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Die monatliche Kolumne von Flüchtlingspastor Walter Bartels

November 2017: Buffalo bike

Straßenszene in Morogoro, Tansania. (Foto: Sabine Bartels)
Lange haben sie sich auf dem Weg nach 'Jamaika' erst mal "beschnuppert" und "abgetastet", einander "nicht verhandelbare Essentials" wie Monstranzen vorgehalten.
Im Prinzip: nichts dagegen, wenn Parteien Unterschiede sichtbar machen statt daß sich alle sowieso einig wären: wozu dann noch wählen?

Aber die "dicken Brocken" wurden ausgespart; die Spitzenleute sollen's jetzt richten. Die Flüchtlingspolitik ist so ein Brocken. Daß sich Geflohene über das Ergebnis freuen werden, ist kaum zu erwarten. Statt Sondieren auf dem Balkon oder hinter geschlossenen Türen könnte man sich ja mal draußen erkundigen, was Menschen helfen würde, die wegmüssen aus ihren Ländern; die kennen sich gut aus. Oft weist schon eine unscheinbare Idee in die richtige Richtung.

Frederick K. Day aus Chicago, las ich, hat sich erkundigt. Er konstruiert Fahrräder für Länder wie Sambia: robust und unverwüstlich. Seine Firma ist eigentlich Spezialistin für Fahrrad-Gangschaltungen, aber damit kann man auf den staubigen Pisten Afrikas nichts anfangen. Wohl aber mit einem Fahrrad-Gepäckträger, der 100 Kilo aushält. Damit kann man Waren zum nächsten Markt transportieren: literweise Milch, Käfige mit Hühnern, Gemüsekisten. Bei Jugendlichen ist so ein Fahrrad zu dritt für den weiten Weg zur Schule sehr willkommen. Auch können einheimische Ärzte Medikamente gegen Malaria leichter in die Dörfer bringen.
 
Der Fahrradrahmen wird in China gefertigt; komplett zusammengebaut wird dann in Kenia, Malawi und Sambia von einheimischen Mechanikern, die dafür ausgebildet werden. Etwa 120 – 140 $ kostet so ein 'Buffalo bike'. Der Deal für SchülerInnen: sie bekommen ein Fahrrad umsonst, wenn sie es zwei Jahre lang für den Schulweg nutzen: Bildung gegen Radeln.

Schön, daß es Leute gibt, die so etwas initiieren, finanzieren, organisieren, trotz vieler Hindernisse und Schwierigkeiten! Politik vor Ort. Frederick K. Day sagt: "Ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein Anfang." Die Richtung ist klar: Nur wenn Menschen an ihren Orten leben und sich entwickeln können, werden sie dort auch Perspektiven finden und Zukunft für sich sehen.

'Was willst du, daß ich dir tun soll?' fragt Jesus den blinden Timäus in Jericho (Mk 10,46ff). Merkwürdige Frage. Sieht er denn nicht, was los ist und woran es fehlt?
Hilfe, Veränderung von außen ist das eine. Aber auch der eigene Wille muß wieder in Gang kommen, etwas zu ändern. Das Zutrauen muß gestärkt werden, daß hinter dem Nebel der Aussichtslosigkeit noch Spielraum liegt für eine Zukunft. Einen guten Entwicklungshelfer und Arzt hat Timäus gehabt, der so weitblickend war.

Die möglichen Koalitionäre werden Fachleute brauchen für das Machbare. Sollen sie doch mal den Frederick K. Day einladen; der wird ihnen zur Flüchtlingspolitik was Brauchbares erzählen.    

Pastor Walter Bartels