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Wort zum Osterfest 2016

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn: Berufen zur Hoffnung

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn
26.03.2016 ǀ Schwerin.  

Die Gewalttaten von Brüssel haben uns erschüttert. Wir spüren, wie verwundbar unsere Gesellschaften sind, wie zerbrechlich unser Leben. Wie soll es Ostern werden nach all dem Schrecken?

 

Sprachlos macht dieses Entsetzen. Fassungslos. So war es auch vor nun nahezu zweitausend Jahren. Die Frauen und Männer aus dem Freundeskreis Jesu hatten nach der Kreuzigung Jesu alle Hoffnung verloren. Zu überwältigend war sein gewaltsamer Tod. Aber dann, gegen alle Erwartung, machten sie Erfahrungen mit ihm, die sie tiefgreifend veränderten. Sie spürten, dass im Vertrauen auf Gott ein Leben möglich ist, das stärker ist als der Tod. Sie erkannten und erlebten:

 

In Wahrheit sind wir frei.

Selbst der Tod hat nur vorübergehend Macht über uns.

Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes.

 

Diese österliche Erfahrung lässt Menschen neu zur Welt kommen – „wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“ (1.Petr 1,3). Zu solcher Hoffnung sind Christinnen und Christen berufen. Worin kann sie bestehen in einer Zeit, die aus den Fugen zu geraten scheint, in einer Gesellschaft, die sich zunehmend polarisiert?

 

Menschen der Hoffnung braucht es, gerade jetzt,

die das Verbindende suchen, wo Gräben sich vertiefen,

die neu zuhören, wo man einander schon abgeschrieben hat,

die versachlichen und ermutigen, wo Verunsicherung geschürt wird,

die Unrecht beim Namen nennen, wo es verschleiert wird,

denn sie wissen: In Wahrhaftigkeit und Friedfertigkeit liegt befreiende Kraft.

 

Menschen der Hoffnung braucht es, jetzt erst recht,

die Verantwortung übernehmen, wo Menschen in Not sind,

die Verantwortliche stärken, wo es keine einfachen Lösungen gibt,

die einstehen für ihre Zuversicht, wo lauter Gefahren gemutmaßt  werden,

denn sie wissen: Hoffnung „ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht,

sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat“ (Vaclav Havel).

 

Menschen der Hoffnung braucht es,

die ihre Geschichte erinnern und darum die Fehler der Vergangenheit vermeiden,

die Selbstbewusstsein gewinnen nicht durch Abgrenzung, sondern aus Verbundenheit,

die sich in ihren Glauben vertiefen

und zugleich gespannt sind auf Spuren Gottes im Leben der Anderen,

denn sie wissen: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes.

 

Ich bin froh und dankbar, dass sich viele Menschen in unserem Land in dieser Weise einbringen. Schenke Gott uns ein Osterfest, das uns spüren lässt, was wir sind: nicht verurteilt zur Angst, sondern „wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung“.

 

Dr. Andreas v. Maltzahn
Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche (Schwerin)