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Bildnis von Karl von Scheven, das im Sitzungssaal des Greifswalder Konsistoriums hängt
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Gedenken an Bischof Karl von Scheven
Greifswald (ran). Zu Beginn des zweiten Synodentages am 9. Oktober 2004 erinnerte Prof. Dr. Martin Onnasch an den ersten pommerschen Bischof, Karl von Scheven, der am 7. Oktober 1954 starb.
Karl von Scheven, der 1883 in Leopoldshagen geboren wurde, kam 1928 als Superintendent nach Greifswald und wurde Anfang Januar 1947 von Otto Dibelius im Greifswalder Dom in sein Bischofsamt eingeführt. Niemand anders als von Scheven mit seiner Vermittlungsgabe, so Onnasch, war besser geeignet, die von Flüchtlingsnot und Lebensangst geschüttelte Bevölkerung mit Umsicht und Zähigkeit zu sammeln. „Er ermutigte die Mitarbeiter in ihrem schweren dienst unter den Nachkriegsbedingungen in vorbildlicher Weise. Die Behebung des dramatischen Pfarrermangels lag ihm am Herzen, und mit dem Fahrrad legte der Präses und dann, auch der Bischof hunderte Kilometer zurück um die Dörfer zu besuchen.“
Von Scheven unterstützte Walter Liesenhoff – nach dem Verlust von etwa 80% der diakonischen Einrichtungen der pommerschen Kirche – im Aufbau der diakonischen Einrichtungen in Züssow; ebenso stand er hinter der Begründung der kirchlichen landwirtschaftlichen Betriebe auf eigenen Grund und Boden. Hatte er doch eigene landwirtschaftliche Erfahrung in seiner früheren Pfarrstelle in Pakulent, wo er Pferde, mehrere Kühe und Kleinvieh hielt. Bei seinem 70. Geburtstag gelang es ihm, von der Landesregierung die Zusage der Lieferung von vier Traktoren für die Kirchengüter zu erreichen.
In der Auseinandersetzung mit der sowjetischen Militäradministration besprach er aktuelle Konflikte mit den verantwortlichen Politikern bzw. der SMAD direkt. „Vielen Menschen – Bauern, Lehrern, Handwerkern, Wissenschaftlern, Schülern und Studenten.“ Von Scheven war kein Mann für öffentliche Konflikte, aber „in Fragen der Sonntagsheiligung waren er und die Räte im Konsistorium beharrlich und forderten den Schutz des Sonntags um der Menschen willen.“ Ebenso deutlich wurde er, etwa im Festgottesdienst der Bachwoche 1953, als er erklärte, wer die Junge Gemeinde und die Studentengemeinde angreife, greife die ganze Kirche an. Bischof von Scheven war ein gerne gehörter Prediger, der seiner Gemeinde „kräftiges Brot, aber keinen Kuchen“ gegeben habe, so Onnasch.
In seiner Dankrede zur Verleihung der Ehrendoktorwürde 1946 durch die Greifswalder Theologische Fakultät hat von Scheven übe die Aufgabe der Kirchenleitung nachgedacht. Dafür formulierte er vier Sätze:
„1. Zur Leitung einer Kirche gehört die tägliche Beherzigung des Prophetenwortes: Suchet das Beste des Gemeinwesens und betet für es zum Herrn, denn wenn es ihm wohl geht, so geht es euch wohl.
2. Zur Leitung einer Kirche gehört das Gefühl der Volksverbundenheit, denn eine Kirche ist nicht für eine Schicht oder einen Berufsstand da, sondern für alle...
3. Zur Leitung einer Kirche gehört der Weitblick in die Welt – die Gewißheit, daß das Reich Gottes nicht an die Grenzen eines Volkes gebunden ist...
4. Zur Leitung der Kirche gehört vor Allem: Theologische Klarheit aus dem Zeugnis der Bibel...“
Bischof Karl von Scheven wurde in seiner Abwesenheit im Konsistorium, so Prof. Onnasch, nie „Bischof“ genannt, sondern „einfach ,Onkel Karl’ – so, wie ihn Kinder nennen durften“. Die Gedenkrede schloß mit einem Blick auf die Wahrnehmung seines Bischofsamtes: „Ein Gedenken dieser Art ist nach den Worten des Kirchenvaters Hieronymus in der Dankbarkeit begründet, daß wir ihn gehabt haben. ... Jeder Bischof verwirklicht bestimmte Seiten seines Amtes in seiner Zeit in besonders glaubwürdiger Gestalt.“ (9.10.2004)

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