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Generalkonvent: Pastoren in Pommern suchen nach neuen Ansätzen

Wie weiter mit der Kirche?

17.09.2017 ǀ Züssow.  Feiern wir den Gottesdienst, auch wenn nur drei kommen? Oder wechseln wir mit einer Andacht ins Bierzelt? Neue Wege gesucht.

Wissen Sie, was ein PKK-Gottesdienst ist? Nein, mit der kurdischen Untergrundorganisation hat er nichts zu tun, eher mit einem spärlichen Besuch am Sonntag auf dem Land: „Pastor, Küster, Kantor“ sind da. Und zwar nur sie. Ein Witz, der unter der Pastorenschaft kursiert.

Es ist wohl eine Art Galgenhumor. Die Zahl der Kirchenmitglieder in MV ist innerhalb von zehn Jahren von gut 307 000 auf rund 252 000 gesunken. Dass das auch ernst genommen wird, zeigte kürzlich der Generalkonvent in Züssow, bei dem sich die Pastorinnen und Pastoren des Pommerschen Kirchenkreises trafen. Von „christlicher Hoffnung in hoffnungsloser Zeit“ berichtete eingangs Pastor Mitri Raheb aus Palästina. Danach versammelten sich die Teilnehmer in sechs Gesprächsgruppen, um zu diskutieren, wo, bezogen auf die hiesigen Gemeinden, Hoffnung liegt.

"Die ganze Kirche saß voller Männer in Feuerwehruniformen"

„Wer sitzt noch hier in 50 Jahren?“, fragte sich etwa eine Gruppe um Bischof Abromeit aus Greifswald. Wie Kirche und Gemeinwesen die Gemeinschaft vor Ort gestalten könnten, diskutierte ein anderer Kreis um die Pastoren Matthias Ballke aus Kemnitz, Ulf Harder und Christof Rau aus Züssow-Zarnekow-Ranzin. Die drei Männer, die als Nachbarn eng verzahnt zusammenarbeiten, erzählten ihren Kollegen von Initiativen aus dem Alltag: wo es funktioniert, dass Kirche sich ins Dorfleben einbringt, das Dorf in die Kirche lockt. Der Florian-Gottesdienst sei so ein Beispiel, der dem Feuerwehr- Schutzpatron Florian von Lorch gewidmet ist. Wenngleich kaum ein Feuerwehrmann in Lühmannsdorf Gemeindeglied ist, lud Harder die Männer zu einer Andacht ein, um ihnen für ihr freiwilliges Werk zu danken. „Die ganze Kirche saß voller Männer in Feuerwehruniformen, damit sie gleich ausrücken könnten, falls ein Brand ausbricht“, erinnert er sich. Dass jeder eine Kerze mit einem Wunsch anzünden konnte, beeindruckte die gestandenen Kerle am meisten. Viele bedankten sich später persönlich.

„Florian trägt Früchte“, bestätigte auch Pastor Rau. Seither habe er viel mehr Taufen. Auch das Fußballspielen mit Kindern in der Schule und sein seelsorgerliches Angebot für Angehörige nach der Bestattung bringe viele Konfessionslose in den kirchlichen Dunstkreis.

Dort hingehen, wo die Menschen sind

Ballke berichtete von vielfältigen Bautätigkeiten: Eine Kita und ein altersgerechtes Wohnen mitten im Ort habe die Kirchengemeinde geschaffen. „Das macht unsere Gemeinde auf so schöne Weise lebendig.“ Diese Möglichkeit hätten viele Gemeinden, glaubt er. „Unsere Grundstücke sind nicht nur Last, sondern auch ein Schatz, den wir einbringen können.“ Die Schnittstellen suchen – das müsse Kirche. Dort hingehen, wo die Menschen sind. „Die Kirche darf nicht nur Wohlfühlraum nach innen sein“, fasste Teilnehmer Pastor Nieber aus Saßnitz zusammen. „Wir dürfen nicht so wirken, als dürfen sich hier nur die wohlfühlen, die schon drin ist.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 37/2017