„Bischof der Wende“: Werner Leich wird 85
Eisenach (idea). Der ehemalige Vorsitzende des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, Altlandesbischof Werner Leich (Eisenach), vollendet am 31. Januar sein 85. Lebensjahr. Er leitete diesen Zusammenschluss von 1986 bis 1990 neben seinem Amt als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, die sich 2009 mit der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland vereinigte. An deren Spitze stand er 14 Jahre lang bis zum Frühjahr 1992. Leich zählt zu den profiliertesten evangelischen Kirchenrepräsentanten in den östlichen Landeskirchen. Von 1980 bis 1983 war er auch Vorsitzender des kirchlichen Lutherkomitees in der DDR und von 1983 bis 1986 Leitender Bischof der dortigen Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche. Der konservative Lutheraner beteiligte sich als „Bischof der Wende“ an der politischen und kirchlichen Wiedervereinigung Deutschlands. Am 17. Januar 1990 unterzeichnete er zusammen mit dem damaligen EKD-Ratsvorsitzenden Martin Kruse die „Loccumer Erklärung“, in der sich EKD und Kirchenbund für eine Vereinigung aussprachen. 1993 war Leich vorübergehend als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten im Gespräch. Bereits vor der friedlichen Revolution kritisierte er das Selbstverständnis der evangelischen Kirche in der DDR als „Kirche im Sozialismus“. Dies trug ihm eine ständige Beobachtung durch den Staatssicherheitsdienst ein. Mindestens 17 Inoffizielle Stasi-Mitarbeiter hätten ihn während seiner Laufbahn bespitzelt, berichtete Leich nach Durchsicht der Akten.
Auch im Ruhestand ist Leich kirchlich aktiv. Wiederholt wies er darauf hin, dass es in Deutschland keinen Aufschwung gebe, wenn die Menschen nicht zu den Wurzeln des Glaubens zurückkehrten. Man habe die christliche Überzeugung verdrängt, dass jeder Bürger für das Wohlergehen der Gemeinschaft verantwortlich sei. Im Vorfeld des Zusammengehens von thüringischer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen kritisierte er diese Entscheidung und plädierte dafür, Eisenach als Sitz von Landesbischof und Landeskirchenamt beizubehalten. Anfang vergangenen Jahres gehörte Leich zu den Mitunterzeichnern eines Offenen Briefes gegen Bestrebungen, in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebenden Theologen generell den Zugang zum Pfarrdienst zu ermöglichen.
(30.01.2012) Quelle: idea

|