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Nr. 04 | 25. Januar 2015

LETZTER SONNTAG NACH EPIPHANIAS

Höhepunkte

Von Tilman Baier, Gadebusch
„Herr, hier ist es gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten machen...“

Matthäus 17,4

Eine Hochzeit! Sieben Tage lang feiern. Hier lassen wir es uns wohlsein. Willkommen!

Was bewegt immer wieder Menschen, Berge zu erklimmen? Wohl weil dort oben dir die Welt zu Füßen liegt und du dem Himmel ein Stück näher bist. Vergessen sind Anstrengungen und Atemnot, wenn dein Blick dann bis zum Horizont schweifen kann...

Nicht umsonst kennen die meisten Religionen Berge als heilige Orte, bauten dort Tempel und Kirchen, um Gott näher zu sein. Und auch die Evangelien berichten mehrmals davon, dass sich Jesus aufmacht, um mit seinen engsten Anhängern Berge zu erklimmen. Heraus aus dem Alltag, weg von dem, was dich herunterzieht und deine Seele gefangen hält. Oben wirst du freier atmen können, wirst freiere Gedanken haben. Deine Seele wird sein, als hättest du Flügel. Du kannst zurückblicken auf das Woher und wirst das Wohin ahnen können.

Matthäus erzählt, dass die Jünger bei einem solchen Bergaufstieg dies erleben. Plötzlich ist die Geschichte Gottes mit den Menschen greifbar: Die Urväter des Glaubens, vor langer Zeit gestorben, sind plötzlich an ihrer Seite. Petrus ist begeistert, so wie wir begeistert sind von Augenblicken, in denen alle Irrungen und Wirrungen sich auflösen und du in deinem Lebensweg einen Sinn erahnst. Hier will er bleiben, will Hütten bauen für die heiligen Männer, diesen Augenblick festhalten.

Doch auf Dauer sind wir solchen Höhepunkten nicht gewachsen. Als der Himmel ganz nahe kommt, als Gott selbst sich zu Wort meldet, erschrecken die Jünger und fallen nieder, so erzählt Matthäus. „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. Den sollt ihr hören.“

Aber waren sie nicht aufgebrochen zum Gipfel, um Gott nahe zu sein? Und jetzt werden sie an ihren Meister verwiesen?! Heißt das, dass Gott in diesem Jesus schon immer bei ihnen war, auch in den Niederungen des Alltäglichen? Jesus jedenfalls, so erzählt Matthäus weiter, führt die Jünger wieder vom Berg herunter, mitten in den Staub der Ebene, in den Alltag. Denn dort ist ihr Platz. Doch sie kehren zurück als Veränderte...