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Evangelisches Wochenblatt für Mecklenburg und Vorpommern Nr. 16 | 69. Jahrgang
20. April 2014




Auferstehung. Loka H. Rißmann. Der 60-jährige Künstler lebt und arbeitet in Prieseck/Clenze im benachbarten Wendland.
Farben fließen aufwärts, steigen in den Himmel.
Aus der Glut – Hölle oder Morgenrot?
- kommen Menschen wie Schatten,
heben die Arme in weißes Licht.
Tod, wo ist dein Sieg?
Tod, wo ist dein Stachel?
Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt
durch unsern Herrn Jesus Christus!

Martin Vorländer


Wir wünschen allen
Leserinnen und Lesern
ein gesegnetes
Osterfest 2014!

Redaktion und Verlag der
Mecklenburgischen & Pommerschen
Kirchenzeitung






Ältere Artikel


Kirchliche Friedhöfe sind viel mehr als nur eine Last

Ort für Trauer und Oster-Hoffnung

13.04.2014 ǀ Schwerin.  Sie liegen oft idyllisch und erzählen mit ihren Grabmalen Familien und Ortsgeschichte. Friedhöfe sind Orte, an denen Menschen ihrer Trauer Raum geben können und wo Grabinschriften von der christlichen Auferstehungshoffnung erzählen.



































Fest der Auferstehung

Von Tilman Baier, Gadebusch
Nun aber ist Christus
auferstanden von
den Toten als Erstling
unter denen, die
entschlafen sind.
1. Korinther 15,20


Frühling
am Kreuz


Das große Metallkreuz auf dem Alten Friedhof in Schwerin gehört zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen. Ich kann mich nicht entsinnen, dass der tote Mann, der daran hing, mir je Angst gemacht hätte. Er gehörte an diesen Platz hinter dem Rasenrondell ebenso wie das Grab dicht daneben, zu dem wir so oft gingen. Nein, ich kann mich nicht erinnern, dass ich traurig war wie die Erwachsenen, auch wenn es das Grab meiner Mutter war. Sie war so früh gestorben, dass ich keine bewussten Erinnerungen hatte. Dafür erinnere ich mich, dass ich zwischen Grab und Kreuz fröhlich hin- und herlief, her und hin, wenn es mir wieder einmal zu lange dauerte, wie die Großen in trauriger Erinnerung dort standen.

Das Grab – es gehörte für mich eben dorthin wie das Kreuz. Tod – das war die Erzählung von einem Menschen, der weit weg gereist war und doch irgendwie gegenwärtig war. Erst später dämmerte es mir, was für Orte diese beiden sind – Kreuz und Grab. Wo du lernen musst, Menschen loszulassen, die dir viel bedeuteten. Wo du fragst, was eigentlich von dir selbst bleiben wird und wo es hingeht mit dir. Wo du fragst, was das denn für ein Gott ist, der da tot am Kreuz hängt und nicht allmächtig die Geschicke der Welt lenkt. Wo du fragst, wozu denn dieser Glaube gut sein soll... Fragen, die immer einmal wieder aufbrechen und die Sehnsucht wecken nach dem Kindervertrauen damals: dass alles schon seine Ordnung hat und am richtigen Platz ist.

Wenn ich heute an dem Grabstein meiner Mutter stehe, hilft mir der Satz, den mein Vater darauf meißeln ließ: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten...“ Und ich erinnere mich wieder an mein kindliches Hin- und Herlaufen zwischen diesem Stein und dem Kreuz. Ja, so leben wir: Zwischen Freude und Verzweiflung, zwischen Tod und Auferstehen. Und überall ist dieser Gott schon da, in der Trauer und in der Hoffnung. Vielleicht habe ich dieses Rondell am Kreuz dort darum als Frühlingswiese in Erinnerung.