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Mitarbeitertagung der Kinder- und Jugendarbeit

Wie ein überfließender Brunnen

Von Tilman Baier

Präsentieren die Einladung zur MAT 2018: Johannes Beykirch (li.) und Stephan Rodegro.
14.01.2018 ǀ Salem.  Auf der diesjährigen Mitarbeitertagung (MAT) der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in MV stand das große Thema Motivation im Mittelpunkt. Die traditionsreiche Mecklenburger MAT, die seit ein paar Jahren zusammen mit Pommern veranstaltet wird, war auch dieses Jahr mit etwa 200 Teilnehmern ausgebucht.

Das Thema Motivation „war einfach dran“, so erzählen Stephan Rodegro und Johannes Beykirch vom Vorbereitungsteam der Mitarbeitertagung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in MV (MAT), die vom 3. bis 5. Januar in Salem bei Malchin stattfand. „Vor allem, weil wir erleben, dass Mitarbeiter ausfallen, weil sie ausgebrannt sind und die Motivation auf der Strecke geblieben ist“, erklärt Rodegro, Referent für die Kinderarbeit in Mecklenburg. „Dem wollten wir auf die Spur kommen. Denn wer andere motivieren will und soll, muss selbst motiviert sein.“ Und Beykirch, Referent für Kinder- und Jugendpolitik ergänzt: „Demotivierend wirken vor allem die Strukturen und die weiten Flächen im ländlichen Raum.“

"Muss man lernen, sich selbst zu motivieren“

MAT-Teilnehmerin Erika Maurer von der Arbeitsstelle Güstrow bestätigt das: „Da hast du mehrere Stunden eine Veranstaltung der Kinderkirche vorbereitet – und dann kommen nur drei.“ Demotivierend seien auch die laufenden innerkirchlichen Umstrukturierungen, ebenso die Entwicklung an den Schulen, die den Kindern kaum noch Zeit und Kraft lässt. „Auch weil es so wenig Anerkennung gibt, muss man lernen, sich selbst zu motivieren.“

Dass dies kein neues Problem ist, machte Jonas Görlich, Pastor in Lohmen bei Güstrow, in seiner Bibelarbeit an etlichen Beispielen aus dem Alten und Neuen Testament deutlich. Ebenso zitierte er den pommerschen Pastor A. Eckert, der 1910 vom „Martyrium der Landpfarrer“ schreibt, die nach hehren Träumen im Studium mit der harten Wirklichkeit konfrontiert wurden.

Die eigene Motivation ist jedoch unerlässlich, um andere zu motivieren. Richard Münchmeier, emeritierter Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin, machte dies in seinem Vortrag mit einem Sprachbild des mittelalterlichen Theologen Bernhard von Clairvaux deutlich: Erst wenn die Brunnenschale bis zum Rand gefüllt ist, kann das Wasser überlaufen und weiterfließen. Und so spielte auf dieser MAT auch der Austausch über die eigenen Quellen der Motivation eine wichtige Rolle, unterstützt durch ein Referat der Gestalttherapeutin Manuela Manderfeld.

"Wenn Ziele zu groß sind, wirst du daran erkranken“

Wie es gelingen kann, die eigene Motivation auf Kinder und Jugendliche zu übertragen, war der zweite Schwerpunkt der MAT. Wie Münchmeier erklärte, sind Jugendliche nicht in erster Linie am Programm einer Veranstaltung interessiert. Sie kommen, weil sie etwas suchen, das einen Rahmen hat, in dem sie eigene Erfahrungen machen und Inhalte selbst gestalten können, wo sie im weitesten Sinn Antworten auf Sinnfragen bekommen. Gemeinschaft ist ein ganz großer Aspekt. „Das alles können wir anbieten“, betont Stephan Rodegro. Wichtig sei dabei, realistisch zu bleiben. „Wenn Ziele zu groß sind, wirst du daran erkranken.“

Auch Erika Maurer ist von dem Vortrag begeistert: „Das waren so viele positive Punkte. Toll, das uns jemand sagt, dass unsere Arbeit so wichtig ist, von Bastelarbeiten über Gesprächsabende bis hin zu Fahrten. Das Spannende ist, dass die Jugendlichen nicht wegen des Programms kommen, sondern weil es ihnen bei uns gut geht – und dass sie trotzdem ein Programm brauchen.“

Sehnsucht nach Gemeinschaft

Ein ganz wichtiger Punkt für viele MAT-Teilnehmer war, dass Münchmeier Mut machte zur Kinder- und Jugendarbeit auf dem Land, trotz aller Schwierigkeiten: Die Jugendlichen seien zwar global in und mit den neuen Medien unterwegs. „Doch sie brauchen Orte für ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft – und die haben wir“, meint Stephan Rodegro. Und Johannes Beykirch ergänzt: „Sie zieht es ja auch zu Weihnachten nach Hause, ins Vertraute.“ Für beide ist darum klar: Statt per Gießkannenprinzip Finanzen und Arbeitskräfte in der Fläche von MV auszuteilen, muss es darum gehen, Orte zu stärken oder zu schaffen, wo Jugendliche sich treffen und ein Heimatgefühl entwickeln können.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 02/2018

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