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Arbeit mit Frauen in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern

Andacht


Weihnachts- und Epiphaniaszeit

Euch ist heute der Heiland geboren!

Das Foto auf der Titelseite knipste ich während unseres Besuches der Sandskulpturen-Ausstellung in Binz auf Rügen Ende September im Rahmen unserer Stralsunder September-Schwestern-Rüste.
In diesem Jahr gab die Bibel den Künstler*innen die Anregungen für ihre Skulpturen. „Die Bibel. Ihre Geschichten und Gleichnisse“ lautete der Titel. Neben Adam und Eva, der Vertreibung aus dem Paradies, dem Turmbau zu Babel, der Flucht aus Ägypten waren auch Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt. „Hängengeblieben“ bin ich vor dem Stall von Bethlehem.  

Diese detailliert dargestellte Sandskulptur zog mich in ihren Bann: Der Stall mit Stern und zwei Engeln. Davor Alltagsgegenstände wie Krüge und Holzbündel. Eine Feldsteinmauer, die den nötigen Schutz vor äußeren Einflüssen bietet. Im Vordergrund sitzt Maria mit dem Kind im Arm. Dicht an ihrem Herzen ihr Kind. Joseph schaut, die Hände auf einen Stab gestützt, gelassen und entspannt auf die seinen. Ein Lamm steht Maria zu Füßen und blickt aufmerksam hinauf zu Mutter und Kind.

Mich bewegt diese Szene. Der Gedanke, dass Gottes Sohn mitten hinein in die Alltagswelt geboren ist, treibt mich um. Der Heiland wohnt in unserer Mitte. Nicht in einem Palast oder einer Kirche, sondern mitten in unserem Alltag, unserer Lebenssituation. Gott ist bei uns, wenn wir weinen und lachen, arbeiten und ausruhen, lieben und aneinander leiden, uns fragen, wie es weitergehen wird, und oft mehr Angst haben als Vertrauen.

Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

EUCH ist heute der Heiland ist geboren! Was für eine Botschaft! Der Messias, der Herr der Herrlichkeit, der Gerechte, der Helfer, der Wunderheld und Ewig-Vater, der Friedefürst „platzt“ mitten hinein in unser Leben und den Unfrieden auf der Welt!

Mit Jesu Lehre, seinem Leben und Sterben ist längst nicht alles gut und heil auf der Welt geworden. Im Gegenteil, seit 2000 Jahren „irren“ die Menschen durch ihre Zeit. Kriege, Hunger, Flucht, Hass, Gewalt, Ungerechtigkeit, Besserwisser*innentum ziehen um die Welt – und ich frage mich: Wie ist denn dann, mit dem Blick auf das Weihnachtsgeschehen, die Perspektive?

Sie zeichnet sich für mich ab auf dem „gezoomten“ und aus einem anderen Blickwinkel aufgenommenen Foto. Die sich daraus entwickelnde Aussage wurde von den Künstlern und Ausstellungsverantwortlichen nicht beabsichtigt.

Im Bildhintergrund sehen wir den Oberteil der letzten Skulptur der Ausstellung. Sie stellt die Himmelfahrt Jesu dar.

Beide Szenen mit einem Blick gesehen, bringen den gesamten Inhalt der Evangelien zusammen: Der zum Himmel auffahrende Christus blickt auf den Stall von Bethlehem, auf die Szene seiner Geburt! Er sieht sich in den Armen seiner Mutter geborgen und liebevoll umfasst.

Ein starkes Bild! Gerade in diesen Tagen. Wir gehen auf Weihnachtsfeiertage unter einem harten Lockdown zu. Wir werden verzichten und unser Feiern, auch unser Gottesdienst feiern, erheblich beschränken. Das alles ist in diesem Pandemie-Jahr nun mal so. Die Rheinländer*innen sagen: Et es wie et es (Sieh den Tatsachen ins Auge) und Et kütt wie et kütt (Habe keine Angst vor der Zukunft) Gott schenke uns diese rheinische Gelassenheit.
Meine Generation, für die der Strom immer aus der Steckdose kam und das warme Wasser aus dem Hahn, muss das erstmal erkennen, begreifen und ins Leben umsetzen. Das ist unsere Aufgabe. Den Generationen vor uns waren andere gestellt und den nachfolgenden stehen neue bevor.

Schließlich:
Die weiteren Aussichten sind tröstlich und Mut machend: Wir sehen auf den Stall von Bethlehem und zugleich zu dem gen Himmel auffahrenden, segnenden Christus und hören seine Botschaft: Ich bin bei euch alle Tage!
Petra Zulauf

Oberin der Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe Potsdam-Stralsund in der UEK e.V.


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