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Die Stadtkirche in Ludwigslust wird 250

Zeigen, dass Kirche lebt

Von Marion Wulf-Nixdorf

Zeigen stolz den „Hingucker“: Pastorin Katharina Lotz mit Küster Thomas Konradt und dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Kirchenjubiläum Ludwigslust 2020, Hans-Werner Reimers (l.) vor dem Gemeindehaus.
05.01.2019 ǀ Ludwigslust.  Ein Festwochenende mit großer Musik, einer Predigt der Bischöfin und einem Gemeindefest feiern die Ludwigsluster vom 31. Juli bis 2. August. Den Termin sollte man sich in den neuen Kalender eintragen.

Der Bau der Ludwigsluster Kirche war im Juli 1770 fertiggestellt, so ist es am Giebel nachzulesen. Doch einweihen konnte man sie erst am 4. November – die Dame des Hauses, Herzogin Luise Friederike, sei um ein Vielfaches lebenslustiger gewesen als ihr etwas einsiedlerischer und dem Pietismus zugewandter Gemahl, Herzog Friedrich der Fromme, weiß man in Ludwigslust. Die Herzogin war gern unterwegs – in Paris zum Beispiel. Und einen solchen Aufenthalt wegen einer Kircheneinweihung zu unterbrechen, das kam ihr nicht in den Sinn. Sie reiste erst zum Herbst wieder in die Provinz. Und so wurde das Einweihungsdatum auf den 4. November festgelegt.

Heute hat kein Herzog mehr das Sagen, sondern der Kirchengemeinderat, und der entschied: Die Jubiläumsfeierlichkeiten werden im Sommer begangen. Fast so lange, wie der Kirchenbau vor einem Vierteljahrtausend gedauert hat – 1765 war die alte Dorfkirche abgerissen und mit dem Bau der neuen begonnen worden – so lange wird dieses Festwochenende zum 250-jährigen Jubiläum schon vorbereitet. „Sonst wäre einiges nicht so gelaufen“, sagt Hans-Werner Reimers mit Blick auf das Festprogramm.

Reimers, 63, hat die Fäden in der Hand. Damit haben die Ludwigsluster einen Fachmann dabei: Reimers leitete viele Jahre eine eigene Firma. 1994 war er von Schleswig-Holstein nach Ludwigslust gezogen. Auf die Frage, warum ausgerechnet Ludwigslust, sagt er: „Wir haben uns die schönste Kirche ausgesucht!“

Vier Jahre Vorbereitungszeit

2016 sei es gewesen, erzählt Thomas Konradt, seit 2006 Küster in Ludwigslust, da sei Siegfried Lock, Vorsitzender des Kirchen-Fördervereins, auf ihn zugekommen und habe gemeint, man müsse doch wohl langsam anfangen, das Jubiläum vorzubereiten. Es wurde eine Arbeitsgruppe (AG) gegründet, in der Reimers den Vorsitz übernahm und zu der auch Kantorin Annegret Böhm und Ruhestandspastor Wilfried Romberg, der Küster sowie die Tierärztin und Kirchenälteste Beate Giesler und Siegfried Lock gehören. Die letzten Einzelheiten wurden bei einem Workshop des Kirchengemeinderates im Januar 2019 festgelegt.

Zuerst sollte das Jubiläum rechtzeitig in der Stadt sichtbar gemacht werden. Freya Reimers, Architektin in Leipzig, schuf ein Logo für den Wiedererkennungseffekt. Es wurden 500 Beutel bedruckt, die für 5 Euro verkauftwerden. Eine sogenannte „beachflag“ wurde angeschafft (siehe Foto oben), eine „Ufer Flagge“, die auf sicherem Fuß steht und sich im Wind bewegt.

Eine Briefmarke, entworfen von Sabine Duschinski, mit dem Bild der Stadtkirche und dem Hinweis auf ihre 250 Jahre wurde hergestellt – leider nicht als offizielle Sonderbriefmarke der Deutschen Post. Die Kirchengemeinde hatte 2018 einen Antrag an das dafür zuständige Finanzministerium gestellt und die Antwort bekommen, dass von den rund 500 Anträgen im Jahr nur 50 bewilligt werden könnten und Ludwigslust leider nicht dabei sei. Nun hat die Gemeinde auf eigene Kosten eine Marke herstellen lassen und bittet um 20 Cent als Spende. Zum Gemeindefest wird es einen Sonderstempel von der Deutschen Post geben.

130 Seiten dickes Buch erscheint am 1. Mai

Eine Festschrift wurde in der AG geplant, die nun zu einem richtigen Buch wurde. Koordiniert wird es von Annette Brandes. Hierbei konnte man auf sehr gute Vorarbeit des ehemaligen Kantors Hans-Dieter Ueltzen zurückgreifen, der bereits zum 200. Jubiläum eine Festschrift vorbereitet hatte, die aber in der DDR nicht gedruckt werden durfte und – wie in Kirche in solchen Fällen üblich – vervielfältigt wurde. In dem nun über 130 Seiten dicken Buch, das zum 1. Mai erscheinen wird, wird es nicht nur um eine Rückschau gehen, sondern auch um Gegenwart und Zukunft. Das ist besonders Katharina Lotz, seit 2009 Pastorin in der Stadtkirchengemeinde, wichtig. So wird es neben historischen Beiträgen von kompetenten Fachleuten Beiträge von Ortskundigen geben.

Freitagabend, 31. Juli, und Sonnabend, 1. August, werden im Zeichen der Musik stehen. Der Schweriner Musikforscher und Geiger am Staatstheater, Stefan Fischer, hat die Einweihungsmusik des Hofk omponisten Carl August Friedrich Westenholtz von 1770 im Landesarchiv gefunden und bearbeitet. Sie wird in drei Teilen – Freitag 19.30 Uhr, Sonnabend 12 und 19.30 Uhr – zur Aufführung gebracht. Um 10.30 und 16 Uhr wird zu Vorträgen in das Rathaus eingeladen. Für diese Veranstaltungen konnten die Festspiele MV ins Boot geholt werden. Karten gibt es bereits bei den Festspielen MV.

Am Sonntag wird Gemeindefest gefeiert. Im Festgottesdienst wird Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt predigen. Es wird zu Kirchen- und Orgelführungen eingeladen werden, eine Kreativwerkstatt geben, Spiele für Kinder und vieles mehr. Eine Ausstellung mit eigenen Fotos und Gemälden, aber auch Arbeiten von sechs Schülern der 10. Klasse des Goethegymnasiums, die sich im Wahlpflichtunterricht Fotografie mit der Kirche befasst haben und die Fotos digital bearbeiteten, ist seit 1. Januar im Gemeindehaus und ab Ostern in der Kirche zu sehen.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 01/2020

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