.
Worum also ging es ihm, wenn nicht darum, uns vorschreiben zu wollen, wie wir mit Gott reden, kommunizieren sollen?
Vielleicht darum, das Gespräch mit Gott und damit ihn selbst nicht zu instrumentalisieren, wenn wir wortreich auf ihn einplappern.
Und kein Ende finden können und dabei nicht offen sind für ihn.
Gott braucht keine langen Erklärungen von unserer Seite, er braucht keine ausführlichen Schilderungen der Situation, der Probleme.
Denn er kennt und versteht uns, ohne dass alles ausgesprochen werden muß. Ja, und manchmal braucht Beten auch gar keine Worte.
Aber wenn doch oder wenn uns die eigenen Worte fehlen, dann ist in diesem Gebet alles drin, was wir zum Leben benötigen.
Und wir sprechen mit Gott wie mit einem guten Vater.
Gegen unsere Angst setzen wir auf seine Nähe und Liebe. Wir sprechen vom Brot, das an jedem Tag da ist und unsere Sorgen kleiner werden lässt. Wir erinnern uns, wie viel wir einander zu vergeben haben, nicht nur um unserer Nerven willen. Und wir sprechen auch von dem Bösen, versteckt in den dunklen Ecken unseres Lebens, aber trotzdem da, gegen alles Verdrängen.
Nicht alles in diesem Gebet brauchen wir zu allen Zeiten in unserem Leben. Aber in diesem Gebet ist alles aufbewahrt, bis wir es brauchen.
Wir tragen es in uns. Und dann und wann davon zu zehren, das ist Beten.
Amen

Video-Gottesdienst zum Sonntag Kantate - 10.5.2020
Kantate Gottesdienst Video mit Pastorin Uta Möhr und Pastorin Anke Kieseler
  • Lektorin Conny Buck
  • Lektor Christian von Dorrien
  • Gesang Barbara und Andreas Heintz
  • Gesang Doris und Christian von Dorrien
  • Musikalische Leitung und Orgel Kantor Andreas Hain
  • Kamera & Schnitt Robert Haberer

Wort zum Sonntag Jubilate - 3.5.2020
Psalmübertragung zum Sonntag Jubilate von Johannes Kepler
Psalmübertragung zum Hören
Johannes Kepler lebte von 1571 bis 1630 und war Wissenschaftler, Astronom. Er hat sich damit beschäftigt, wie sich die Planeten um die Sonne bewegen und hat daraus schließlich die Gesetze der Planetenbewegung abgeleitet.
Diese Psalmübertragung macht deutlich, dass Gottesglaube und Gotteslob durch wachsende Erkenntnis und Wissen nicht geringer werden muss!

Groß ist unser Gott und groß seine Macht
und seine Weisheit ohne Ende.
Lobet ihn, ihr Himmel, lobet ihn, Sonne, Mond und Planeten in der Sprache, die euch gegeben ist, euren Schöpfer zu loben.

Lobet ihn, ihr himmlischen Chöre,
und auch du, meine Seele, singe, singe die Ehre Gottes, solange es dir vergönnt ist.
Von ihm, durch ihn und zu ihm sind alle Dinge, das, was wir noch nicht kennen, und das, was uns bekannt ist.
Ihm sei Lob, Ehre und Preis von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Ich danke dir, Schöpfer und Herr,
dass du mir diese Freude an deiner Schöpfung, das Entzücken über die Werke deiner Hände geschenkt hast.
Ich will die Herrlichkeit deiner Werke den Menschen kundtun, soweit mein endlicher Geist deine Unendlichkeit zu fassen vermag.
Wo ich etwas sage, was deiner unwürdig ist, oder wo ich der eigenen Ehre nachtrachte, das vergib mir in Gnaden. Amen

Text - zum Lesen (pdf-Datei) und zum Hören von Pastorin Uta Möhr

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten der evangelischen Kirchengemeinden Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein,

am 3. Mai feiern wir den Sonntag Jubilate – jubelt. Worüber jubeln Sie? Woran freuen Sie sich? Oder darf man das in diesen Corona – Zeiten nicht fragen?
Doch! Man darf und man soll das fragen! Und Freude, lauter oder auch ganz leiser Jubel hilft uns, diese Zeit besser durchzustehen.
Ich freue mich besonders, dass wir raus können, dass wir die See, den Strand, den Küstenwald gleich vor der Haustür haben. Da bin ich oft mit dem Fahrrad unterwegs, meistens ist Hasi mit dabei, der mich auch auf allen meinen Reisen nach nah und fern begleitet. Viele schöne Fotos sind da schon entstanden, die ich mir immer wieder gerne anschaue und die mir gute Laune machen.
Hier ist Hasi eingetaucht in ein Anemonenmeer (übrigens korrekt mit Mundschutz!).
Es ist herrlich und ich bin so froh, dass ich hier lebe. Die Anemonen überziehen wie ein großer weißgepunkteter Teppich den Boden des Küstenwaldes. Einzeln unscheinbar, kleine weiße Blüten mit krautigen Blättern, so sind sie in der Menge so wunderschön und ein Zeichen: Jetzt ist Frühling! Es wird nicht noch mal schneien. Neues beginnt, neues Wachstum, neues Leben. Wie schön! Wenn man allerdings genau hinschaut, entdeckt man, dass unter diesem Blütenteppich alte, halbvermoderte Blätter versteckt sind, die im Herbst von den Bäumen fielen. Aber wer will die schon sehen!
Im Buch des Propheten Jesaja lesen wir den Vers: Gott spricht: siehe, ich will ein neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?
Ja, doch bei den Buschwindröschen erkennen wir es, das Neue, das da wächst. Ist ja nicht zu übersehen. Bei anderem muss man schon genauer hinschauen, um das Neue, das da angeblich aufwachsen soll, zu entdecken und bei noch anderem weiß man, dass da was gesät wurde und nichts wächst auf. Jedenfalls sehen wir es nicht. Aber – die Hoffnung stirbt zuletzt. So sagen wir ja gerne, wenn etwas aussichtslos erscheint.
Als Jesaja diese Worte zu dem Volk Israel sagte, war ihre Lage aussichtslos, denn sie saßen in babylonischer Gefangenschaft. Ihre Hoffnung war gestorben. Und irgendwie war auch Gott aus ihrem Blick geraten. Wie kann er denn hier sein, im fremden Land, wo kein Tempel steht? So fragten sie sich.
Da kommt Jesaja.
"Erkennt ihr's denn nicht?", so fragt Gott durch ihn sein Volk. Setzt die richtige Brille auf! Ich, euer Gott habe euch nicht vergessen, im Gegenteil, ich habe längst an euch gedacht.
Mit der richtigen Brille sehen wir, ja erinnern wir uns, dass Gott so viel Schönes getan hat und so viel Gutes an uns getan hat. "Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." so heißt es nicht nur im Psalm 103, sondern auch in anderen Psalmen. Erinnere dich! Vergiss nicht.
Das ist das eine und das ist wichtig: Sich erinnern! An früher denken! Aber das ist nicht alles.
Wir sollen nicht nur an die großen Taten Gottes denken, die er in der Vergangenheit getan hat, sondern wir sollen den Mut haben, den neuen Verheißungen Gottes für morgen zu trauen: siehe, ich will ein neues schaffen, jetzt wächst es auf,
Bei den Israeliten im Exil in Babylon war das keine leere Versprechung, sondern es kam so: das babylonische Weltreich ging unter, das persische begann und damit die Freiheit für alle Israeliten, sie durften zurück in die Heimat.
Und ich bin mir sicher, auch wir, die wir heute sozusagen erzwungenermaßen im Exil sind, das bei uns "Abstand", "Besuchsverbot" und "Isolation" heißt, auch wir werden Neues erleben, Neues, das jetzt aufwächst, das wir aber noch nicht so wirklich scharf erkennen können.
Ich bin berührt von so viel freundlicher Anteilnahme, von Dankbarkeit über kleine Dinge, die wieder möglich werden, von Hilfsbereitschaft und von vielen kleinen und großen, manchmal einfachen und manchmal auch ein bisschen schrägen Ideen und ich hoffe, dass wir ganz vieles, was uns im Moment gut tut, in die Zeit "nach Corona" hinüberretten können.
Dazu helfe uns Jesus Christus!
In der kommenden Woche finden Sie an dieser Stelle wieder ein Video–Andacht aus unserer Dorfkirche.
Bleiben Sie behütet! Bleiben Sie gesund!
Ihre Pastorin Uta Möhr

Wort zum Sonntag Misericordias domini - 26.4.2020
Psalm 23 - Hördatei
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück.
Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Text - zum Lesen (pdf-Datei) und zum Hören von Pastorin Uta Möhr

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten in Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein,
am 26.4.2020 feiern wir den Sonntag Misericordias domini, umgangssprachlich Hirtensonntag genannt.
Ich erinnere mich noch genau an die Kinderbibel, die ich zu meiner Taufe geschenkt bekam. Sie hieß "Schild des Glaubens", vielleicht hatten Sie die ja früher auch.
Sie kam auch in den 60er Jahren schon etwas antiquiert daher, es war etwas, das man sonst nirgendwo so hatte. Die Bilder waren gezeichnet und ich weiß noch, dass ich sie gerne ausgemalt hätte, aber nicht durfte, weil: in Büchern malt man nicht.
Und ich weiß noch, dass Jesus immer ein langes Gewand anhatte und lange Haare hatte. Jesus durfte das. Mein Bruder, der einige Jahre älter ist als ich, durfte das nicht mit den langen Haaren.
Also, wie gesagt, irgendwie war dieses Buch nicht von dieser Welt.
Aber ich habe es oft angeschaut und so ist mir das Bild von Jesus mit dem Schaf auf den Schultern in meinem Gedächtnis haften geblieben.
Dieses Buch war irgendwie was "von früher", aber da ich Geschichten schon damals liebte, habe ich es gelesen, verschlungen wahrscheinlich.
Nur die Verknüpfung mit dem heute, mit meinem eigenen Leben, die fand nicht statt.
Das kam erst viele Jahre später, zum Glück, möchte ich sagen.
Aber wie ist das heute:
brauchen wir das überhaupt noch, Hirten? Oder kann das Bild weg? Weil es überholt ist, weil wir keine Schafe sind, und schon gar keine dummen, weil uns das Bild suggeriert, dass  es nichts mit unserem Leben zu tun hat und weil es "von früher" ist?
Das Hirtenbild begegnet uns in der Bibel sehr oft, im Alten wie im Neuen Testament. Aber der Vergleichspunkt ist an keiner Stelle das Schaf, das den Menschen als ein dummes unselbständiges Herdentier darstellen will. Der Vergleichspunkt ist immer der Hirte oder genauer, die Einstellung des Hirten: ist er ein Angestellter, einer, der nur seine eigene Haut rettet, wenn es gefährlich wird? Oder ist er ein Hirte, der sogar sein Leben geben würde für die, die ihm anvertraut sind?
Brauchen wir noch Hirten? Diese Frage beantwortet sich von selbst, wenn wir den Hirten als eine Person definieren, der oder die Verantwortung für andere Menschen hat. Dann sind wir als Familienmitglieder, als Freund und Freundin, als Eltern, als Lehrer, als Vorgesetzte, als Politiker, als Schiffskapitän – und ich könnte die Liste jetzt noch lange fortsetzen - Hirten.
In dem Wort Pastor/Pastorin, übersetzt Hirte, steckt das Hirtesein sogar in der Berufsbezeichnung drin. Deswegen haben wir bei der Gründung der Nordkirche auch so darum gekämpft, diese Berufsbezeichnung zu behalten.
Ein Pastor ist ein Hirte, ein Pfarrer ist jemand, der ein Pfarramt innehat. Das ist ein Unterschied.
Hirten sind Menschen, die Verantwortung für andere haben und darum sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegen müssen, was sie antreibt und leitet.
Im Johannesevangelium wird dem guten Hirten der Mietling gegenüber gestellt, um die Unterschiede deutlich zu machen. Der Mietling kümmert sich nicht um die Schafe, weil sie ihm nicht gehören.
Etwas weiter im Text sagt Jesus: Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir...
Wir hören vielerlei Stimmen in unseren Tagen, wir hören die Stimmen der Werbung und im Moment hören wir verschiedene Stimmen von Wissenschaftlern, die sagen, wie wir uns in dieser Coronazeit verhalten sollen, die Stimmen der Politiker, die versuchen, das umzusetzen und wir hören  Stimmen z.B. aus der Wirtschaft, die vehement eine Lockerung der Maßnahmen fordern. Auf wen sollen wir hören? Was sollen wir tun? Was ist wichtig und richtig?
Und: Was brauchen wir nicht nur jetzt sondern überhaupt in unserem Leben, was bringt uns Heil?
Jesus sagt: "Ich bin der gute Hirte!“. Und damit sagt er allen falschen Hirten den Kampf an und erklärt sich zutiefst solidarisch mit den ihm anvertrauten Menschen.
„Ich bin“ sagt Jesus. Nicht: „Ich möchte gerne sein“. Nicht: „Ich könnte werden, wenn ihr mich unterstützt.“ Nicht: „In mir steckt das Zeug dazu.“ Nein. Ganz einfach: „Ich bin!“.
Er sagt auch nicht: „Ich bin im Moment – bis ein anderer kommt, der größer ist. Ich bin heute – wer weiß, wo ich übermorgen bin.“ Nein, Jesus sagt ein für alle Mal: „Ich bin“, und das gilt heute genauso wie damals.
Und immer, wenn Jesus den Mund öffnet und sagt: „Ich bin“, dann wird etwas deutlich von seiner Größe, von seiner Macht, von seiner Einzigartigkeit.
So auch hier: „Ich bin der gute Hirte!“ Ich bin der, von dem der 23. Psalm redet. Ich bin der, der gekommen ist, um euer Leben in Ordnung zu bringen. Ich bin‘s. Ich, Jesus.
Und im Moment höre ich das so: Ich, Jesus, bin der, der euch in dieser schwierigen Zeit Halt gibt und an dem ihr euch ausrichten könnt, denn ich bin der gute Hirte!
Und so bleiben Sie unverzagt und guten Mutes! Gott behüte Sie heute und morgen und alle Tage!
Ihre Pastorin Uta Möhr

Wort zum Sonntag Quasimodogeniti - 19.4.2020
Text als pdf-Datei oder zum Hören Predigt von Pastorin Anke Kieseler. Kollektenvorschlag "Corona-Nothilfefonds Tansania", pdf-Datei.

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten der Kirchengemeinden Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein!
Beim Propheten Jesaja im 40. Kapitel, Verse 26-31 lesen wir:
Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen, seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber“?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Ostern ist ja nun vorbei, schrieb eine Bekannte. Und ich beeilte mich, ihr zu versichern, dass die Osterzeit doch gerade erst begonnen hat und noch bis Pfingsten andauert.
Heute nun ist der 1. Sonntag nach Ostern: Quasimodogeniti.
Was für ein Name. Er bedeutet „wie die Neugeborenen“.
Fühlen Sie sich wie neugeboren? Das sagt man ja manchmal, wenn man ausgeschlafen und geduscht in den neuen Tag startet. Aber hier ist das „Neu-geboren-sein“ von Ostern her gedacht.
Ostern erzählt vom Sieg des Lebens über den Tod und die nun folgenden Sonntage des Osterfestkreises entfalten die Bedeutung des Osterfestes in all seinen Facetten. Da paßt der Name dieses Sonntags „wie die Neugeborenen“ doch ganz gut.
In „normalen“ Jahren würden Sie jetzt vielleicht nicken und sagen:
Ja, so habe ich Ostern immer verstanden, als Neuanfang, als Chance.
Gott kommt auf mich zu und weitet meinen Erfahrungshorizont.
Der Tod ist nicht das Ende.
Aber dann schauen Sie Nachrichten, lesen die Zeitung oder treffen beim Spaziergang und Einkauf Bekannte. Und da ist es wieder, dieses alles beherrschende Thema. Und die Frage: Wann ist es vorbei? Wann ist es wieder wie früher? Oder wenn schon nicht wie früher, dann doch wieder schön?
Wir sind ins Exil geschickt, mitten im eigenen Land. Haben keinen Alltag mehr, denn welcher Tag – von mancher Eintönigkeit abgesehen - gleicht schon dem nächsten? Wann ist es wie alle Tage?
Nein, alles ist anders und ich muß Ihnen gar nicht aufzählen, wie sich unser Leben verändert hat. Unsicherheit macht sich breit. Wir fühlen uns in all dem Vertrauten, das uns umgibt, seltsam unvertraut.
Sind müde geworden, weil wir kein wirkliches Licht am Ende des Shutdown-Tunnels sehen. Weil uns die Frage beherrscht: Wie werden wir das Land, unser Land, irgendwann vorfinden und die Menschen darin? Wie werden wir uns wiederfinden in dem großen „Danach“, für das es kein Datum gibt und keine Frist, die wir noch abzuwarten hätten?
Wie in einer anderen Welt sind wir und saugen begierig alle Informationen auf, die zarte Bilder von einer Rückkehr in unser gewohntes Leben malen und hoffen lassen.
Am Schreibtisch sitzend lausche ich einer unserer Glocken, die jeden Abend in dieser „Corona-Zeit“ auch um 19 Uhr läutet, zünde eine Kerze an und fühle mich vielen anderen in diesem Moment besonders verbunden.
Ich schaue hinaus, hebe meine Augen in die Höhe und sehe unseren Kirchturm mit dem Hahn, der in der Abendsonne glänzt. Der Turm reckt sich wie ein erhobener Zeigefinger in den blauen Himmel und scheint etwas sagen und auf etwas hinweisen zu wollen. Manchmal hilft so ein Blick, um zu lernen, dass nicht wir der Mittelpunkt sind, sondern dass wir uns begreifen als Teil von etwas viel Größerem. Denn:
„Wer hat all dies geschaffen? Weißt du nicht, hast du nicht gehört?“
Es ist Gott, der nicht müde noch matt wird.
Und ich frage mich:
Ist Gott denn so etwas wie die Kraft der Zwei Herzen, Doppelherz?
Oder sogar etwas wie ein viel beworbener Schokoriegel? Der verbrauchte Energie zurück bringt? (Wobei die Frage erlaubt sei, was man denn mit verbrauchter Energie machen soll, wenn sie zurückkommt?)
„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“
In den vergangenen Jahren haben sich einige junge Menschen genau diesen Vers als Konfirmationsspruch gewählt. Vivian, David, Ingmar, Wassilij, Paula, Jillian und Johannes. So steht es im Register. Ob sie sich manchmal noch an „ihren“ Vers erinnern und etwas von dieser Kraft in ihrem Leben gespürt haben? Die es gab, allem Erlebten zum Trotz?
Was würden sie uns erzählen?
Und: Was würden wir ihnen erzählen?
Gab es das in unserem Leben? Neue Kraft, wenn alle Erfahrung dagegen sprach? Und: Hilft uns das jetzt? Im Exil, mitten im eigenen Land?
Auch ein Teil des Volkes Israel, Menschen der sogenannten Oberschicht, waren im Exil in Babylonien. Von dem Eroberer, dem babylonischen König Nebukadnezar II. weggeführt von allem, was sie kannten und schmerzlich vermißten. Nicht wissend, wann und ob dieser Zustand ein Ende haben würde. Aus dieser Zeit stammen die Worte unseres Textes, von Jesaja hineingesprochen in eine große Ungewißheit, in der sich Verzweiflung und Müdigkeit breit machten.
Es gab also schon immer Menschen, denen es ähnlich wie uns ging.
Nur, dass es heute alle Menschen betrifft, an allen Orten dieser Welt. Und am schlimmsten die Armen und Schwachen.
Es ist, als wäre unsere Welt uns allen fremd geworden.
Und nun erinnert Jesaja die Menschen damals und uns heute daran, dass Gott immer alle Wege mit uns geht. Bei uns ist in den Höhen und Tiefen unseres Lebens.
Und deshalb, schaut nicht resigniert zu Boden, sondern:
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht!“
Seht, dass Gott da ist, fern und nah zugleich und immer DA.

„Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.“
Es ist wie eine Erinnerung an etwas zu allen Zeiten Gültiges und sagt uns: Werdet wach, all ihr Müden - zu allen Zeiten und an allen Orten. Gott wird nicht müde noch matt. Er ist bei uns und hat uns nach seinem Bild gemacht. Wir sind ihm ähnlich. Und das zeigt sich auch jetzt, in dieser so unvertrauten Zeit. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Neben all dem, was uns müde und mutlos sein läßt, gibt es so viel an Stärke und Ideen, auch für andere da zu sein.
Manchen graute vor der Enge zu Hause, wenn alle zusammen und kaum Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind. Und stellen fest, dass die Zeit füreinander auch ihr Gutes hat. Manche haben sich am Anfang besonders vor der Einsamkeit gefürchtet. Und haben ein „so viel mehr“ an Aufmerksamkeit und Sorge füreinander erlebt: Einkaufsservice, Kuchen im Treppenhaus und immer mal wieder ein Anruf.
Auch wir in der Kirchengemeinde haben uns gefragt, wie es gehen soll, wenn Gottesdienste und Veranstaltungen lange Zeit nicht stattfinden können. Denn unsere Gemeinschaft lebt doch von Begegnung.
Und hatten dann doch Ideen und versuchen, mit Kreativität auch unter diesen besonderen Umständen davon zu erzählen, dass Gott DA ist.
So wie folgender Text (Verfasser unbekannt):
„Jeden Tag sagt Gott zu uns, vielleicht manchmal ganz leise,
doch an bestimmten Tagen ganz deutlich: Ich bin da.
In das Dunkel deiner Tage, deiner Vergangenheit, und in das Ungewisse deiner Zukunft, in die Bewegtheit deines Lebens und in das Elend deiner Ohnmacht lege ich meine Zusage: Ich bin da.
In das Spiel deiner Gefühle, in die Unsicherheit deiner Entscheidungen und in den Ernst deiner Gedanken, in den Reichtum deines Schweigens und in die Armut deiner Sprache lege ich meine Zusage: Ich bin da.
In die Freude deiner Tage und in den Schmerz deines Versagens,
in die Grenzen deiner Begabung und in die Anstrengungen deines Betens
lege ich meine Zusage: Ich bin da.
In die Enge deines Alltags und in die Weite deiner Träume und Hoffnung,
in die Schwäche deines Seins und in die Kräfte deines Herzens lege ich meine Zusage: Ich bin da.
Das gibt mir neue Kraft und manchmal auch Flügel, die mir etwas von der Leichtigkeit zurückgeben, die ich an manchen Tagen so vermisse.
Und wenn wir uns dann wiederfinden – in der Zeit danach, wie auch immer sie aussehen wird? Werden wir nach vorn blicken, uns wie neugeboren fühlen und mit zurückgewonnenen Freiheiten achtsam und voller Rücksicht auch auf andere umgehen?? Was werden wir gelernt haben?
Wie werden wir auf diese Zeit des Exils und Fremdseins im eigenen Land zurückschauen?
Werden wir uns an die Müdigkeit erinnern, die uns immer mal wieder befiel oder eher an die Kraft, die wir entwickelten, allen Erfahrungen zum Trotz? Ich wünsche uns, dass es die Kraft und die Flügel sein mögen.
Die Erinnerungen daran, was wir zu tragen imstande waren. Und daran, dass Gott da ist und bleibt und uns durch diese Zeit getragen hat. Amen.

Wort zum Ostermontag - 13.4.2020
Text als pdf-Datei oder zum Hören Kyriegebet und  Predigt von Pastorin Uta Möhr.

Kyriegebet am Ostermontag
Gott der Schöpfung und des Bundes
du willst unser Leben und nicht unsern Tod
du willst unsere Hoffnung und nicht unsere Verzweiflung
du willst unseren Mut und nicht unsere Angst
du willst unsere Gemeinschaft und nicht unsere Einsamkeit
du willst, dass wir eine Stimme sind
und nicht, dass wir schweigen
Gott der Schöpfung und des Bundes, erbarme dich unser!

Gott führt uns aus dem Dunkel ins Licht, aus der Ohnmacht zu neuer Kraft, aus dem Tod ins Leben!
Ehre sei Gott in der Höhe!

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten in Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein,
zum Ostermontag gehört traditionell die Geschichte aus dem Lukasevangelium, die von zwei Jüngern Jesu berichtet, die auf dem Weg nach Emmaus sind – wenn Sie mögen, können Sie das nachlesen im 24. Kapitel.
Immer wenn ich an diese Geschichte denke, dann denke ich: Wie ist das peinlich! Erdboden tue dich auf! würde ich an Stelle der beiden Männer,
die da auf dem Weg nach Hause sind, bitten.
Sie hatten von diesem Jesus gehört und waren begeistert! Der traut sich was! Der hat keine Angst vor den Römern, die das Land besetzt hielten und er hatte keine Angst vor den Hohenpriestern, die die Einhaltung der jüdischen Gesetze kontrollierten.
Er tat das, was er für richtig hielt, erzählte vom Reich Gottes, das nahe herbei gekommen ist, heilte Menschen und raufte Ähren am Sabbat – verboten!, rettete eine Frau vor der Steinigung und scherte sich nicht darum, selbst angegriffen zu werden.
Diesem Jesus war alles zu zutrauen, vielleicht könnte er sogar die Römer vertreiben?
Die Männer ließen alles stehen und liegen, verließen ihre Familien, die Frauen, die Kinder, die alten Eltern und folgten diesem Jesus. Sie hatten das Gefühl: Das muss jetzt einfach sein! Und vieles, was Jesus sagte, war so ganz anders als alles, was sie je in ihrem Leben gehört hatten. Er erzählte ganz andere Dinge von Gott als die Priester im Tempel. Besonders das Gleichnis vom verlorenen Sohn – da hatten sie lange drüber geredet und nachgedacht. Jesus sagte: Gott ist wie dieser Vater!
Bedingungslos nimmt er jemanden wieder auf, der von seinem falschen Weg umkehrt!
Ja – so viele Hoffnungen hatten sie in Jesus gesetzt, alles hatten sie aufgegeben – und nun – alles vorbei. Jetzt sind sie auf dem Weg nach Hause. Wie peinlich, der Familie wieder unter die Augen treten zu müssen. Was sollen sie sagen: es tut mir leid, es war nur so eine Idee gewesen, ich verspreche: ab jetzt bleib ich hier? Und wenn in ein/zwei Monaten der nächste Wanderprediger durchs Dorf kommt?
Schnell wollen die beiden Männer weg aus Jerusalem, weg von der zerstörten Hoffnung. Aber schnell nach Hause wollen sie eigentlich auch nicht, schon allein wegen der Peinlichkeit.
Und dann kommt auch noch dieser Fremde, der scheinbar gar nicht weiß, was losgewesen ist in Jerusalem und alles ganz genau wissen will.
Sie erzählen. Sie reden sich den Frust von der Seele und die Trauer und ein bisschen auch die Angst.
Ihnen wird wohler. Es scheint nicht mehr alles so aussichtslos.
Ein Funken Hoffnung glimmt auf.
Bleibe bei uns! bitten sie ihn, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Die Nächte sind wohl das Schlimmste in einer Verzweiflung.
Der Fremde bleibt und bricht das Brot.
DA! DA erkannten sie ihn. DA - in diesem Augenblick.
Ich kenne solche DA – Momente in meinem Leben auch, und Sie sicher auch!
Die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick.
Eine Begegnung, ein Lied, ein Brief, ein Gefühl.
DA - das will ich für mein Leben, das will ich nie wieder verlieren.
Diese DA – Momente können unser ganzes Leben auf den Kopf stellen. Aber manchmal, vielleicht sogar oft, gehen wir darüber hinweg, lassen sie nicht zu. Grübeln wochenlang drüber nach und sagen dann vielleicht: Ach ne, doch nicht! Die beiden Männer in der Geschichte erkannten Jesus und in der nächsten Sekunde war er verschwunden. Wären die beiden nicht sensibilisiert gewesen und wäre nicht der Funken Hoffnung gewesen, den sie plötzlich wieder gespürt haben - sie wären womöglich nach dem Essen ins Bett gegangen und tatsächlich wäre für sie alles vorbei gewesen.
Zu peinlich, etwas davon zu erzählen.
Aber glücklicherweise ist es ja nicht an dem.
Glücklicherweise merkten sie dieses DA und kehrten um und liefen zurück.
Am Beginn der Geschichte sieht es so aus, als liefen sie aus der Gegenwart, die unerträglich für sie ist, zurück in die Vergangenheit, die genauso unerträglich ist. Jetzt kehren sie um. Und jetzt geht der Weg in die richtige Richtung: aus der Vergangenheit nämlich in die Zukunft. Aus ihrem Leid in die Zuversicht, aus der Resignation in die Hoffnung. Die Geschichte, die sie mit Jesus erlebt haben, ist noch nicht zu Ende. Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden. Die Trauer weicht, das Leben blüht auf, es gewinnt neue Perspektiven. Die Zukunft liegt wieder offen vor ihnen. Mitten in der Nacht vergeht die Angst und ihnen geht eine Sonne auf. Unvorstellbar. Und eigentlich nur, weil sie so einen DA - Moment erlebten. Wie schön für uns, dass sie dem getraut haben!
Liebe Besucher unserer Internetseite, in diesem Jahr ist alles anders. Ostern findet statt, aber ohne große Familienfeiern, ohne Gottesdienste, ohne Osterfeuer, beinahe ohne alles. Ruhiger als sonst. Den Fernseher mag man auch nicht mehr anstellen –
man hört soviel von Corona, von den Problemen, von den Infektionen, von den Toten, und kann doch nichts daran ändern.
Wir sind ganz schön auf uns selber geworfen, würde ich sagen. Und es stellen sich uns die Fragen, denen wir im Moment so schlecht ausweichen können: Wohin bin ich unterwegs in meinem Leben – in die Vergangenheit mit ihren diversen Peinlichkeiten oder in die Zukunft? Was will ich anders machen, wenn das Leben wieder "normal"
läuft? Welche DA – Erlebnisse hatte ich in meinem Leben und habe sie nicht beachtet? Was wollte ich schon immer mal machen, und habe es immer aufgeschoben? Diese Corona - Krise zeigt uns, wie zerbrechlich das Leben sein kann, und was alles plötzlich nicht mehr geht.
Ich wünsche uns allen, dass wir uns mehr darauf konzentrieren, was jetzt wirklich wichtig ist – einem Menschen zeigen, dass er nicht alleine ist, eine Entscheidung treffen, die schon lange ansteht und die man aus Bequemlichkeit immer vermieden hat, tun, was not -wendig ist.
Zeit und Ruhe genug, darüber nachzudenken haben wir ja im Moment. Ich grüße Sie herzlich auch im Namen meiner Kollegin Pastorin Kieseler und wünsche Ihnen eine gesegnete Osterzeit, die nun beginnt und bis Pfingsten dauert.
Hoffen wir alle, dass wir uns bald wieder in der Kirche sehen können!
Ihre Pastorin Uta Möhr

Gottesdienst und Wort zum Ostersonntag 2020
Oster-Gottesdienst Video mit Pastorin Möhr.
Wort zum Ostersonntag pdf-Datei und zum Hören von Pastorin Kieseler.

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten der evangelischen Gemeinden Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein,
während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Pfarrgarten und denke, wie schön es ist, die warmen Sonnenstrahlen zu genießen, den Vögeln zu lauschen, überall Blüten und grüne Zweige zu sehen.
„Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ oder „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“. Zeilen, die mir durch den Kopf gehen. Gelernt vor vielen Jahren und auf der persönlichen Festplatte unvergessen und krisensicher abgespeichert. Es ist gut, Gewissheiten in sich zu tragen, die einen abrufbar durch das Leben begleiten. Der kommende Frühling ist eine solche Gewissheit.
Aber unser Leben scheint gerade jetzt still zu stehen, wir befinden uns in einer Pause. Denn es ist eine Herausforderung zu bewältigen, von der vor ein paar Monaten noch niemand etwas ahnen konnte. Doch der Frühling kommt auch in diesem Jahr mit einer wohltuenden Selbstverständlichkeit, die meine Seele streichelt. Er ist Symbol dafür, dass nach jedem Winter, egal wie lange er auch andauert, das Leben wiedererwacht, Freude sich einstellt, Energie zunimmt und die Tage endlich länger werden.
Am Sonntag feiern wir nun Ostern und es wird so ganz anders sein, als wir es gewohnt sind. Keine Gottesdienste -  nur unsere Glocken werden läuten. Zusätzlich wird um 12 Uhr das Festtagsgeläut aller fünf Glocken erklingen.
In ganz Deutschland wird das so sein; als Zeichen der Verbundenheit untereinander.
Und vielleicht lesen Sie in dem Moment eine der Ostergeschichten, wie sie bei Matthäus 28, 1-20 steht:
Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und sie gingen eilends weg vom Grab, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen. 
Manchmal werde ich gefragt: Glaubst du eigentlich, was du an Ostern predigst?
Dass Jesus auferstanden ist?
Und meine Antwort lautet: Ja, ich glaube das:
Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!
Christentum ohne Auferstehung Jesu ist nicht mehr Christentum.
Und ich erinnere mich an die Geschichten von Jesus, der – bevor er auftrat – ein eher unscheinbarer Zeitgenosse und Rabbi war.
Die Menschen machten ihre Erfahrungen mit ihm:
Er heilte Kranke, er tat Wunder – na und - hat es schon gegeben.
Er predigte und rief zur Buße und Umkehr auf – hat es auch schon gegeben.
Er legte die Heiligen Schriften so aus, dass es den Menschen möglich war, Gottes Willen zu erkennen und auch zu tun – hat es ebenfalls schon gegeben.
Langsam wurden seine Mitmenschen jedoch aufmerksam:
da ist einer, der Gott ganz anders kennt und sieht und von ihm redet.
Einer, der sich auch mal traut, Dinge zu tun, die „man eigentlich nicht macht“, der Konventionen, auch die religiösen, übertritt. Der den Menschen in den Mittelpunkt rückt und nicht die vielen religiösen Vorschriften.
Der sagt: das Gesetz ist für den Menschen da – als Hilfe gedacht - und nicht der Mensch für das Gesetz.
Es wird den Menschen um ihn herum immer deutlicher, dass da etwas ANDERS ist, dass Gott selbst aktiv wird.
Aber sie missverstehen ihn grundlegend, indem sie von ihm politische Veränderung erwarten. Auch damals waren die Menschen nicht anders als heute: die Veränderung soll außen geschehen, innen drin soll alles bitteschön bleiben, wie es ist.
Es kommt zu Unruhen, Jesus wird als Ursache für diese Unruhen verantwortlich gemacht und trägt die blutigen, schmerzhaften Konsequenzen.
Das hat es auch schon gegeben, dass Revolutionäre für ihre „Vergehen“ bestraft worden sind.
Aber dieses Mal ist es anders: der schändlich hingerichtete Jesus kommt erneut ins Leben. Davon erzählen alle Ostergeschichten: Es wird deutlich, dass hier Gott eingreift. Er steht über allem – auch über dem Tod - und kann alles wenden.
Und nun steht das Lebenswerk Jesu und seine Verkündigung plötzlich in einem ganz anderen Licht da.
Seine liebevolle Sicht auf die Menschen und ihre Probleme und die Lösungen, die Jesus parat hat. Er weitet den Blick, er bewegt Menschen dazu, sich bewegen zu lassen, um eine andere Perspektive wahrzunehmen.
Einer, der den Tod erlebt und überwunden hat, dessen Wort und Tat zählt mehr. Das machte den Menschen Mut. Hoffnung breitete sich aus.
Hoffnung auf Besserung, bereits im irdischen Leben:
Nach Jesu Auferstehung wird seine Botschaft von der Nächstenliebe endlich verstanden und auch gelebt:
Was ihr einem von diesen Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan. Oder: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Es wird deutlich: durch diesen Jesus ist eine neue Zeit angebrochen, eine Zeit, in der Gesetze, z.B. vom Recht des Stärkeren, relativiert werden.
Jesus hat eine Wende unvorstellbaren Ausmaßes herbeigeführt, das steht fest. Auch wenn seine Botschaft immer wieder missverstanden, missbraucht und missdeutet wurde, weil wir Menschen im Grund genommen dieselben geblieben sind.
Lebendig und voller Kraft bewirkt diese Botschaft Neues, bewirkt sie Unvorstellbares:
dass jeder einzelne Mensch vor Gott einen Wert hat, dass Menschen einander beistehen. Dass sie sich vergeben und versöhnen. Dass sie befreit sind von Angst, dass sie voll Vertrauen ihr Leben leben und Gott vertrauen können, der uns allen in Jesus entgegenkommt.
Damit wir ihm – Gott - auf Augenhöhe begegnen können.
Das einzige „Opfer“, das wir Gott regelmäßig darbringen sollten, ist unsere Angst. Die können wir hier ablegen:
Angst, die wir aus ganz verschiedenen Gründen haben, die uns einengt und atemlos macht. Corona ist nur EINE davon neben den vielen Ängsten, die uns auch umtreiben. Was wir im Gegenzug bekommen, ist tiefer, innerer Friede und Kraft, unseren Glauben zu leben und Hoffnung in die Welt zu tragen.
Denn unsere Welt hat diese gute Botschaft bitter nötig, mehr denn je.
Wir alle brauchen die helfende Hand, das tröstende Wort, die Kraft der Auferstehung, um neu Vertrauen ins Leben zu gewinnen.
"Die Auferstehung Jesu ist ein Termin mit Ewigkeitscharakter", sagt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Das Osterfest habe in Krisen "immer wieder als eine Hoffnungs-DNA für die Gesellschaften gewirkt". Und so rufen und singen wir es uns gegenseitig zu: Der Herr ist auferstanden!
Damit unsere Seele sich daran festhalten kann und wir begreifen, was wir uns selbst nicht sagen können:
Die Macht des Lebens siegt. Sie überwindet das Böse. Sie schafft Frieden und heilt Wunden. Und wann, wenn nicht jetzt, brauchen wir diese Hoffnung, die von Ostern ausgeht: Das Leben ist stärker als der Tod.
Gott erneuert die Welt. Das ist die Botschaft dieses Tages. 
Ich wünsche Ihnen frohe und gesegnete Ostern! Bleiben Sie gesund!
Ihre Pastorin Anke Kieseler

Wort zum Karfreitag - 10.4.2020
Text als pdf-Datei oder zum Hören von Pastorin Anke Kieseler.

Am Abend aber kam ein reicher Mann aus Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.
Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in sein eigenes neues Grab, das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes und ging davon. Es waren aber dort Maria von Magdala und die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.
Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag folgt, kamen die Hohepriester mit den Pharisäern zu Pilatus und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht, dass dieser Verführer sprach, als er noch lebte: Ich will nach drei Tagen auferstehen. Darum befiehl, dass man das Grab bewache bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird als der erste. Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt. Sie gingen hin und sicherten das Grab mit der Wache und versiegelten den Stein. (Matthäus 27,57–66)
Jesus ist gestorben.
Was in Nazareth und rund um den See Genezareth so vielversprechend
begonnen hatte, ist an ein Ende gekommen. Die vielen Heilungen, die Predigt am Berg mit den bleibenden Worten.
Die Wanderung nach Süden, Richtung Hauptstadt.
Wie viele haben seinen Weg gekreuzt.
Eine ganze Reihe von Frauen und Männern folgte ihm nach.
Andere verfluchten ihn, stellten ihm nach, waren eifersüchtig, stellten sich ihm in den Weg.
Einige schwärzten ihn an: Der ist gegen den Kaiser. Der lästert Gott.
Einer hat ihn verraten. Alle haben ihn verlassen.
Einer von seinen Nächsten hat ihn verleugnet und gesagt:
Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr da redet.
Die Evangelien berichten, wie römische und jüdische Obere Hand in Hand arbeiteten, kurzen Prozess machen und Jesus zum Tod verurteilen.
Noch vor dem hohen Fest, dem Passah, wird er gekreuzigt.
Manche hingen so – ein, zwei Tage lang sterbend – an den römischen Kreuzen.
Die Römer ließen einmal tausend Kreuze auf einen Schlag aufstellen.
Ein Exempel wurde statuiert. Macht demonstriert.
Nur keine Schwäche zeigen!
Manche hingen sehr lange.
Bei Jesus waren es wenige Stunden. Vielleicht war er schon so geschwächt.
Die Qual war dennoch unendlich groß. Und jetzt ist er tot.
Mit einem unartikulierten Schrei gestorben.
Seine Verwandten sprechen beim römischen Statthalter vor und bitten, ihn noch vor dem Fest beisetzen zu dürfen.
Man legt ihn in das Grab eines Reichen aus der Anhängerschaft Jesu.
So wie man seit jeher die Toten bestattete in Familiengruften, einen zum anderen. Bis dann nur noch die Knochen übrig waren in der trockenen, heißen Luft. So machte einer dem nächsten Platz.
So wurden sie alle „versammelt zu ihren Vätern“, wie es im Alten Testament heißt.
Jesus liegt nicht in der Familiengruft, wenn es überhaupt in Nazareth eine gab. Er liegt im Grab eines Fremden in Jerusalem.
Der Stein, der vor Tieren schützt und die Totenruhe wahrt, wird davor aufgerichtet.
Die Trauernden gehen. Wenige Freunde, die Frauen, die Mutter, Maria aus Magdala, Josef von Arimathäa, eine weitere Maria.
Sie gehen weg vom Grab, weg von der Gruft.
Heute bleibt das Grab unbewacht.
Morgen schon wird man Wächter davorstellen. Man will dem Wunder vorbeugen und damit jede Legendenbildung vermeiden.
Märtyrergeschichten haben eine eigene Dynamik und Rom greift rigoros durch.
Die wenigen gehen weg vom Grab. Verlassen den Friedhof, der vor der Stadtmauer liegt.
Gehen zurück in die Stadt, die sich auf das Passahfest vorbereitet.
Laut und fröhlich ist es dort. Die Händler machen ihre Geschäfte, viele Touristen sind in der Stadt, die Pensionen sind brechend voll, Jerusalem platzt aus allen Nähten. Das Geschäft blüht.
Wie ist das?
Wenn man das erste Mal vom Friedhof geht, auf dem nun ein lieber Mensch ruht?
Wie ist das, wenn jenseits der Friedhofsruhe das Leben dich wieder voll erwischt mit seinem Lärm und seiner gnadenlosen Oberflächlichkeit?
Vor Jahren erzählte mir eine Mutter, wie es ihr ging, nachdem die Ärzte alle Apparate, die ihr 18 Monate altes Kind scheinbar am Leben erhielten, mit ihrer Zustimmung schließlich abgeschaltet hatten.
Das Leben war augenblicklich erloschen.
„Irgendwann, wir hatten kein Zeitgefühl mehr, verließen wir das Zimmer, betäubt, wie im Nebel …, gingen die vielen Treppenstufen hinunter zum Ausgang. Wir fühlten uns unendlich alt, schwer, kaputt, leer, völlig ausgepumpt. Direkt vor der Ausgangstür ist ein kleiner Park mit einem See, Parkbänke drum herum. Wir setzten uns auf eine Bank, sodass wir das Fenster von Martins Zimmer sehen konnten. In unserem Kopf war nur der Gedanke: Nun ist unser kleiner Sohn gestorben, unser Liebstes war nicht mehr da, unser ganzes Glück.
Es war ein strahlend sonniger Tag mit blauem Himmel, wolkenlos – so strahlend, wie unser Martin es gewesen war. Mir kam es grotesk vor, dass die Leute alle ganz normal an uns vorbeiliefen, als ob nichts geschehen wäre. Ich hatte das Gefühl, man muss die Erde anhalten, alles muss zusammenbrechen – unser Kind ist doch gerade gestorben …“
Jesu Mutter, diese einfache Frau aus Nazareth. Hat sie es auch so erlebt?
Welchen Weg gehe ich, wenn ich weggehe vom Friedhof?
Mit Erinnerungen, die schön sind und doch wehtun?
Wohin führt mich der Weg draußen? Zurück in den Alltag derer, die von meinem Schmerz nichts wissen? Zurück in meinen Alltag?
Oder brauche ich Ruhe, weil ich fühle, dass für mich die Zeit irgendwie auch zum Stillstand gekommen ist?
Der Karfreitag erzählt, dass alle Rechnungen durchkreuzt wurden.
Rom konnte noch so viele Wachen vor das Grab stellen.
Die nächsten Freunde konnten davonlaufen in alle vier Winde.
Die Händler konnten am Abend des Karfreitags Kasse machen.
Jesus Christus siegt.
Ich drehe mich um am Friedhofstor und erinnere mich, dass Jesus später zu den Frauen sagen wird: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Und so gehe ich, setze einen Fuß vor den anderen und denke:
Am Ende der Zeiten, dann wird Jesus Christus gesiegt haben.
Dann ist Leben.
Und wir sind eins – in Gott, der uns sagt:
Geh aus dem Dunkel ins Licht. Das ist dein Weg!
Du hast im Rücken diese schlichte Wahrheit: „Jesus Christus siegt.“
Das ist die Tür zum Leben. Das weitet den Blick.
Dein Weg ist verheißungsvoll und du musst nicht zögern.
Du kannst gehen und musst nicht nach hinten schauen.
Du musst dich nicht absichern.
Du musst keine Wachen vor die Abgründe deiner Seele stellen.
Du mußt die Vergangenheit nicht begraben und die Zukunft nicht fürchten.
Jesus Christus siegt.
So steht es in deinem Rücken.
Trauer heilt. Leben heilt.
Und – lass es dir vom Gekreuzigten und Auferstandenen sagen – dass Gott auch den Tod heilt.

Wort zum Palmsonntag, 5. April 2020
Fürbitten 5.4.2020
Text als pdf-Datei oder zum Hören von Pastorin Anke Kieseler.
Anzünden von Kerzen zum Fürbittgebet (Hördatei) am Palmsonntag, Pastorin Uta Möhr.

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten der evangelischen Gemeinden Lichtenhagen Dorf und Lütten Klein,
vor drei Wochen, am 15. März, war es das erste Mal, dass wir in unserer Kirche keinen Gottesdienst feierten.
Einige, die dennoch gekommen waren, hatten Kerzen angezündet, ein Gebet gesprochen, miteinander geteilt, was alle umtreibt: Die Sorgen, die wir uns machen. Um uns, um unsere Angehörigen, die vielen Menschen, die wie wir dieser Situation so ohnmächtig ausgeliefert sind. Das Lähmende, das Ungewisse, das Angstmachende.
Dorothea, eine ehemalige Konfirmandin, sagte zu mir: „Es wirkt so, als wäre die Fastenaktion der evangelischen Kirche mit weiser Voraussicht so benannt worden: 7 Wochen ohne Pessimismus! Daran müssen wir doch jetzt denken!“
Das hat mich sehr berührt. Dieses junge Mädchen machte mich auf etwas ganz Wichtiges, zugeschüttet von Corona-Sorgen, aufmerksam.

Heute nun ist Palmsonntag.
Und wir erinnern uns: Jesus zieht in Jerusalem ein, um dort das Passahfest mit seinen Jüngern zu feiern. Wie ein König wird er empfangen, mit Palmzweigen, Kleidern, die auf den Wegen ausgebreitet werden wie ein roter Teppich.
Laute Jubelrufe sind zu hören.
Der Evangelist Johannes erzählt (Johannes 12, 12-19):
Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.
Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.


In einer kurzen Geschichte wird von einem russischen Popen erzählt, zu dem ein Besucher kam, der ihm ausführlich beweisen wollte, dass es Gott nicht gibt und geben kann. Dass es sinnlos ist, an Gott zu glauben. Er schilderte das Elend und die Not in der Welt; er verwies auf die Gewalt und den Krieg, auf Krankheiten und Tod, auf Flüchtlingselend und Einsamkeit. „An einen Gott, der das alles zulässt, kann ich nicht glauben!“ sagte der Mann am Ende. Der Priester antwortete: „Das macht nichts! Gott glaubt an dich!“

Palmsonntag. Der Einzug Jesu in Jerusalem fand unter den Augen einer begeisterten und ihn ausgelassen feiernden Menschenmenge statt.
Wir wissen aber auch, wie schnell die Jubelrufe in Hass-Tiraden umschlugen. „Kreuzige ihn!“ heißt es nur wenige Tage später.
Der König, der da in Jerusalem einzieht, passt nicht in die Erwartungen.
Er kommt nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel. Er kommt nicht, um zu herrschen, sondern um zu dienen. Er kommt nicht, um mit Macht und Gewalt zu regieren, sondern um bei den Menschen zu sein, für sie und mit ihnen zu leiden. Manchen Menschen war und ist das zu wenig.
Aber in diesem Einzug Jesu in Jerusalem zeigt sich, dass Gott zu uns kommt, um für uns da zu sein. Er steht auf der Seite der Menschen, die krank und verzweifelt sind, die nach Hilfe und Gerechtigkeit schreien.
Es mag sein, dass viele sich in diesen Tagen fragen: „Wo ist Gott? Wie kann er das zulassen?“ Zweifel und Verzweiflung schaffen sich in unseren Gedanken und Herzen Raum. Die Sorge um unsere Lieben und um uns selbst wollen uns bestimmen. Da hinein hören wir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem; wir hören, dass Gott zu uns kommt – in unseren Alltag, der uns jetzt so schwer wird. Er kommt zu den Flüchtenden auf in den Flüchtlingslagern auf Lesbos und an anderen Orten, zu den Vergessenen in den Elendsvierteln dieser Welt, zu den Hungernden. Davon erzählt diese Geschichte, jedes Jahr wieder.
Das lässt mich aufatmen und dem sich ausbreitenden Pessimismus entgegentreten.
„Gott glaubt an uns!“, so klingen in der Geschichte die Worte des Priesters an den Zweifelnden.
Daran will ich will ich mich halten: Gott glaubt an mich, an dich, an uns!
Am Palmsonntag werden in katholischen Häusern Palmzweige (in unseren Gegenden eher Ahorn, Birke, Buche, Buchsbaum o.ä.) gebunden und im Gottesdienst gesegnet. Eine schöne Tradition, die an die Geschichte des triumphalen Einzugs Jesu erinnert, aber schon eine Ahnung davon hat, wie es enden wird.
Die Palmsträuße werden dann hinter das Kreuz gesteckt oder mit nach Hause genommen, um dort einen besonderen Platz zu finden. Die in der Kirche verbliebenen Zweige werden im nächsten Jahr kurz vor der Fastenzeit verbrannt und ihre Asche als Buß-Zeichen für den Aschermittwoch bewahrt. Diese Zweige sind – auch für evangelische Christen  – Zeichen, dass Gott in unseren Häusern und Herzen seinen Platz haben will, dass er dabei ist, wenn wir in Not und Sorge sind, wenn wir zweifeln und verzweifeln.
Gott glaubt an uns! Er ist für uns – im Leben und darüber hinaus.
Ich wünsche Ihnen – auch im Namen von Pastorin Uta Möhr - eine gesegnete Karwoche, bleiben Sie behütet! Ihre Anke Kieseler

Wort zum Sonntag Judika - 29.3.2020
Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten
der evangelischen Gemeinden Lütten Klein und Lichtenhagen Dorf,
(Text als pdf-Datei)

wieder wird Sonntag, wieder wird es in der Dorfkirche und in allen anderen Kirchen des Landes keinen Gottesdienst geben. Abgesagt.
Persönliche Kontakte in der Öffentlichkeit mit mehr als 2 Leuten verboten.
Shoppen gehen unmöglich, Kaffee trinken im Café ebenfalls.
Ich sitze zu Hause. Aber nein, mir fällt nicht die Decke auf den Kopf, es gibt dennoch genug zu tun. Und einmal am Tag ziehe ich mich warm an und drehe eine große Runde auf dem Fahrrad. Freue mich an der Sonne und am Frühling, freue mich an der Bewegung und daran, andere Menschen zu sehen, die auch unterwegs sind – wenn auch von ferne.
Einmal mehr schätze ich in diesen Tagen das Internet und mein WhatsApp.
Besonders da kursieren zurzeit viele kleine Bilder oder Videos, die einfach schmunzeln lassen oder Mut machen. Herzlichen Dank dafür!!
In den Gruppen werden abends Fotos von den Kerzen weitergeschickt, die um 19.00 Uhr in vielen Häusern angezündet werden. Ein starkes Zeichen der Verbundenheit. Überall in unseren Gemeinden, in unserer Stadt, in unserem Land beten Menschen dafür, dass wir als Menschheit durch diese Krise kommen und auch dafür, dass wir in diesen schweren Tagen erkennen, was wirklich zählt im Leben.
Gebe es Gott, dass das nicht in Vergessenheit gerät, wenn irgendwann wieder „Normalität“ eintritt!

Einer dieser Texte, die im Internet kreisen, heißt:

Nicht alles ist abgesagt!

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt
Lieben ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Zuwendung ist nicht abgesagt
Musik ist nicht abgesagt
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt...


So wünsche ich Ihnen, auch im Namen von Pastorin Kieseler, jeden Tag eine kleine Freude, jeden Tag etwas, das Ihnen Mut macht und einen gesegneten Sonntag!
Ihre Pastorin Uta Möhr

Wir möchten gerne mit Ihnen in Kontakt kommen oder bleiben. Schicken Sie uns gerne Ihre E-Mail – Adresse, damit wir Sie in unsere Verteiler aufnehmen können: email für Lütten Klein, email für Lichtenhagen Dorf

Predigt am Sonntag Lätare - 22.3.2020
Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseiten der evangelischen Gemeinden Lütten Klein und Lichtenhagen Dorf,
es ist Sonnabend, Spätnachmittag, 21.3.2020. Normalerweise würde ich jetzt meine Texte für den Gottesdienst morgen Vormittag ausdrucken und sortiert abheften, damit ich morgen im Gottesdienst nicht durcheinander komme, ich würde meine schwarzen Schuhe abbürsten und die Sachen rauslegen, die ich anziehen möchte.
Das alles tue ich heute nicht, denn morgen wird es keinen Gottesdienst in der Dorfkirche geben.
Es wird keinen Gottesdienst geben?? Moment mal!
Natürlich wird es einen Gottesdienst geben! Nicht einen, sondern viele! Überall, wo Menschen beten und bitten, wo Menschen singen und Gottes Wort hören, wo sie in der Bibel lesen und darüber nachdenken… Vielleicht werden sie jemanden anrufen und ihm ein gutes Wort sagen, ein Wort des Trostes oder ein Wort, das zum Lachen bringt.
Vielleicht werden Sie das alles tun?!? Dann seien Sie gewiss, dass Sie nicht alleine damit sind!
Vor wenigen Minuten flatterte mir per email eine Predigt von Pastorin Katrin Oxen auf den Computer, die ich herz-erfrischend fand und die ich Ihnen, mit Erlaubnis von Frau Oxen, hier mitgeben möchte.
Ich grüße Sie herzlich auch im Namen von Pastorin Kieseler
Ihre Pastorin Uta Möhr

In Gottes Schürze weinen (Predigt als pdf-Datei)
Predigt zu Jesaja 66, 10-14 zum Sonntag Lätare, 22. März 2020 Pfarrerin Kathrin Oxen, Berlin
Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.
Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.
Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach.
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras.

Apfelstücke in Plastikdosen, Kekse, Trinkflaschen, Feuchttücher - sie haben alles dabei. Auf einem der groben Tische am Rand des Spielplatzes am Wald liegen sogar bunte Servietten. Die Kinder spielen, ein bisschen mehr allein als miteinander, so, wie sie es ihnen gesagt haben. Die Sonne scheint. Und wenn man die Augen zusammenkneift, könnte dies hier ein beliebiger erster schöner Frühlingstag sein.
Doch die Mütter am Rand des Spielplatzes haben heute Morgen nicht nur ihre Kinder geweckt, Brotdosen gefüllt und die Kinder dorthin gebracht, wo man Kinder eben so hinbringt. Sie waren heute auch schon die Lehrerin. Sie waren der Caterer. Sie waren die Erzieherin. Sie gehen einmal am Tag raus mit den Kindern. Und ja, es sind natürlich auch Väter auf dem Spielplatz. Aber an Apfelstücke haben sie meistens nicht auch noch gedacht. Das waren die Mütter.
Es gibt sogar einen Begriff dafür, mental load, die Last des „An-alles-und-an-alle-Denkens“, die die Mütter tragen, auch in ganz normalen Zeiten. Sie sind Mütter und viele von ihnen sind auch noch Töchter. Sie stehen neben der Rutsche, unsichtbar beladen mit ihrer mental load und denken an ihre Kinder und wie es morgen und in der nächsten Woche wohl läuft und an ihre eigenen Mütter und Väter und daran, dass sie sie jetzt lieber nicht sehen sollten.
Oder sie im Heim nun gar nicht mehr besuchen können. Und wie lange das alles dauern wird. Sie lassen sich nichts anmerken, vor allem gegenüber den Kindern nicht. Aber wenn sie sich begegnen, dann erkennen sie einander gleich. In den Augen ist sie zu sehen, die heimliche Sorge um die, die einem anvertraut sind. Die Sorge um die, die man liebt.
Der Preis, den man für die Fähigkeit bezahlt, lieben zu können. Hier auf diesem Spielplatz, zwischen heruntergefallenen Apfelstücken mit Kiefernnadeln dran und „Wie macht ihr das denn jetzt“-Gesprächen in eineinhalb Meter Abstand, ist diese heimliche Sorge noch klein.
Auch im März 2020 zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland. Sie steht in keinem Verhältnis zu den Sorgen der Mütter anderswo auf der Welt, wo an Apfelstücke und Spielplätze nicht zu denken ist. Wo es nicht um Hausaufgaben ausdrucken und einmal rausgehen am Tag geht, sondern es kein Dach über dem Kopf gibt, geschweige denn eine Schule. Von der Not dieser Mütter und ihrer Kinder sind wir weit entfernt. Oder soll man sagen: Waren wir weit entfernt? Wenn etwas bleibt von dieser Zeit, von dieser Krise und ihren Sorgen, dann wünschte ich mir, es wäre dies:
Ein Gefühl für die Not der anderen. Besonders für die Not der Mütter und ihre Kinder. Denn etwas wird bleiben von dieser Krise und ihren Sorgen. Und das heißt auch:
Sie wird vorbei gehen. Einmal wird sie Vergangenheit sein statt bedrängender Gegenwart. Jetzt sind wir unruhig, weil niemand sagen kann, wie lange es dauern wird, bis wir uns wieder freuen können über unsere Stadt, über unser Dorf, über das Leben in den Straßen, die Kinder mit ihren bunten Ranzen auf dem Weg zur Schule, den Takt der Bahn, wir alle unterwegs mit unseren Kalendern, Terminen, Verabredungen, Plänen, der ganzen mental load, über die alle seufzen und die jeder sich jetzt schon zurückwünscht. Wir nennen es Alltag. Aber es ist unser Leben. Wir möchten es zurück. Und wir werden es zurückbekommen. Und dann wird die Freude groß sein.
Freuet euch mit Jerusalem, wo jetzt auch niemand mehr hinfahren darf, freuet euch mit Berlin, mit Heinsberg in Nordrhein-Westfalen und Mitterteich in Bayern, freuet euch mit Bergamo in Italien. Freuet euch mit diesen und mit all den anderen Orten, über die wir jetzt so traurig sind. Denn das alles wird Vergangenheit werden. Wir werden es sehen und unser Herz wird sich freuen und unser Gebein soll grünen wie Gras. (Jes 66, 14).
Einmal werden wir traurig gewesen sein. Und was machen wir bis dahin? Was machen die Mütter auf dem Spielplatz und die Väter und die vielen anderen, die jetzt stark sein müssen für andere und ihre eigenen Sorgen nicht zeigen dürfen, zuerst die Ärztinnen und Ärzte, die Schwestern und Pfleger, all die Menschen, die systemrelevante Berufe haben und große Verantwortung und viel mehr tragen als die ganz normale mental load?
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet, sagt Gott. Denn ich weiß, was los ist. Ich erkenne es doch in euren Augen. Eure Sorge ist meine Sorge, schon immer gewesen. Es ist die heimliche Sorge, von der man versucht, sie sich nicht anmerken zu lassen. Der Preis, den man für die Fähigkeit bezahlt, lieben zu können. Diesen Preis muss jeder zahlen. Auch ich, Gott.
Denn ich habe euch gemacht. Ihr seid meine Kinder. Und wenn es so ist, wie es jetzt gerade ist, in Zeiten der Krise und der Sorgen, wenn ihr stark sein müsst für andere oder auch nur für euch selbst, dann bin ich da. Kommt zu mir, sagt Gott, kommt so, wie man nur zu seiner Mutter kommen kann. Lehnt euch bei mir an. Und wenn es sein muss, weint ein bisschen in meine Schürze. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. Amen
(Anmerkung der Autorin: „Der Preis, den man für die Fähigkeit bezahlt, lieben zu können“, ist ein Zitat aus Marlen Haushofer, Die Wand. Und das (Sprach-)Bild von „in Gottes Schürze weinen“ habe ich von Christina Brudereck.)

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