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Klimawandel

Wartenberg-Potter fordert "Grüne Reformation"

06.11.2017 ǀ Köln/Lübeck.  Die evangelische Theologin Bärbel Wartenberg-Potter fordert eine "grüne Reformation". Das Klima ändere sich nachweislich durch den Umgang des Menschen mit der Natur, sagte die ehemalige Bischöfin der früheren nordelbischen Landeskirche am Sonntagabend in der Kölner Christuskirche beim Politischen Nachtgebet. Die Kirche müsse auch theologisch darauf vorbereitet sein, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung sei, sondern "nur ein Teilnehmer am Netzwerk Leben, ein Mitgeschöpf im planetarischen Ganzen".

Das Wohlergehen des Menschen hänge vom Wohlergehen der "gesamten Lebenskette" ab. Deshalb müsse der Mensch mit der Schöpfung im Sinne des Schöpfers umgehen und danach seinen Lebensstil ausrichten. Die Theologie müsse sich einsetzen für alles Lebendige.

In der Erdgeschichte als einem zehnbändigen Werk mit jeweils 500 Seiten würde jede Seite fünf Millionen Jahre ausmachen, erläuterte die Bischöfin im Ruhestand. Der Mensch käme erst auf der letzten Seite des zehnten Bandes vor. Die menschliche Zivilisation fände Platz in den letzten Worten. "Wir treten jetzt ein in das Erdzeitalter des Anthropozän, das fast ausschließlich vom Menschen bestimmt wird."

Wartenberg-Potter rief zu einer neuen kritischen Auseinandersetzung mit einigen Bibelstellen auf. Die Formulierung aus dem ersten Buch Mose, "der Mensch solle sich die Erde untertan machen", nannte sie fragwürdig. "Sind die Herrschaftsbilder, die wir in der Bibel finden, noch zeitgemäß?" Es gehe darum, manche kanonischen Texte neu zu lesen.
Quelle: epd