Erstes Institut für Evangelisationsforschung in Greifswald eröffnet
Greifswald (epd/ran). „Aufbrechen oder untergehen“ unter diesem Titel wurde mit einem Vortrag des katholischen Wiener Professors Paul Zulehner Deutschlands erstes evangelisches „Institut zur Erforschung von Evangelistation und Gemeindeentwicklung“ am Donnerstagabend an der Greifswalder Universität offiziell eröffnet. Zulehner betonte, daß wir uns von einer „kulturgestützten zu einer persongestützten Christlichkeit“ entwickeln würden. Das eigene Ja zum Glauben und das Reden davon werde der Reichtum der Kirchen sein. Zulehner stellte fest, daß „trotz hartnäckiger Säkularisierungsprognosen heute aus Säkularisierung Spiritualität“ erwachse. Er warb um Verständnis für die spirituell Suchenden und kritisierte, daß der verbreitete Umgang mit ihnen und deren Gemeinschaften tendenziös sei und den Betroffenen nur selten gerecht werde. Hinsichtlich der Einsparungen riet er, daß, wenn man 15% einsparen müsse, dann solle man 30% einsparen und mit den dadurch gewonnenen Mitteln neue Projekte finanzieren, etwa eine Jugendkirche, Bildungsprogramme, neue diakonische Projekte und die Medienarbeit.
Das Greifswalder Institut will sich vor allem der empirischen Erforschung der religiösen Landschaft und historischen Fragestellungen zu Volksmission und Gemeindeentwicklung widmen. Geplant seien aber auch Beratungsangebote für Gemeinden etwa zur Einführung neuer Gottesdienstformen, erläuterte Direktor Michael Herbst dem epd.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen bei den Kirchen in ganz Deutschland seien Fragen von Mission und Gemeindeaufbau von großer Bedeutung, sagte der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit zur Eröffnung. Er freue sich daher, dass außer der pommerschen Kirche auch die beiden westdeutschen Landeskirchen von Baden und Württemberg Mitarbeiterstellen an der Einrichtung finanzierten. Neben der Forschungsarbeit sei vor allem die Entwicklung von Modellen für eine missionarische Ausrichtung der Arbeit von Kirchengemeinden und Pfarrern wichtig.
Träger der Einrichtung sind die pommersche Kirche und die Arbeitsgemeinschaft für missionarische Dienste in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Leitung haben die beiden Greifswalder Professoren für Praktische Theologie, Jörg Ohlemacher und Michael Herbst. Das Institut wurde mit einem Symposium über "Missionarische Perspektiven für die Kirche der Zukunft" eröffnet. Theologen und Kirchenvertreter aus Deutschland, Österreich, Ungarn und den USA wollen in den nächsten zwei Tagen über die Zukunftsfähigkeit deutscher Kirchengemeinden diskutieren. (06.05.2004)

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