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Pommersche Kirchenkreissynode

Zoff um Abromeits Amtszeit

Von Sybille Marx

Bei vielen Punkten waren sich die Kreissynodalen schnell einig, an der Amtszeitverlängerung dagegen schieden sich die Geister.
03.11.2013 ǀ Greifswald.  Er schlug auf der Pommerschen Kreissynode ein wie ein Blitz: der Antrag eines Synodalen, die Unklarheiten um die Amtszeitverlängerung von Bischof Abromeit ein für alle mal auszuräumen. Die Mehrheit lehnte aber ab.

Mit bebender Stimme spricht Konrad Glöckner ins Mikrophon. Er habe lange nachgedacht, sagt der Synodale von Hiddensee vor der Pommerschen Kreissynode am vergangenen Sonnabend in Züssow: „Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass die Glaubhaftigkeit von Person und Amt des Bischofs beschädigt ist, wenn die Zweifel um seine Amtszeitverlängerung nicht endlich ausgeräumt werden.“ Der Fall sei im August erneut durch die Presse gegangen, sagt Glöckner. Deshalb stehe man unter Handlungszwang. Die gesamte Pommersche Kreissynode müsse endlich beschließen, die Sache von der Nordkirche klären zu lassen. Eben das beantragt Glöckner.

Für einen Moment herrscht Stille im Saal, ein zwei Jahre alter Streit droht wieder aufzubrechen. Im Dezember 2011 hatte das pommersche Bischofswahlkollegium die Amtszeit von Bischof Hans-Jürgen Abromeit um fünf Jahre verlängert – und damit seine Überleitung in die Nordkirche ermöglicht. Bis 2018 soll Abromeit nun als einer von zwei Bischöfen im Sprengel Mecklenburg und Pommern arbeiten. Doch gleich im Dezember 2011 waren Zweifel laut geworden, ob die Entscheidung im Wahlkollegium rechtlich sauber zustande gekommen war. In einer eiligen Sondersitzung im Januar 2012 stellte sich die Mehrheit der Pommerschen Synodalen dann hinter den Beschluss. Die Synodalen Wolfhardt Molkenthin und Andreas Ruwe zogen trotzdem vor Gericht. Im August wies das Kirchengericht Hamburg ihre Klage dann ab, aus formalen Gründen, und brummte die Kosten für das Verfahren der Nordkirche als der Beklagten auf.

Die Öffentliche Kritik verstummte. Und jetzt will Glöckner alles wieder aufrollen? – „Wir haben keine andere Möglichkeit“, sagt der Pastor vor den Synodalen. Und direkt zu Abromeit, der als Gast bei der Kreissynode sitzt: „Ich kann Ihnen nicht mehr in der gleichen Weise vertrauen wie vorher. Das belastet mich.“ Es sei doch auch im Interesse des Bischofs, dass das Vertrauen wieder hergestellt werde.

Ganz allein ist der Hiddenseer Pastor mit dieser Ansicht nicht: Mehrere Synodale unterstützen seinen Antrag, einen Beschluss zur Klärung auf den Weg zu bringen. Doch die meisten, die sich dann zu Wort melden, klingen geschockt und verärgert. „Das bringt nur Unruhe!“, sagt der Synodale Wolfgang Banditt. Und wenn das Kirchengericht Hamburg es abgelehnt habe, über den Fall zu urteilen, sei er wohl auch nicht so wichtig.

Cord Bollenbach, Gemeindepädagoge in Zinnowitz, plädiert dafür, „irgendwelche Verfahrensfehler oder was auch immer da war, ruhen zu lassen“. Dass Mecklenburg-Vorpommern bis 2018 zwei Bischöfe im Sprengel habe – Abromeit neben Andreas von Maltzahn – „das sollten wir als Chance sehen.“

Ökumenepastor Matthias Tuve erklärt, alle Argumente seien längst ausgetauscht. „Ich habe, wenn ich mir die Sache anschaue, auch an vielen Stellen meine Fragen“, sagt er. „Aber wollen wir den Kapitän aus der Bahn nehmen, wohlwissend, dass wir keinen Ersatz kriegen?“ Es gebe viel zu tun in der Nordkirche und Abromeit leiste gute Arbeit, das solle nicht an solchen Dingen scheitern.

Am Ende stimmen 24 Synodale gegen Glöckners Antrag auf Klärung, nur 13 dafür, viele enthalten sich. Der Insel-Pastor ist enttäuscht, „Das ist einer Synode unwürdig“, sagt er. Wolfhardt Molkenthin, einer der Kläger, hatte kurz vorher noch einmal betont, dass er im Dezember 2011 im Bischofswahlkollegium mit abgestimmt habe und getäuscht worden sei. Er habe damals beantragt, dass die Amtszeit des Bischofs mit Zweidrittel- Mehrheit verlängert werden müsse. „Das wurde nicht abgelehnt.“ Dann aber kam nur eine einfache Mehrheit zustande – und trotzdem verkündete die Kirchenleitung die Verlängerung.

Auch einer, der bisher selten öffentlich dazu sprach, meldete sich in der Kreissynode an diesem Sonnabend noch zu Wort: Bischof Hans- Jürgen Abromeit selbst. Er habe sich um die Jahreswende 2011/2012, als die massiven Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Beschlusses aufkamen, schon gefragt, ob er im Amt bleiben solle, sagt er. „Aber dann habe ich eine ganze Menge Zuspruch bekommen.“ Und schließlich habe sich die Pommersche Landessynode im Januar 2012 mit einer Zweidrittel-Mehrheit hinter die Entscheidung des Wahlkollegiums gestellt.

Den Versuch, die Sache nun wieder aufzurollen, begreift Abromeit als Angriff auf seine Person. „Den Satz ‚es geht gar nicht gegen Sie’ halte ich für ein ganzes Stück unaufrichtig“, sagt er zu Konrad Glöckner. „Ich warte darauf, dass die, die versuchen, mich über den formalen Weg loszuwerden, endlich auftreten mit inhaltlichen Gründen und sagen: Deshalb wollen wir Sie nicht weiter im Bischofsamt.“ Alles noch einmal aufzurollen, sei weder in seinem Sinne, noch zum Wohle Pommerns.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 44/2013