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Haus der Kirche Güstrow


Sibrand Siegert

Sibrand Siegert wurde am 18.12.1890 in Rostock geboren. Er war verheiratet mit Gertrud Heidensleben, sie hatten 6 Kinder. 1919 wurde Sibrand Siegert Pfarrverweser in Alt Garz (heute Rerik), 1921 begann er seinen Dienst an der Pfarrkirche zu Güstrow. Von 1926 bis 1936 war er gleichzeitig Garnisonsprediger in Güstrow.

In Pastor Sibrand Siegert hatte die Pfarrgemeinde einen tatkräftigen und für die Wahrheit des Glaubens kämpfenden Seelsorger. Mit großem organisatorischen Geschick und Verhandlungssinn engagierte er sich in der Sozialarbeit. Im Gemeindehaus im Grünen Winkel 10 richtete er ein Lehrlings- und Gesellenwohnheim, eine Werk- und Nähstube im Rahmen des freiwilligen Arbeitsdienstes ein. Er gründete die kirchliche Nothilfe und wurde Vorsitzender des Kinderkostheimverbandes.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erreichte die weltanschauliche Auseinandersetzung ihren Höhepunkt. Die Deutschen Christen wollten den nationalsozialistischen Geist in die Kirchen tragen, das Evangelium verkürzen und verfälschen.

Am 6. Dezember 1933 fand im Güstrower Dom ein Gottesdienst statt, in dem sich die Gemeinde zur Kirche Jesu Christi bekannte, später das "Güstrower Bekenntnis" genannt. In der Folge wurden Pastoren, die sich zur "bekennenden Kirche" hielten, mundtot gemacht oder ihres Amtes enthoben, aber die bekenntnistreuen Gemeindemitglieder und Pastoren begannen sich im Gemeindehaus im Grünen Winkel zu sammeln, ihre führende Persönlichkeit wurde Pastor Sibrand Siegert. Noch konnte Pastor Siegert Gottesdienste in der Pfarrkirche halten, gegen alle Widerstände der Nationalsozialisten und trotz der Auseinandersetzungen mit dem DC-Oberkirchenrat.

1935 wurde über ihn von der Politischen Polizei ein Redeverbot außerhalb des Amtes verhängt, das nach 4 Monaten wieder aufgehoben wurde. Immer wieder wurde seitens der DC -Anhänger versucht, Pastor Siegert zu "disziplinieren", aber die Mehrheit seines Kirchgemeinderates setzte sich für ihn beim Oberkirchenrat ein. Trotzdem kam es 1936 infolge der dramatischen Vorgänge des verbotenen Gottesdienstes zum Reformationsfest zu einem Disziplinarverfahren, das mit seiner Suspendierung durch den DC-Oberkirchenrat endete. Aber Sibrand Siegert ließ sich nicht mundtot machen, er amtierte weiter und hielt seine Gottesdienste im Gemeindehaus im Grünen Winkel 10, setzte sein Wirken von dort aus fort. Im Oktober 1938 wurde das Disziplinarverfahren aufgehoben und Pastor Siegert konnte wieder in die Pfarrkirche zurückkehren. 1940 wurde Sibrand Siegert zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Entlassung Anfang 1945 nahm er seinen seelsorgerlichen Dienst sofort wieder auf.

1945 war Sibrand Siegert beteiligt an der Rettung der Stadt Güstrow vor der Zerstörung durch die herannahenden Truppen der Sowjetarmee, indem er mit beherzten Männern wie Dr. Krasemann, General a. D. Ulex und Stadtbaurat Richter die kampflose Übergabe von Güstrow ermöglichte. Bereits am 3.Tag nach der Besetzung Güstrows wurde der 1.Gottesdienst in der Pfarrkirche von Pastor Siegert gehalten. Im Sommer 1945 wurde er Landessuperintendent des Güstrower Kirchenkreises, die Landessynode wählte ihn zum Vizepräsidenten. Mit unermüdlicher Kraft arbeitete er am Wiederaufbau des kirchlichen Lebens. Er initiierte und unterstützte u.a. landeskirchliche Großveranstaltungen, die aufgrund der zentralen Lage und der unzerstörten Kirchen in Güstrow stattfinden konnten, wie das Landeskirchenmusikfest oder der Landesjugendsonntag. Immer wieder wurde Pastor Siegert nach seinen Erfahrungen gefragt und um Rat gebeten. Am 14.September 1954 wurde Sibrand Siegert heimgerufen. Um sein Vermächtnis weiterzugeben und das Gedächtnis an ihn wach zuhalten wurde das Gemeindehaus im Grünen Winkel 10, das heutige Haus der Kirche, nach seinem Namen benannt.