Nach oben

Wort zum Osterfest 2013 von Bischof v. Maltzahn

Wo Gott geschieht und Menschen umkehren zum Leben

28.03.2013 ǀ Schwerin.  Ostern ist ein Geschehen, das nicht vorbei ist mit Ostern! Paulus erfuhr das einst vor den Toren von Damaskus: Er begegnete dem Christus, der doch längst gekreuzigt und gestorben war. Diese Begegnung machte aus dem glühenden Christenverfolger einen begeisterten Wegbereiter des neuen Glaubens. Dass Paulus auch seine Begegnung mit Christus vor Damaskus als Ostereignis verstand, macht deutlich:

Ostern ist ein Geschehen, das nicht vorbei ist mit Ostern!
Es geschieht, wo Gott geschieht.
Nicht bei jeder Ekstase, jeder erhobenen Stimmung,
jedem Erfolg, jedem ‚Glück gehabt!’.
Aber immer, wo Umkehr geschieht –
Umkehr aus tödlichem Hass zum Leben,
aus Feigheit zum Mut.

In diesen Tagen bewegt mich die Frage: Was hält Menschen in ihrem Denken und Fühlen so gefangen, dass sie Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern eine Zuflucht verweigern wollen? Ist es wirklich die Angst, „überfremdet“ zu werden – und das in einem Bundesland, in dem weniger Ausländer leben als in der Stadt Leipzig? Ist es die menschliche Ur-Angst, im Leben zu kurz zu kommen – wobei doch die Steuern, die ausländische Mitbürger entrichten, die Sozialausgaben für Migrantinnen und Migranten übersteigen?

Meine Mutter kam als Flüchtlingskind nach Mecklenburg. Daher weiß ich: Man verlässt seine Heimat nur aus Not. Und wie sehr ist man dann darauf angewiesen, dass Menschen sich als gastfreundlich erweisen und ihr Herz nicht verschließen!

Fremde und Schutzsuchende aufzunehmen entspricht Gottes Gebot: „Denn der Herr, euer Gott . . . liebt die Fremden und gibt ihnen Brot und Kleidung. Darum sollt ihr die Fremden lieben.“ (5.Mose 10,17-19) Und Jesus von Nazareth, selber Asylantenkind in Ägypten, setzte hinzu: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. . . . Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,35.40)

Darum: Lassen wir uns nicht von falschen Ängsten gefangen nehmen! Fassen wir Mut und widerstehen wir denen, die politischen Nutzen aus der Angst ziehen wollen! Zeigen wir uns gastfrei, wo immer Flüchtlinge Schutz bei uns suchen! Damit Ostern weitergeht – für Menschen in Not wie für uns selbst.

Dr. Andreas v. Maltzahn
Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Sitz Schwerin

Quelle: ELKM