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Nr. 39 | 28. September 2014

15. Sonntag nach Trinitatis

Sehnsucht im Herzen

Von Annemargret Pilgrim, Barth
„Da machte Gott
der Herr den Menschen
aus Erde vom Acker
und blies ihm den Odem
des Lebens in seine Nase…“
1. Mose 2,7a + 8

Manchmal habe ich die Sehnsucht, noch einmal ganz von vorn anzufangen. Noch einmal zurückzukehren in die Zeiten der Unschuld. Das eigene Leben noch einmal wie ein leeres Buch aufzublättern.

Die Menschen vor uns haben sich Gedanken darüber gemacht, wie alles anfing mit Gott und den Menschen. Zwei Schöpfungsberichte sind uns dazu im Alten Testament überliefert. Hier handelt es sich um den Anfang des älteren Berichtes.

Er beginnt mit einer Zustandsbeschreibung. Nichts war auf der Erde. Keine Pflanze, kein Tier, kein Mensch. Gott machte Himmel und Erde. Dann macht Gott den Menschen, aus Erde, und bläst ihm den Lebensatem ein. Seinen göttlichen Atem. Dann pflanzt Gott den Garten Eden, in den er den Menschen setzt. Das Paradies!

Das Bild für den Urzustand zwischen Gott und Mensch. Der Zustand in aller Unschuld, Harmonie und Gemeinsamkeit. Dann kommen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen dazu.

Der bibelfeste Leser weiß: Die Geschichte zwischen Gott und Mensch wird ihren verhängnisvollen Lauf nehmen. Der paradiesische Anfang ist nicht von langer Dauer. Weil der Mensch sein will wie Gott. Und doch bleibt diese Sehnsucht nach dem Paradies in uns lebendig. Nach der heilen Welt, in der noch alles möglich ist.

Nach einer Welt ohne Krieg, Verrat, Missgunst und Hass. Wo Gottes gute Schöpfung nicht mehr bedroht ist. Wo wir als Schwestern und Brüder einig und friedlich vor Gott leben können. Ich meine, diese Sehnsucht hat Gott uns ins Herz gelegt. Weil sie uns umtreibt und anspornt, uns dafür einzusetzen, dass unsere eine Welt heiler und heller wird. Schließlich ist Gottes Atem in uns.

Der Odem des Lebens. Wir können uns ihm würdig erweisen. Als seine Geschöpfe.