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Nr. 30 | 27. Juli 2014

Angemerkt

Zuerst Seelsorge

Mit seinem Bekenntnis, notfalls auch gegen seine eigene Überzeugung seiner Frau in der Schweiz bei der Sterbehilfe beizustehen, setzt der scheidende Ratsvorsitzende der EKD wieder einmal die Seelsorge an die erste Stelle. So wie schon in der Debatte um die Präimplantationsdiagnostik, wo Nikolaus Schneider einst forderte...

6. Sonntag nach Trinitatis

Lebendige Steine

Von Eberhard Erdmann, Neustrelitz
Da ist Christus, ein Stein, den
die Menschen weggeworfen
haben und den Gott aufhob,
weil er von erlesener
Kostbarkeit ist. Nun seid auch
ihr wie lebendige Steine.
Lasst euch einbauen in das
geistliche Haus.
1. Petrus 2, 4-5 (nach Jörg Zink)


In MV stehen viele Kirchen, die ältesten fast 1000 Jahren alt. Zumeist sind nur noch Fundamente vorhanden, auf denen neue Bauten errichtet wurden. Große Natursteine, in den verschiedenen Perioden der letzten Eiszeit unregelmäßig über das Land verteilt, manche unbearbeitet, aber passgerecht in diese Grundmauern eingefügt. Andere weisen Bearbeitungsspuren auf. Besonders beeindruckend wirken die wuchtigen Ecksteine, die die Last starker Mauern und hoher Türme tragen, seit Jahrhunderten. Wenn diese Steine erzählen könnten, wo sie herkamen, von Norden in Gerölllawinen über Jahrtausende transportiert, wie sie planlos in der Gegend herumlagen, auf dem Acker ein Ärgernis für die Bauern, auf kaum gebahnten Wegen ein Hindernis – Steine des Anstoßes.

Ein beeindruckendes Bild für Christus und seine Gemeinde – der Bau aus vielen verschiedenen Steinen und einem, auf dem das Ganze ruht.
Entspricht unsere Kirche, die Gesamtheit von Gemeinde mit allen ihren Ausprägungen, diesem Bild? Steht sie vollständig auf dem Grund, auf dem sie erbaut wurde? Und die einzelnen ‘Steine’ – Gruppen, Institutionen, Menschen, Formen – sind sie lebendig?
Sind sie noch ‘eingebaut’ oder führen sie schon ein Eigenleben?

Haben Gruppierungen, Einzelne schon den Grundsatz verlassen, dass es in diesem ‘geistlichen Haus’ keine Weltrangliste (wie beim Fußball) der ‘Best-Glaubenden’ gibt und alle Erkenntnisse, Einsichten, Überzeugungen letztlich nur g e m e i n s a m auf den zulaufen können, den ‘Gott aufhob, weil er von erlesener Kostbarkeit ist’?

Dieser Sonntag erinnert an die Taufe, ein geeigneter Anlass, uns auf den Grund unseres Glaubens zu besinnen, mit diesen oder ähnlichen Fragen.