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Pressemitteilung

Zeigerstand „5 vor 12“ gehört der Vergangenheit an

01.07.2016 | Greifswald. Restaurierung der Greifswalder Dom-Uhr beginnt - Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai lädt am Donnerstag, 7. Juli, zur Vorort-Begehung ein.

Zum Start der Restaurierung der Greifswalder Dom-Uhr lädt die Evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai am kommenden Donnerstag, 7. Juli, ab 10 Uhr zu einer Vorortbegehung in den Turm des Greifswalder Doms ein. Interessierte Journalistinnen und Journalisten bekommen dabei die Gelegenheit, sich vor Ort von der Uhr und den zu behebenden Schäden ein Bild zu machen und sich über die notwendigen Arbeiten umfassend zu informieren. Für Gespräche stehen Dompfarrer Matthias Gürtler, Dombaukoordinator Stefan Scholz, Architekt Burkhardt Eriksson, Metallrestauratorin Sylvia Morgenstern und Udo Griwahn von der Grimmer Firma für Turmuhren- und Läuteanlagenbau zur Verfügung. Da der Platz im Turm begrenzt ist, werden Turmbesteigung und Besichtigung der Uhr je nach Zahl der Teilnehmenden in mehreren Etappen stattfinden. 

Schädigungsgrad ist gravierend

„Die Restauratorin hat die Schadensdokumentation vorgenommen. Die Abstimmung mit der Denkmalpflege fand Ende Juni statt“, sagt Stefan Scholz. „Damit kann die Restaurierung starten. Aus der Nähe betrachtet ist der Schädigungsgrad gravierend.“ Ein besonders kritischer Punkt – vor allem aus denkmalpflegerischer Sicht – sei, dass die Zifferblätter wegen ihrer Größe nicht im Ganzen heruntergenommen werden können und daher einmal durchtrennt und später wieder zusammengesetzt werden sollen, so der Dombaukoordinator über die Herausforderungen der anstehenden Instandsetzung der Uhr, die lange Zeit still stand. Auf der Südseite zeigte sie gar symbolträchtig auf „5 vor 12“. Die Demontage der Zifferblätter nimmt die Firma Griwahn vor. Die erfahrenen Mitarbeitenden der Firma planen für die Montage der restaurierten Zifferblätter auch einige nötige funktionale Verbesserungen. Die Restaurierung einschließlich Vergoldung erfolgt unter der Aufsicht von Sylvia Morgenstern, Metallrestauratorin aus Greifswald.

Spender für Turmuhr gesucht

Die Gesamtkosten sind nach aktuellen Ermittlungen höher als früher erwartet. Bisherige Schätzungen standen immer unter dem Vorbehalt, dass eine genaue Schadensbeurteilung erst vom Gerüst aus möglich war. Die nun veranschlagten Kosten von etwa 108.000 Euro übersteigen den im Rahmen der Städtebauförderung förderfähigen Anteil von 53.000 Euro erheblich, so dass rund 55.000 Euro zusätzlich aufgebracht werden müssen. Die Domgemeinde und der Domförderverein sammeln mit der „Aktion 262“ bereits Spenden für den Eigenanteil der Domsanierung. Für die neue „Baustelle Turmuhr“  haben eine Greifswalder Bürgerin bereits 3.000 Euro und Ellinor Beuther aus Köln 2.000 Euro gespendet. Die Domgemeinde und der Domförderverein starten für weitere Spenden eine Sammelaktion. Die Spender erhalten als Dankeschön Domsandstundengläser. Noch in diesem Jahr soll die Uhr wieder laufen. Professor Matthias Schneider vom Domförderverein und Dompfarrer Matthias Gürtler hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt durch ihre Spenden die Uhr wieder in Gang bringen. Für die Greifswalder ist die Dom-Uhr von besonderer Bedeutung, der Blick zum Turm nach der Uhrzeit gehört für viele zum täglichen Leben und ist ein Stück Heimat.

Umfangreiche Arbeiten am Turm

Im März begann die Neubrandenburger Firma Gerüstbau Reichelt mit der Stellung des Gerüsts für die Turmsanierung, dem mittlerweile siebten Bauabschnitt der Domsanierung. Inzwischen reicht das Gerüst bis zur Aussichtsplattform. Erhebliche Flächen des Mauerwerks sind zu sanieren. Teile der Holzkonstruktion des Turms müssen unter anderem wegen der Kontaminierung mit dem Holzschutzmittel Hylotox zunächst einer Schadstoffentsorgung unterzogen werden, bevor die Zimmerleute beginnen können. Zudem muss der Turm durch diverse Zuganker in unterschiedlichen Ebenen konstruktiv verstärkt werden, um weitere gefährliche Rissbildungen zu verhindern. Außerdem werden Natursteingesimse restauriert und das Fenster über dem Westportal saniert. Eine besondere Erschwernis für das Planungsteam sei gewesen, dass einige Schadenspunkte, wie zum Beispiel die Natursteingesimse, die Formsteine in den Rosetten und Friesen am Oktogon sowie die Turmuhr, erst vom Gerüst aus gesehen verlässlich beurteilt werden konnten, so Stefan Scholz.

Unterstützung durch die Stadt Greifswald und das Land

Bis Ende Oktober 2017 sollen die Sanierungsarbeiten dieses siebten Bauabschnitts dauern. Die Sanierung des Turms von St. Nikolai wird etwa 2,3 Millionen Euro kosten. Mit 1,5 Millionen Euro Städtebaufördermitteln fördern die Stadt Greifswald und das Land Mecklenburg-Vorpommern die Maßnahmen am Wahrzeichen von Greifswald erheblich. Weitere Unterstützung erfährt die Domgemeinde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (400.000 Euro) und der Hermann Reemtsma Stiftung (380.000 Euro) sowie von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (30.000 Euro). Durch die „Aktion 262“ konnten schon für mehr als 130 Stufen Unterstützende der Sanierung des Doms gewonnen werden.

Domgemeinde und Kirchenkreis danken für Finanzierungshilfen

Fünf Millionen Euro kostet die aktuelle Phase der Domsanierung insgesamt. Sie umfasst die Bauabschnitte vier bis acht. Mehr als zwei Millionen Euro wurden seit dem Jahr 2013 bereits umgesetzt. Schwerpunkte waren das nördliche und das südliche Seitenschiff sowie der Einbau von Zugankern im Mittelschiff. Ein großer Kreis von Unterstützenden beteiligt sich an der Finanzierung: der Bund (Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und Medien), die Denkmalpflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die Hermann Reemtsma Stiftung, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stiftung für kirchliches Bauen zählen dazu. Die Domgemeinde und der Pommersche Evangelische Kirchenkreis sind allen Förderern für die Unterstützung sehr dankbar. Die Domgemeinde muss 435.000 Euro aus Eigenmitteln und Spenden aufbringen und ist daher froh über jede weitere Hilfe.

Bildmaterial

Zahlreiche Fotos finden Sie unter dem folgenden Link zum Herunterladen: https://www.dropbox.com/sh/i6k9r5lenlcsqk2/AAAPpFr0fuZwE_2f7zfvRjNva?dl=0

Die Veröffentlichung ist gestattet bei Nennung des Namens des jeweiligen Urhebers bzw. der Urheberin, der im Dateinamen kenntlich gemacht ist (Stefan Scholz bzw. Sylvia Morgenstern).