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Liebe Leser, wir sind neugierig auf Ihre Gedanken zum Jahreswechsel. Bitte verraten Sie uns:

1.    Was war Ihr schönstes, lustigstes oder bewegendstes Erlebnis 2014?
2.    Was wäre besser nie passiert?
3.    Was wollen Sie rüber retten ins neue Jahr?

Wir veröffentlichen Ihre Antworten in unserer Neujahrsausgabe (die Redaktion behält sich Auswahl und Kürzung vor). Bitte schicken Sie Ihre Zeilen als Antwort auf eine, zwei oder alle drei Fragen spätestens bis zum Donnerstag, 18. Dezember, per E-Mail an redaktion-greifswaldkirchenzeitung-mv.de oder per Post an: Kirchenzeitung MV, Domstraße 23/24, 17489 Greifswald - mit Ihrem vollständigem Namen und Wohnort im Absender. Vielen Dank!



Nr. 50 | 14. Dezember 2014

3. Sonntag im Advent

Sich einlassen

Von Tilman Baier, Gadebusch
Bist du es,
der da kommen soll,
oder sollen wir
auf einen anderen
warten?
Matthäus 11,3

Jahrelang hatte sie auf den „Richtigen“ gewartet. Bei ihrem ersten Freund waren es noch die Eltern gewesen, die an ihm herummäkelten. Damals war sie eine gehorsame Tochter und löste das Verhältnis. Später dann war ihr kein Mann, dem sie begegnete, vollkommen genug, um sich auf ein Leben mit ihm einzulassen. Sie habe ein Ideal im Kopf gehabt, erzählt sie mir, von dem sie nicht lassen konnte. Mit den Jahren wurde dieses Ideal immer größer und damit die Auswahl immer kleiner. Bis sie sich damit abgefunden hatte, allein zu leben.

Ja, es gibt sie, die Konsequenten, die sich nur mit dem Vollkommenen zufrieden geben und sonst lieber verzichten – bei der Wahl ihres Partners, ihres Lebenszieles oder ihres Glaubens. Einer von ihnen ist der Bußprediger Johannes, von dem traditionell an diesem dritten Adventssonntag die Rede ist. Johannes hat sich aus dem bürgerlichen Leben der Kompromisse verabschiedet. In der Wüste bereitet er sich durch Fasten und Beten auf das Kommen des Messias vor. Und er ruft andere zum gleichen Tun auf – bis er ein Ärgernis wird und im Kerker landet.

Hier hört er von einem herumziehenden Wanderprediger, von dem die Menschen erzählen, dieser sei der Erhoffte. Soll er das glauben? Oder doch lieber darauf warten, dass der Gesandte Gottes mit Macht und Glanz kommen wird und das Unterste nach oben kehrt?

Johannes lässt es darauf ankommen. Er lässt diesen Jesus fragen: Bist du der versprochene Messias? Und lässt sich damit trotz aller Bedenken auf Jesus ein.

Erst mit über fünfzig, so erzählt mir die Frau, hatte sie dann ihren heutigen Mann kennengelernt. Nein, es war keine Liebe auf den ersten Blick, eher eine Vernunftpartnerschaft im Blick auf das kommende Alter. Noch heute wundere sie sich; ihr Mann entspräche doch überhaupt nicht ihrem Traumprinzen von einst. Aber ein anderer Mensch ließe sich eben erst beurteilen, wenn man sich auf ihn einließe. Das sei ein bisschen so wie mit Gott, sagt sie und lächelt.