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Nr. 51/52 | 21. Dezember 2014

VIERTER SONNTAG IM ADVENT

Marias Lobgesang

Von Gerd Panknin, Demmin
„Meine Seele erhebt den
Herrn, und mein Geist
freut sich Gottes, meines
Heilandes.“
Lukas Evangelium 1, 46-55

In wenigen Tagen ist Heiligabend. Überall singt es: Auf den Weihnachtsmärkten „Alle Jahre wieder“ und in unseren Kirchen das Weihnachtsoratorium. Es sind die alten Lieder und Melodien, die uns auf die Geburt Christi zuführen. Auch am 4. Advent wird in unseren Kirchen ein Lied angestimmt. Es ist eines der größten, tiefsten und schönsten Lieder, das uns im Neuen Testament überliefert wird. Die schwangere Maria singt dieses Lied ihrer Cousine Elisabeth „Meine Seele preist den Herrn“.

Nicht Bachs große Kantate zu den Worten des Lukas-Evangeliums klingt zuerst in mir an. Vielmehr sitze ich an einem Freitagabend in einer unserer Neubaukirchen zu einer Taize-Andacht. Eine kleine Runde, die sich dort an jedem Wochenende trifft und in sehr schlichter und einfacher Weise ihr „Magnifi cat anima mea Dominum“ singt und betet. Der Lobgesang wächst, wird groß und größer und hebt uns, die wir auf dem Fußboden hocken bleiben, dennoch empor, dem Himmel ein Stück näher. Vielleicht ist es den beiden schwangeren Frauen genauso gegangen. Dabei war wenigstens Maria überhaupt nicht zum Singen zumute, als ihr der Engel Gabriel die Geburt eines Gotteskindes ankündigte. Erst der Gruß der Elisabeth schenkt ihr selbst die weihnachtliche Vorfreude auf ihr Kind. So kann sich Maria hineinsingen in diese Freude und in die Jahrhunderte alte Hoffnung und Sehnsucht ihres Volkes Israel. Diese Hoffnung wird zur Hoffnung der ganzen Welt und zu unserer Hoffnung. Maria singt gegen allen Augenschein, sie singt sich in die neue Wirklichkeit hinein, die Gott mit diesem Kind anbrechen lassen wird.

Es ist eine Wirklichkeit, die das Unterste zuoberst kehrt, die die Macht der Mächtigen anfragt und den Blick und das Herz auf die lenkt, die ganz unten sind. Es ist eine Wirklichkeit, die Menschen hineinnimmt und sie weder auf Straßendemos noch an der eigenen Haustür ausgrenzt. Das Lied der Maria erzählt von der Sehnsucht und dem Hunger nach Leben und von Jesus Christus, der uns zu denen führt, die seine Barmherzigkeit brauchen. Dabei sind wir in jedem Fall zuallererst die, denen selbst diese Barmherzigkeit Gottes zugesprochen wird. Im Geben und Nehmen können wir in Vorfreude miteinander singen: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ Uns allen eine gesegnete Festzeit.