Nach oben


Nr. 37 | 14. September 2014

13. Sonntag nach Trinitatis

Gemeindeaufbau

Von Thomas Kretschmann, Laage
In dieser Zeit wuchs die
Gemeinde unaufhörlich.
Apostelgeschichte 6,1

Mitarbeiter werden gesucht, weil die zwölf überfordert sind, einen Streit bei der Verteilung von Lebensmitteln zu schlichten. Und es finden sich sogleich sieben Gottesfürchtige. So schnell kann’s gehen.

Man mag sich an das Murren Israels erinnern. Mose sprach: „Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen.“ Gar 70 Männer soll er rufen. Auch das – kein Problem. Bezeichnender Weise ging’s auch hier ums Essen. Was so banal wirkt, scheint tiefen Sinn zu haben. Gemeinschaftliches Mahl in einem geistlich-fürsorgenden Kontext – uns wiederum an das Brotbrechen Christi erinnernd – Sattwerden an Leib und Seele.

„Das entstehende Christentum suchte seine Gestalt nicht in der Schaffung neuer Kulträume. Seine ersten Spuren sind weder Sakralarchitekturen noch Riten der Abgrenzung. Das frühe Christentum holte seine Kraft aus der Alltäglichkeit des Essens und Trinkens, des Waschens, der Geselligkeit. Es schuf keine Sonderwelten sondern setzte das einfache Leben in einen neuen Zusammenhang.“ (Christian Lehnert, Korinthische Brocken, Suhrkamp 2013 S. 29)

Bemerkenswert. In der Wüste reicht ein Zelt, das Urchristentum begegnet sich in Privathäusern. Freiraum für leibliche und geistliche Sättigung. Während wir die Lasten und Schönheiten von Gebäuden und Traditionen pflegen, geschieht dort Gemeindeaufbau, in der Einfachheit, im alltäglich Nötigen.

Sollte die Teilnehmerzahl bei unseren 17-Uhr-Gottesdiensten 3mal höher sein, weil es im Anschluss ein Abendessen gibt, also eine Gemeinschaft, in der die frohe Botschaft spürbar nachund weiterwirken kann?

Gottesdienstliche Mahlgemeinschaft als Leib- und Seelsorge ohne theologische Spitzfindigkeiten und Abgrenzungen, Traditionalismus und Ämterstreitigkeiten – das Rezept für gelingenden Gemeindeaufbau?

Vielleicht hilft das Reformationsjubiläum und dieses dynamische Bild der wachsenden urchristlichen Gemeinde, Gemeindeaufbau neu zu entdecken.