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Die Wochenandacht im Portal kirche-mv.de

Andacht

Der Engel Michael

Von Pastor Matthias Bartels, Leiter des Regionalzentrums kirchlicher Dienste Pommern

In dieser Woche feiern wir den Michaelistag, das Fest des Erzengels Michael und aller Engel. Fast ist es bei uns in Vergessenheit geraten, obwohl es in unseren Gottesdienstbüchern eigens ausgestaltete Formen dafür gibt und obwohl „Michaeli“ vor allem im ländlichen Kontext einst eine große Rolle spielte: traditionell war es der Tag des Ernteschlusses am Ende des Monats September. Pachten und ausstehende Löhne wurden nun fällig. Arbeitsverhältnisse, so möglich, konnten gewechselt werden. Sowohl in Mecklenburg als auch in Pommern gab es den Brauch, zu diesem Anlass des Ernteausgangs auch zu feiern und „Michelgänse“ zu verspeisen.
„Michaeli“ war daher ein Tag des Rückblickes auf die schwere Arbeit der vergangenen Wochen, ein Tag des Innehaltens im aufreibenden Betrieb des Jahres und auch ein Tag des Planens für das Kommende. Ein großes Ereignis im Dorf und in der Region. Ein „social event“ – wie wir neudeutsch sagen würden. Und verbunden war damit natürlich der Dank für alles, was in diesem Jahr gewachsen und geworden ist. Daher sind das Michaelis- und das Erntedankfest im Kirchenjahr eng verbunden.

Aber der Erzengel Michael steht nicht nur als „Erntepatron“ ein. Er wird fast immer mit einem Schwert und einer Waage in den Händen dargestellt. Doch sein Schwert schneidet nicht nur Weizen und Raps. Seine Waage misst keine Scheffel Getreide oder Liter Öl. Sondern er ist der Engel, der in der kirchlichen Tradition vor allem der „Wahrheitsengel“ genannt wird: Der Engel, der mit dem Schwert gegen den Teufel kämpft und ihn als Drachen stürzt und besiegt. Der Engel, der aufsteht gegen den, der alles durcheinanderbringt – den „Diabolos“. Der Engel, dessen Waage unsere Worte und Taten gewichtet, die uns, je nachdem wohin die Skala ausschlägt, anzeigt, was uns zum Leben hilft oder was uns von Gott und untereinander trennt.
Das ist für unsere heutigen Ohren und Augen nicht immer einfach und bequem. Aber es stellt uns den Ernst von Entscheidungen auch heute vor Augen. Martin Luther hat in einer Predigt über den Erzengel Michael und die mit ihm verbundenen himmlischen Heerscharen einmal gesagt: Wo zwanzig Teufel sind, da sind auch hundert Engel. Wenn das nicht so wäre, dann wären wir längst zugrunde gegangen.

Diesen Michael wünsche ich mir heute oft: Den Engel, der mit seinem scharfen Schwert lebendig und kräftig trennen oder uns zumindest unterscheiden helfen kann zwischen Tatsachen und Schein, zwischen Lüge, Trug und Wahrhaftigkeit, zwischen fake news und belastbarer Wirklichkeit. Der sortieren und abwägen hilft in aller Unübersichtlichkeit und in all dem Durcheinander unserer Tage. Wie wichtig und hilfreich wäre das!
Diesen Michael wünsche ich mir heute oft: Den Engel, der uns auch als christliche Gemeinden und Kirche dabei hilft, glaubwürdig und gewiss zu bleiben und uns immer wieder zuverlässig den Weg weist in der Spur dessen, der von sich selbst sagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Der uns ermutigt, in die Waagschale zu werfen, was wir an Schätzen haben, die dem Leben dienen und wonach die Menschen, mit denen wir in unseren Dörfern und Städten leben, suchen. Damit wir nicht zugrunde gehen.

Martin Luther hat zwar davor gewarnt, Engel anzubeten und ihnen göttliche Qualität zuzuschreiben. Aber er hat selbstverständlich mit ihrer Existenz und ihrem Eingreifen gerechnet. Unsere evangelische Kirche lernt wieder neu, die Hilfe und den wegweisenden Charakter dieser Boten Gottes für unser Leben wahrzunehmen. Vielleicht finden auch Sie in der nächsten Woche in einem ruhigen Moment ja Zeit, an diesen besonderen Engel Michael zu denken? Ich werde das jedenfalls tun.

Bleiben Sie behütet!

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