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Grenzgängerinnen und Grenzgänger trafen sich im 70. Jubiläumsjahr der Kirchenpartnerschaft

Wanderer zwischen Bayern und Mecklenburg

Von Christian Meyer

Die Teilnehmer des Klausurtreffens Bayern-Mecklenburg in Kühlungsborn
30.09.2018 ǀ Kühlungsborn.  „Wanderer zwischen den Welten“ – unter diesem Motto waren kirchliche Mitarbeitende aus Bayern und Mecklenburg eingeladen, die eine Zeit lang in der jeweils anderen Kirche gearbeitet haben. Ort des Begegnungstreffens im Jubiläumsjahr „70 Jahre Partnerschaft Bayern-Mecklenburg“ war das Ostseebad Kühlungsborn.

„Wir waren das erste Theologenpaar, welches sich in Mecklenburg eine Pfarrstelle teilte.“ Pastorin Christiane Weber – heute im bayerischen Regensburg zu Hause – war mit ihrer Familie zehn Jahre im Nordosten. Aus ihrem Dienst in Gnoien und Conow habe sie manche Erfahrungen mitgenommen. „Eine ist der Umgang mit Menschen, die in totalitären Systemen aufgewachsen sind“, so die Theologin und ergänzt: „Da in Regensburg zahlreiche Russlanddeutsche zu Hause sind, kann ich meine Erfahrungen in die Gemeindearbeit und Seelsorge gut einbringen.“

So wie Christiane Weber waren etliche dieser pastoralen Grenzgänger zu einem Austauschtreffen nach Kühlungsborn gekommen – einer Veranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres „70 Jahre Kirchenpartnerschaft Bayern – Mecklenburg.“

Prägend war die Zeit in Mecklenburg ebenso für die beiden Kinder der Webers. Die Tochter Karin ist heute 18. Sie zog im Alter von vier Jahren aus Conow nach Regensburg. Ihr Bruder Konrad war damals knapp sieben und hat noch konkrete Erinnerungen: „In der bayerischen Schule war ich immer der Preuße. Denn ich war kein gebürtiger Bayer.“ Ost-West sei keine Frage gewesen, eher Nord-Süd. „Mecklenburg-Vorpommern empfand ich damals als ein sehr zurückgebliebenes Land im Vergleich zu den bayerischen Dörfern und Städten.“

Heute, nachdem er als „Bayer, der kein echter ist“, seit zwei Jahren in Berlin studiert, fühlt sich der 21-Jährige durch die Nähe zu Mecklenburg sehr wohl. „Ich habe viele Freunde und Bekannte dort, selbst mein Patenonkel wohnt an der Ostsee.“ Befragt nach seiner Identität sagt Konrad klar: „Ich bin ein Wanderer zwischen den Welten, kein typischer Mecklenburger und kein typischer Bayer.“ Dies sieht der junge Mann durchaus positiv. Denn wenn er an seine Freunde in Regensburg denkt, die alle nach Schule, Studium oder Lehre, in Bayern bleiben wollen, empfinde er sich selbst freier und unabhängiger: „Ich habe eine Bayern-Oma, so wie die Mutter meines Vaters Klaus liebevoll genannt wird, und meine Eltern wohnen dort. Ich bin jetzt aber gern in Berlin.“ Und die Metropole sei nicht weit entfernt von der „mecklenburgischen Ostseeküste, die ich liebe“.

Seine Schwester Karin hat nur noch bruchstückhafte Erinnerungen an Conow: das Pfarrhaus, die Kita, die weite Landschaft. Einzig viele Fotos beleben die frühe Kindheit in Mecklenburg. Im Urlaub ist die 18-Jährige aber viel im Nordosten, hat hier gute Freunde. Offen gesteht sie, dass sie nach dem Abitur auch „weltwärts“ gehen und fremde Kontinente, Kulturen und Menschen kennenlernen möchte. Denn auch sie sei nicht so verwurzelt in Bayern.

Wichtig sind persönliche Begegnungen


Ein echter Bayer in Mecklenburg hingegen ist Christian Rudolph. „Seit 24 Jahren bin ich in Ballwitz in der Nähe von Neubrandenburg“, sagt der Gemeindepastor. Die Arbeit sei spannend, denn „kein Stein bleibt auf dem anderen“, alles verändere sich. Gerade aktuell würden die Strukturen und Stellenpläne neu justiert, was auch Ängste vor Veränderungen und dem Kontaktabbruch zu den Gemeindegliedern nach sich ziehe. „Auf der anderen Seite müssen die Menschen selbst die Zukunft der Gemeinde gestalten“, stellt Christian Rudolph fest, der eine Engführung auf die Pastoren und deren Anzahl nicht für gut hält.

Frank Zelinsky hingegen ist heute Rektor im Pastoralkolleg in Neuendettelsau. Zuvor war er Pfarrer in Augsburg und leitete davor sieben Jahre lang das Theologisch-Pädagogische Institut der früheren Mecklenburgischen Landeskirche. Ebenso war er fünf Jahre Gemeindepastor im Nordosten. „Meine Verbundenheit mit Mecklenburg ist anders, stärker ausgeprägt“, schätzt der 56-Jährige sich ein. Hier jetzt in Kühlungsborn zu sein, sei wie Heimkommen. Mit Blick auf die Zeit in Mecklenburg sagt der Theologe: „Den Kontakt zu den Menschen zu finden war anders, da die gesellschaftliche Relevanz des christlichen Glaubens oft fehlte. Es war nötig, eine neue Sprache zu suchen. Das heißt konkret deutlich zu machen, woran wir glauben und woraus wir leben. Davon habe ich ungemein profitiert.“

Heute erlebe er in Bayern, wie sich die Verhältnisse in den Kirchengemeinden ebenso ändern. „Dies erschreckt viele bei uns. Und wir tun uns schwer, damit umzugehen, weil beispielsweise der Gottesdienstbesuch immer noch gut ist. Aber wir verlieren Menschen und sind gezwungen mit Fantasie und Innovation neue Wege zu gehen“, so Frank Zelinsky. Ein Weg: Der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Gemeinwesen.

Von anderen Erfahrungen profitieren

Für die bayerische Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel sind es Personen, die die vor 70 Jahren begründete Partnerschaft zwischen den evangelischen Christen in Mecklenburg und Bayern tragen. Deshalb liegt ihr neben der finanziellen Bayern-Förderung der beiden mecklenburgischen Stiftungen „Kirche mit Anderen“ und „Bauen in Mecklenburg“ der persönliche Austausch besonders am Herzen. „Ich schätze unsere jährlichen Treffen auf der Ebene der Kirchenleitungen sehr. Wir profitieren von den mecklenburgischen Erfahrungen und Projekten.“ Dass die Diakoniewerke in Kontakt sind, Gäste aus Mecklenburg beim Sommerfest des Landessynodalausschusses in München dabei waren oder der Schweriner Bischof Andreas v. Maltzahn auf dem bayerischen Kirchentag predigte und der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in Mirow oder Rostock auf der Kanzel stand, habe „das Jubiläumsjahr geprägt und die fruchtbare Partnerschaft weiter gestärkt“.

Die Klausur hatte ein Leitungsteam um Pastor Gerhard Altenburg vorbereitet. Der Referent der Schweriner Bischofskanzlei kam 2003 als bayerischer Gastvikar nach Mecklenburg. Er arbeitete mit Stefanie Schulten, Studierendenpastorin, und Ökumenepastor Tilman Jeremias, die beide aus München stammen, und Frank Zelinsky das Tagungsprogramm aus. Es entstand ein Impulspapier für die Zukunft der Kirchenpartnerschaft. Dieses wird Anfang 2019 bei der nächsten Begegnung der Kirchenleitungen in Regensburg eine Rolle spielen.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 39/2018

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