Nach oben

Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

Andacht

"Will you know my Name, when we see us in heaven?"

Von Propst Dirk Sauermann, Propstei Parchim

Ewigkeitssonntag, der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Der Herbst ist fast vorbei, der Winter steht vor der Tür. Das Fallen der Blätter erinnert uns an den Tod und an die vergehende Zeit, über die wir nicht verfügen. Das Kirchenjahr, das Jahr geht zu Ende.

Mitten in dieser düsteren und kalten Jahreszeit denken wir nun heute an die Menschen, mit denen es einst warm war, geborgen und schön. Unsere Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die wir verloren haben. Dieses Jahr starben manche Menschen noch einsamer, weil isoliert. Angehörige standen buchstäblich draußen vor der Tür. Und dann die Erfahrung, dass auch das Trauern begrenzt und beschränkt wurde. Gedenken im kleinen und ganz kleinen Kreis. Doch auch hier nicht ohne Gott! Er spricht durch seinen Propheten:
„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ (Jes.43,1) Trost, der trägt und doch bleiben Fragen. Zum Beispiel: Wie wird das sein, bei Gott im Himmel?

Eric Clapton, der berühmte Rockmusiker, hat ein Lied geschrieben, das heißt: „Will you know my Name, when we see us in heaven?“
„Wirst du meinen Namen wissen, wenn wir uns im Himmel wiedersehen?“

An vielen Orten im Kirchenkreis bringen wir am Sonntag die Namen unserer Lieben vor Gott. Gestorben sind sie, alt und lebenssatt vielleicht, vielleicht auch viel zu früh, in der Blüte ihrer Jahre. Manche durch einen Unfall, eine mörderische Krankheit oder durch die Schuld anderer Menschen.

Hinter jedem Namen steht ein ganzes Schicksal, ein ganzes Leben mit Gutem und Bösem, mit Freud und Leid. Noch einmal erinnern wir uns an das, was wir diesen Menschen verdanken, was sie uns gewesen sind.

„Will you know my Name, when we see us in heaven? – Wirst du meinen Namen wissen, wenn wir uns im Himmel wiedersehen?“ „Wirst du mich kennen, Gott?“, heißt das. „Wirst du mich ansprechen, mich beim Namen nennen und willkommen heißen? Werde ich bei dir wieder die Sabine sein oder der Helmut, der Tobias, die Marion und der Fritz? Werde ich wieder der Mensch sein, der ich war?  Wie soll ich mir das vorstellen? Welchen Leib werde ich haben?

Ein Mann, dessen Gesicht von Jugend auf verwachsen war, der hat gesagt: „Ich glaube schon an die Auferstehung von den Toten. Aber, wenn ich dort wieder mit meinem entstellten Gesicht rumlaufen muss, dann möchte ich lieber im Tod bleiben.“ Wie ist das mit der Auferstehung? Welchen Leib haben unsere Toten?

Der Apostel Paulus sagt dazu (1.Kor. 15, 35 ff.): „Nun könnte jemand fragen: welchen Leib werden die Toten haben? Was für eine törichte Frage.“ Und dann vergleicht Paulus den menschlichen Leib mit der Natur. Unser Leben ist wie ein Samenkorn. Es ist aus Erde und muss in die Erde zurück. Nur so kann etwas Neues entstehen aus diesem Samenkorn, aus unserem irdischen Leib. Was du säst wird nicht lebendig, wenn es nicht vorher stirbt, meint Paulus. Und das wissen wir ja auch: Jedes Samenkorn, das wir in die Erde stecken, vergeht. Etwas Neues, ungleich viel Schöneres entsteht daraus. So ist es auch mit unserem Leib. Er muss in die Erde, dass der neue und unverwesliche Leib entstehen kann. Verwandlung, ist das Zauberwort des Paulus. Gott kann den sterblichen Leib, uns Menschen verwandeln. Ein neuer Leib entsteht und trotzdem der alte. Neue Menschen und trotzdem die Alten?

„Wirst du meinen Namen wissen, wenn wir uns im Himmel wiedersehen?“ Dieses Lied schrieb Eric Clapton, als sein 4-jähriger Sohn beim Spielen aus dem Fenster eines Hochhauses in den Tod gestürzt ist.

Ich finde es bemerkenswert, dass es in diesem Lied nie darum geht, ob es eine Auferstehung gibt, sondern nur darum, ob Gott unsere Namen weiß, ob er uns gleich erkennt, und ob es im Himmel noch Tränen gibt. Es steht für Eric Clapton außer Frage, dass wir uns und unsere Lieben im Himmel wiedersehen.

Der Tod ist kein Ende, er ist eine Tür und nur diese Tür führt weiter. „Hinter dieser Tür ist Frieden“ singt er: „Behind this door is peace.“

Eine sanfte Berührung des Engels öffnet diese Tür. Was uns als endlich, begrenzt und abgeschlossen erscheint, kann Gottes Macht öffnen. Uns erwartet nach unserem leiblichen Tod die Verwandlung vom Tod zum Leben, von der Paulus erzählt. Menschen, die wir gehen lassen mussten, so glaube ich, sind uns nur vorausgegangen durch die Tür in Gottes ewigen Frieden. Wir werden einmal nachfolgen. Dieses zu glauben, will uns Gott durch seinen Propheten ermutigen.
„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“, spricht Gott durch den Propheten.

Diese Website verwendet Cookies und die Webanalyse-Tools Matomo und Google Analytics. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es auf der Seite Datenschutz.