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Mehrere Gemeinden in MV testen neue Gottesdienstformate

Weniger Schwellen, mehr Nähe

Von Sybille Marx

Wie schon einmal zum Sonntag Kantate (Foto) wurde in Baumgarten ein Gottesdienst im Freien gefeiert.
23.08.2020 ǀ Bützow/Lohmen/Altefähr.  Wie können wir so predigen und feiern, dass wieder mehr Menschen zusammenkommen? Unter anderem bei Bützow, rund um Stralsund und in Lohmen experimentieren Haupt- und Ehrenamtliche zurzeit mit neuen Formaten.

Ein Sonntagsgottesdienst mit klassischer Liturgie – natürlich habe der seine Berechtigung, sagt Pastor Michael Fiedler aus Baumgarten bei Bützow. Und doch, sich in diesem Sommer mal bewusst davon wegzubewegen, „das war ein doppeltes Befreiungserlebnis“.

Fiedler und seine Pastoren-Kollegin Johanna Levetzow aus Bützow hatten während der Corona-Einschränkungen ihre schon vorher geplante Reihe „Landpartie“ angeboten: Fünf Gottesdienste in Gärten und Kirchhöfen ihrer fusionierten Gemeinden, mit Kirchenkaffee im Anschluss. „Uns war wichtig, dass die Menschen aus den verschiedenen Gemeindeteilen sich kennenlernen“, so Michael Fiedler. „Es geht im Glauben doch um Gemeinschaft.“

Befreiend sei es gewesen, ohne Mundschutz zu singen, aber auch, die Liturgie mit ihrer Schwere mal in der Kirche zu lassen. Mit weniger Text und moderneren Liedern wurde gefeiert. „Das hatte eine große Leichtigkeit.“ Nicht nur Fiedler scheint es gefallen zu haben: 40 bis 60 Besucher kamen jeweils aus dem Gemeindegebiet zusammen, darunter auch solche, denen die Schwelle zu einer Kirche sonst zu hoch ist.

Ganz ähnlich derzeit in der Gemeinde Lohmen bei Güstrow: Statt sonntags in der Kirche wird hier alle zwei Wochen sonnabends um 17 Uhr in wechselnden Gärten im Gemeindegebiet gefeiert – mit 30 bis 50 Menschen aus der Region. Neugier, aber auch der „neutrale Boden“ seien hilfreich, glaubt Pastor Jonas Göhrlich. „Mit ihrer Dorfkirche identifizieren sich die Menschen. Da ist es wie beim Fußball: Man setzt sich nicht in die Fankurve der anderen.“

"Alternative Angebote sind proppenvoll“

Weil die Gartengottesdienste auch Kirchenferne lockten, hat Göhrlich nur das Nötigste von der Liturgie behalten, alles an die Atmosphäre im Freien angepasst und Fachbegriffe wie „kyrie“ in Alltagsdeutsch übersetzt. „Die Resonanz war fast durchweg positiv“, sagt er. Inzwischen fragt er sich schon, ob so ein niederschwelliges Format in Gärten und anderen Orten nicht Zukunft habe, auch wegen der sinkenden Einnahmen. „Wir Pastoren sind so damit beschäftigt, unsere Kirchen zu erhalten“, sagt er. Es werde Zeit, dass die Kirchenleitung mal offen ausspreche: „Als kleine Religionsgemeinschaft mit immer weniger Pastoren können wir nicht alle Kirchen erhalten.“

Sich wieder mehr darauf zu konzentrieren, wie man neue Zielgruppen erreicht – das wollen auch die zehn Ehren- und Hauptamtlichen, die derzeit in und um Stralsund die Gottesdienstreihe „Kreuz und Quer“ starten. Kinderarzt Jens Nielinger aus Vilmnitz bei Putbus etwa gehört zum Team. Klassische Sonntagsgottesdienste seien wichtig, sagt er. Aber sie würden eben nur noch von wenigen, meist Älteren besucht. „Alternative Angebote wie ,Greifbar‘ in Greifswald oder die Leuchtfeuergottesdienste in Stralsund sind proppenvoll!“ Das zeige, dass mehr geht; dass mehr Menschen ansprechbar seien für die christliche Botschaft.

Am Sonnabend (22. August) will das Team einen ersten „Kreuz und Quer“-Gottesdienst zum Thema „Schweige und höre“ anbieten: in der Kirche Altefähr, mit Dialogpredigt von Pastorin Ellen Nemitz und der Ehrenamtlichen Ute Engelhardt. Mit viel Stille, moderner Musik und klarem Bezug zum Alltag. Zwei weitere „Kreuz und Quer“-Gottesdienste sind für Stralsund geplant, langfristig könnten es vier pro Jahr in der Region werden, hofft Nielinger. „Wir sind hoch motiviert.“
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 34/2020

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