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Nr. 09 | 01. März 2015

ZUM SONNTAG REMINISZERE

Geliehen

Von Klaus Kuske, Pastor in Schwerin-Lankow
„Die Pächter sagten untereinander: Das ist der Erbe! Wir bringen ihn um, dann gehört der Weinberg uns!“

Markus 12,7

Beim Zappen blieb ich bei einem der Verkaufssender hängen. Ein wunderbarer Nachthimmel leuchtete mir entgegen, dazu kam eine Stimme aus dem Off: „Viele von diesen Sternen haben noch keinen Besitzer. Sichern Sie sich die Rechte! Überweisen Sie an...“ Der Name des Besitzers, so das Versprechen, werde auf amtlichen Sternkarten verzeichnet sein. Doch den Stern wird es nicht stören. Er wird unberührt davon, dass er nun Enrico Müller oder anders heißt, seine Bahn ziehen.

Es ist klar: Das Ganze ist nicht mehr als ein Werbe-Gag. Denn wem gehört das Universum? Gott, sagen die meisten Religionen und damit die überwiegende Mehrheit der Menschen. Nicht mehr ganz so klar scheint dieses Eigentumsrecht Gottes auf der Erde zu sein. Konzerne haben sich die „Schöpfer“-Rechte an genmanipulierten Pfl anzen gesichert. Nun sind bereits Teile des menschlichen Erbgutes im Blick. Das ist nicht nur der Versuch, die Leibeigenschaft mit anderen Mitteln wieder einzuführen, – das ist atheistischer als jede noch so radikale Religionskritik. Und die Mahner, die es wagen, gegen den gängigen Missbrauch zu protestieren, werden verlacht oder zum Schweigen gebracht.

Auch in der Gemeinde Gottes hat es immer wieder zu schlimmen Folgen geführt, wenn einige meinten, dass Gottes Botschaft ihr Eigentum sei. Wenn ihnen nur noch wichtig war, dass der religiöse Betrieb funktionierte, der ihnen Macht gab. Oder wenn einige wähnten, dass ihr Bild, das sie sich von Gott gemacht hatten, das allein richtige sei. Und sie sich das Recht herausnahmen, ihren Glauben, ihre Ideologie mit Gewalt durchzusetzen – wenn nötig auch gegen Gottes Widerspruch oder zumindest gegen seine Boten.

Sie alle maßten und maßen sich ein Eigentumsrecht an dem an, was ihnen doch nicht gehört, sondern nur auf Zeit und mit einer Gebrauchsanweisung verliehen wurde – einer Gebrauchsanweisung, deren erste Sätze heißen: Der Schöpfer der Welt überreicht dir das alles, weil er dich liebt. Erweise dich dieser Liebe würdig und gib sie durch das, was du damit und daraus machst, weiter.