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Nr. 30 | 26. Juli 2015

8. SONNTAG NACH TRINITATIS

Ihr seid es!

Von Pastor Tilman Baier, Schwerin
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“

aus Matthäus 5, 13-16

Der alte Bauer war drastisch in seiner Sprache: „Pastoren sind wie Mist“ war einer seiner Sprüche. Dann griente er und setzte nach einer Pause fort: „Auf einem Haufen stinkt Mist gewaltig. Aber übers Land schön gleichmäßig verteilt, bringt er viel Frucht.“ Heute, da nicht nur die Pastoren in der Weite des Landes rarer geworden sind, ist es tröstlich, diesen Spruch auf alle Christenmenschen auszudehnen. Doch stimmt er auch?

Gottesdienste zu zweit oder zu dritt, in manchen Dörfern jetzt im Sommer keine Seltenheit, stehen zwar unter dem ausdrücklichen Segen Jesu. Es müssen nicht, wie bei der jüdischen Gemeinde, mindestens zehn religionsmündige Männer sein, bevor das gemeinsame Gotteslob starten darf. Doch die Sehnsucht, auch einmal wieder in einer vollen Kirche zu singen und zu beten, ist ja nicht so absonderlich. Sonst werden bald aus dreien erst einer und dann keiner.

Doch da sind noch diese Worte, die Jesus vor einer großen Menge auf einem Berg am See Genezareth predigt: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Jesus würdigt die Sehnsucht dieses zusammengelaufenen Haufens nach Erfüllung, jenseits ihres Alltags. Sagt er doch nicht: „Ihr sollt das Salz der Erde sein.“ Er sagt: „Ihr seid es.“ Salz, ungeheuer kostbar damals, nicht nur, um faden Speisen Geschmack zu geben. Salz, unerlässlich, um Lebensmittel haltbar zu machen. Salz, überlebenswichtig für den Körper – in der richtigen Dosierung.

„Ohne euch“, so lassen sich Jesu Worte deuten, „wäre die Welt fade, verfault, aus dem Glei chgewicht.“ Doch dann mahnt er: Wenn das Salz nicht mehr salzt, dann wird es weggeschüttet. Werdet nicht taub und dumpf. Bleibt wach und sehnsüchtig. Doch Salz kann auch nicht wirken, wenn es, zwar trocken und mit vollem Potenzial, in einer Dose verschlossen ist. Es ist dazu bestimmt, in zarter Dosierung benutzt zu werden.

Die neue Mitgliederstatistik sieht nicht gut aus für die Nordkirche. Die Sorge, dass „die Kirche“ immer weniger präsent ist, wächst. Um so mehr gilt jedem Christen in seinem Alltag jenseits des „Haufens“: Ihr seid das Salz ...