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Aktionstag zum Fairen Handel in MV

Zukunftsgerecht einkaufen

Von Marion Wulf-Nixdorf

Wie gestalte ich einen Stand mit Produkten aus Fairem Handel so, dass Menschen sich angelockt fühlen, stehen bleiben und einkaufen? Die Teilnehmerinnen probierten es unter fachkundiger Anleitung aus.
09.04.2017 ǀ Ribnitz.  Die Fair-Handels-Bewegung in Deutschland war 1970 aus Protest gegen die wachsende Ungerechtigkeit im Welthandel mit den „Hungermärschen“ entstanden. Im Osten wurden nach der Friedlichen Revolution die ersten (Eine-)Welt-Läden gegründet. Der erste in Mecklenburg öffnete im Dezember 1990. Inzwischen gibt es zehn Weltläden in MV. Auch in vielen Kirchengemeinden wird mittlerweile fairer Kaffee getrunken, und es gibt Fair-Handels-Stände. Beim Aktionstag in Ribnitz ging es darum, wie Gemeinden ihr Engagement ausbauen könnten.

Drei von hundert getrunkenen Tassen Kaffee sind fair gehandelt. Und zehn von hundert Bananen. Da ist noch viel Luft nach oben. Beim ersten fair gehandelten Kaffee, unter anderem aus Nicaragua, ging es eher um Solidarität mit den Kaffeebauern als um guten Geschmack. Inzwischen gibt es viele verschiedene Sorten fair gehandelten Kaffee, Tee, Schokolade und andere Lebensmittel in hoher Qualität. Da kann jeder etwas nach seinem Geschmack finden – und mit dem Genuss Perspektiven für die Produzenten im globalen Süden schaffen.

Davon konnten sich Interessierte aus Kirchengemeinden in Mecklenburg- Vorpommern – wie zum Beispiel aus Barth, Rostock, Garz, Güstrow, Pasewalk und Hohen Sprenz – am Sonnabend vor einer Woche bei einem Aktionstag in der Ribnitzer Marienkirche überzeugen. Dazu eingeladen hatte die Ökumenischen Arbeitsstellen in Mecklenburg und Pommern zusammen mit der Fair-Handels-Beratung MV.

Seit mehr als 40 Jahren setzt sich der Faire Handel für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Produzenten im Asien, Afrika und Lateinamerika ein. Zu seinen Leistungen gehören unter anderem faire Preise, langfristige und partnerschaftliche Handelsbeziehungen, die Stärkung der Produzenten- Organisationen sowie die Förderung des Umweltschutzes.

Der Faire Handel ist mehr als ein fairer Preis

„Der Faire Handel ist mehr als der faire Preis!“ betonte die Fair-Handels- Beraterin für Mecklenburg-Vorpommern, Andrea Kiep aus Rostock. Und sie erklärte in ihrem Einstiegsreferat, woran Konsumenten fair gehandelte Waren erkennen können. Die Produkte in Weltläden stammen von Importorganisationen, die ausschließlich fair handeln. Hier ist die ganze Vielfalt zu finden von leckeren Lebensmitteln bis hin zu praktischen Gebrauchsgegenständen.

Das Fairtrade-Siegel ist das Erkennungszeichen für fair gehandelte Waren in Supermärkten. In Naturkostläden taucht inzwischen immer häufiger die Naturland-Fair-Zertifizierung auf, die für bio-faire Produkte steht. Lutz Heiden vom Fair-Handels- Haus GEPA in Berlin ließ die rund ein Dutzend Teilnehmerinnen der Veranstaltung verschiedene Kaffees und Tees verkosten. Zudem gab er interessante Hintergrundinformationen und Wissenswertes zum Einsatz der Produkte im Kirchenalltag.

Beim Workshop mit Katharina Utzolino vom Süd-Nord-Kontor aus Hamburg ging es um die Gestaltung von attraktiven Ständen mit fair gehandelten Snacks und Handwerklichem. Da konnten die Anwesenden manch guten Tipp mit nach Hause nehmen. Eine Sammlung von konkreten Aktionsideen schloss die Veranstaltung ab.

Eine gebürtige Rostockerin, die in Leipzig studiert, möchte nun eine sogenannte Eine-Welt-Kiste in ihrem Evangelischen Studienhaus einführen. „Auch das neue Projekt ÖkoFaire Gemeinde der Nordkirche ist ein guter Anknüpfungspunkt für Kirchengemeinden, sich ganz praktisch für eine gerechtere Welt einzusetzen“, sagt Änne Lange von der Ökumenischen Arbeitsstelle in Rostock.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 14/2017