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Interreligiöse Andacht setzt Zeichen gegen Ausgrenzung, Gewalt und Hass

Bischof von Maltzahn: Menschen der Hoffnung braucht unser Land

Mehrere Hundert Menschen kamen in die Marienkirche zu einer Interreligiösen Andacht zusammen. (Archivbild)
22.09.2018 ǀ Rostock.  „Du, lass dich nicht verhärten“ – unter diesem Motto stand heute eine Interreligiöse Andacht in der Rostocker Marienkirche. Für den Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn liegt befreiende Kraft in Wahrhaftigkeit und Friedfertigkeit. Er rief dazu auf, sich nicht verhärten noch verbittern zu lassen. Wichtig sei, in den Bezügen des Alltags „Flagge zu zeigen und üblem Gerede zu widersprechen“.

Nach den Worten des Bischof leben wir in unruhigen Zeiten: Menschen ängstigten sich auf der einen Seite vor dem Fremden; vor der Gewalt, die angeblich oder tatsächlich von Geflüchteten ausgeht; davor, vielleicht wieder einmal zu verlieren, was man sich aufgebaut hat. Auf der auf der anderen Seite gebe es Ängste vor der Enthemmung und Radikalisierung gesellschaftlicher Gruppen; vor dem Hass, der Menschen entgegenschlägt, nur weil sie anders glauben, anders aussehen, anders leben.

Vor diesem Hintergrund fragte der Bischof, was helfen könne, dass Angst und Ohnmachtsgefühle die Menschen nicht lähmen. Er erinnerte an Jesu Auftrag an seine Jünger, der in unserer Zeit bedeute: „vom Himmel zu reden um der Erde willen; zu heilen, was im Argen liegt; aufzuwecken und wachzurütteln, denn es ist Zeit, zu erkennen, was auf dem Spiel steht; Menschen, die ausgegrenzt sind, in die Mitte zu holen; Ungeist zu widerstehen – egal in welcher Gestalt er sein Unwesen treibt: als Antijudaismus, Islamfeindschaft, Fremdenhass oder dumpfer Wut.“ In diesem Auftrag, so Bischof v. Maltzahn, liege Energie, die helfen können Lähmung und Verzagtheit zu überwinden. Dabei dürften wir uns getragen wissen von dem Bewusstsein, dass Gott uns gewollt habe und bejahe – „in aller Verschiedenheit und doch verbunden als Kinder desselben Vaters.“

Der Bischof plädierte dafür, sich im Sinne Gottes für eine Gesellschaft einzusetzen, „in der den Schwachen besondere Aufmerksamkeit gilt; in der nicht schrille Lautsprecher das Sagen haben, sondern Argumente zählen; eine Gesellschaft, in der Recht und Gerechtigkeit herrschen und nicht die Macht, sich durchzusetzen – ökonomisch oder demagogisch“.

"Bei der Wahrheit zu bleiben"

Zugleich rief er dazu auf, das Recht hochzuhalten und nichts auf den Rechtsstaat kommen zu lassen. Es sei wichtig, „wach zu sein, wenn jemand vorgibt, die Demokratie stärken zu wollen, in Wahrheit aber Hand an ihre Grundpfeiler legt – indem er beispielsweise unabhängigen Journalismus verleumdet“. Wir tun gut daran, so Andreas v. Maltzahn weiter, „kritisch zu prüfen, was Fakt ist; Hysterien nicht auf den Leim zu gehen; bei der Wahrheit zu bleiben und für sie einzustehen unter den Menschen, mit denen wir leben. Es ist wichtiger denn je, in den Bezügen unseres Alltags Flagge zu zeigen und üblem Gerede zu widersprechen!“.

Um die Kräfte des Todes zu entmachten, gelte es, das Leben zu feiern: „Anderen Menschen mit Herzenswärme zu begegnen, Kindern Lebenschancen zu eröffnen, Musik, Literatur und gute Filme zu genießen, die Schönheiten der Natur mit allen Sinnen zu erleben, die Liebe zu wagen – all das stärkt uns, eine Gesellschaft zu gestalten, in der alle ihren Platz haben. Sogar jene, die uns heute noch dämonisieren und zu Feinden erklären!“

"Menschen der Hoffnung können wir sein“

„Gerade jetzt braucht es in unserem Land Menschen der Hoffnung“, fasste der Bischof sein Plädoyer zusammen: „Menschen die zuhören, wo man einander schon abgeschrieben hat; die versachlichen und ermutigen, wo Verunsicherung geschürt wird; die Unrecht beim Namen nennen, wo es verschleiert wird. Denn wir wissen: In Wahrhaftigkeit und Friedfertigkeit liegt befreiende Kraft“.

„Menschen der Hoffnung können wir sein“, so Andreas v. Maltzahn, „die ihre Geschichte erinnern und darum die nationalistischen Fehler der Vergangenheit vermeiden; die Selbstbewusstsein gewinnen nicht durch Abgrenzung, sondern aus Verbundenheit; die sich in ihren Glauben vertiefen und zugleich gespannt sind auf Gottes Spuren im Leben der Anderen.“ Der Gott des Lebens, so der evangelische Bischof abschließend, stärke uns dafür den Rücken.

Hintergrund: Zur Interreligiösen Andacht hatten die Religionsgemeinschaften in der Hansestadt gemeinsam eingeladen. Nach den Worten von Tilman Jeremias habe diese „ein deutliches Zeichen für interreligiöse Verständigung, Demokratie und eine offene und vielfältige Gesellschaft gesetzt“. Der Ökumenepastor im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg hatte die Andacht mit vorbereitet. Anlass waren die jüngsten Ereignisse in Chemnitz und der heutige AfD-Aufmarsch in Rostock.
Quelle: ELKM (cme)


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